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| Morde im Musikermilieu |
| Der Schallplattenmann |
14. Januar 2008 |
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Neue Bücher
Ulrike Sárkány über Stefan Maelck, Tödliche Zugabe/Hank Meyer ermittelt
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| NDR kultur |
07. Januar 2008 |
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| Frohe Zukunft fällt aus |
| Neue Ruhr Zeitung |
12. Dezember 2007 |
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Halle, fast sympathisch
Restintelligenz im grotesken Dunkeldeutschland: Hank Meyer ermittelt wieder
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| Kreuzer Leipzig |
01. Dezember 2007 |
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| Privatdetektiv Hank Meyer |
| Radio Fritz |
14. November 2007 |
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| Rasendes Tempo, Irrwitzige Dialoge |
| Visions |
01. November 2007 |
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| Wie saukomisch es im (Musik-)Osten Deutschlands zugehen kann, zeigt Stefan Maelck in seinem zweiten Hank Meyer-Fall. |
| GALORE public |
01. November 2007 |
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| Auf der Jagd und auf der Flucht |
| ROCKS 6/2007 |
01. November 2007 |
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MUSIKERMORDE IN DUNKELDEUTSCHLAND
Stefan Maelck ist der Meister des Sex & Crime-Heimatromans |
| Melodie & Rhythmus |
29. Oktober 2007 |
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| Stefan Maelck, das ist der deutsche Kinky Friedman! |
| Zitty Berlin |
17. Oktober 2007 |
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| 3satbuchzeit: Aktuelle Krimi-Bucherscheinungen 2007, moderiert von Gert Scobel |
| 3satbuchzeit |
11. Oktober 2007 |
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Too sexy for the Führerbunker
Ein schneller, kleiner, schmutziger, fröhlicher Hank-Meyer-Krimi |
| Junge Welt Messe-Literaturbeilage |
10. Oktober 2007 |
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| Kurz und Knapp |
| Die Welt |
30. September 2007 |
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Halles Marlowe trinkt gern Beton
Stefan Maelck und sein neuer Hank-Meyer-Krimi |
| Mitteldeutsche Zeitung |
19. September 2007 |
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Alles Lüge
Stefan Maelcks «Pop essen Mauer auf» |
| Neue Zürcher Zeitung |
06. Februar 2007 |
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Freundlich aus der Hüfte schießen. Statt vollmundiger Visionen: Der Schriftsteller und Journalist Stefan Maelck zieht selbstbewusste, kleine Schritte vor.
Von Andreas Montag |
| Mitteldeutsche Zeitung |
20. Januar 2007 |
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| Print Pop von Matthias Penzel |
| Rolling Stone |
01. November 2006 |
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| Klingende Rache des Ostens |
| Thüringer Allgemeine |
01. November 2006 |
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| Popmusik aus dem Labor |
| ORF.at |
01. November 2006 |
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Drogen, Nutten, Dosenbier
Stefan Maelck entdeckt die wahre Geschichte der Popmusik – in der DDR |
| Zitty Berlin |
26. Oktober 2006 |
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| Duttweilers Erbe |
| Falter Wien |
04. Oktober 2006 |
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| WIE DER KOMMUNISMUS DEN POP ERFAND |
| Melodie & Rhythmus |
01. Oktober 2006 |
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Elvis, Erich, Erektionen
Alle Stasi außer Zappa: Stefan Maelck schreibt die Popgeschichte neu |
| KREUZER Leipzig |
01. September 2006 |
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| Drogen, Nutten, Dosenbier – wie die DDR den Pop erfand |
| Nordkurier |
23. August 2006 |
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Stefan Maelck enthüllt: Die DDR erfand den Pop – und machte sich damit selber obsolet.
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| GALORE Public |
16. August 2006 |
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| Echt leiwand |
| Kulturwoche.at |
14. August 2006 |
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Honeckers Hüfte |
| Die Welt |
08. August 2006 |
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| Das Leben der ganz anderen |
| Sächsische Zeitung |
08. August 2006 |
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| Alles war ganz anders |
| Süddeutsche Zeitung |
04. August 2006 |
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| Lachet und staunet! |
| Radio Fritz |
01. August 2006 |
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Kein schlechter Plot: Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte. “Pop essen Mauer auf" ist die neue Roman-Satire des halleschen Autors Stefan Maelck.
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| FRIZZ Halle |
01. August 2006 |
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| Zwischen Gammelfleisch und Vogelgrippe |
| taz |
29. Juli 2006 |
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| Stefan Maelck "Pop Essen Mauer Auf" |
| WOM Magazin 8/2006 |
27. Juli 2006 |
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Als Honecker den Punk erfand
«Pop essen Mauer auf»: Die Stones ein Produkt der Stasi, Elvis erzeugt in Ostberlin? |
| Mitteldeutsche Zeitung |
22. Juli 2006 |
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| "Der Stasi ist alles zuzutrauen, also auch der Pop" |
| Donaukurier |
20. Juli 2006 |
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Neue Bücher
Pop essen Mauer auf |
| NDR Kultur |
19. Juli 2006 |
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Krimi-Kost: Gekonnte Raserei auf Ost Highway
Der gebürtige Wismarer Stefan Maelck las im Zeughaus |
| Osteseezeitung Wismar |
24. September 2003 |
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| http://www.krimi-forum.net/Datenbank/Autor/fa001407.html |
| www-krimi-forum.net |
10. September 2003 |
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MORDSKOMISCH!
STEFAN MAELCK’s „Ost Highway“ ist jetzt schon Kult!
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| Cab Nightflight August/September |
15. August 2003 |
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Zonenfinder
Stefan Maelck schickt seinen Detektiv in den Stasi-Sumpf
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| FAZ |
21. Juli 2003 |
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Gut riechen, viel saufen
In Halle, Sachsen-Anhalt, wird mindestens dreifingerbreit überkandidelter gemordet als in Raymond Chandlers L. A.: Stefan Maelcks erster Hank-Meyer-Roman "Ost Highway" |
| taz |
17. Juni 2003 |
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| kulturmagazin aspekte |
| zdf.de/aspekte |
13. Juni 2003 |
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Sex, Drugs & Rock’n’Roll – Schlüpfer, Bier & Country
Stefan Maelck: Ost Highway |
| RISSE-Heft Nr.11 Frühjahr 2003 (6.Jg.) |
01. Juni 2003 |
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Blick nach vorn durch den Rückspiegel
Westperspektive Ost: Stefan Maelck führt auf den Ost Highway |
| scheinschlag, berlin |
07. Mai 2003 |
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| Lesenswertes im Mai |
| Glamour |
01. Mai 2003 |
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Liebestöter
Ein Mann und sein Fetisch: In Stefan Maelcks Krimidebut Ost Highway dreht sich alles um Schlüpfer.
Die fliegen nicht nur bei Konzerten auf die Bühne, sondern dienen auch als Mordwaffe. |
| Kultur News |
01. Mai 2003 |
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Schlüpfer der Rache
Halle, Hank und Stefan Maelck |
| Blitz April/Mai Leipzig/Halle |
15. April 2003 |
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| 3.Kriminacht im ZAKK |
| Rheinische Post |
05. April 2003 |
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| „Wilder Westen“ für den Hausgebrauch |
| titel heft 01- Magazin für Literatur und mehr März/Ap |
19. März 2003 |
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Durch die Sümpfe
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| Thüringer Allgemeine |
07. März 2003 |
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| Hank Meyer und der Schlüpfermörder |
| Persona Non Grata |
02. März 2003 |
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| Coole Typen mit Humor |
| Kulturfalter |
01. März 2003 |
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| Ost Highway |
| www.elektrolurch.com |
01. März 2003 |
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| Seitenhiebe auf den Osten |
| T.AKT, Stadtmagazin Erfurt |
28. Februar 2003 |
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| Nicht politisch korrekt - gut so! |
| Bonner Generalanzeiger |
22. Februar 2003 |
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| Schräge Vögel |
| Leserkritik bei Amazon.de |
19. Februar 2003 |
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| Trinkfester West-Detektiv in Deutsch-Ost |
| Oldenburgische Volkszeitung |
07. Februar 2003 |
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| Hallo Meine Lieben |
| Glitterhouse Katalog |
02. Februar 2003 |
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| Stefan Maelck entzückt mit Mordsgeschichte |
| Ostsee Zeitung |
01. Februar 2003 |
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| Stasi-Spur bis Florida |
| Mitteldeutsche Zeitung |
21. Januar 2003 |
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Rowohlts neuer Spitzentitel «Ost Highway»
Der Mief des Eingemachten und der Duft der großen weiten Welt
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| Freies Wort |
17. Januar 2003 |
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| Warum, hier ist es doch klasse! |
| Stadtmagazin FRITZ Halle |
01. Januar 2003 |
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| Solitary Man |
| Kreuzer - Das Leipziger Stadtmagazin |
01. Januar 2003 |
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| Mit Vollgas auf dem Ost Highway |
| Mitteldeutsche Zeitung |
21. Oktober 2002 |
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| Morde im Musikermilieu |
| Der Schallplattenmann, 14. Januar 2008 |
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Morde im Musikermilieu
Full Metal Klepzig ist als Musikfreund und Saufkumpan schwer in
Ordnung -- aber als Kommissar nur mäßig tauglich. Für die
Aufklärung von Morden gibt es Privatdetektive wie Hank Meyer.
Der verliert trotz stetig sinkender Einnahmen -- »viele meiner
früheren Kunden hatten inzwischen den ganzen Tag zur freien
Verfügung und konnten ihre Frauen selbst überwachen« -- weder
Mut noch Sarkasmus, orientiert sich an den richtigen Vorbildern
aus dem Fernsehen und ist vor allem mit seinen eigenen Problemen
beschäftigt. Doch eine bizarre Mordserie im Musikermilieu
erschüttert auch ihn: Der Gitarrist der Gruppe Frohe Zukunft
wird vor dem Konzert tot auf der Bühne aufgefunden -- ermordet
mit seiner Gitarre, deren Hals noch aus seinem Rücken ragt.
Wenig später erwischt es den Sänger der Band Perlen: Er wird mit
einem Cello erstochen. Da ist Hank Meyer den Mördern längst auf
der Spur, zieht durch die Kneipen von Halle und trauert seinem
sinnsuchenden Freund Heuser nach, den er an eine Frauen-WG
verloren hat.
"Tödliche Zugabe" ist Stefan Maelcks zweiter Roman, in dem er
den Privatdetektiv und Radio-DJ Hank Meyer durch Halle stolpern
lässt. Dass dieser den Mord am Ende tatsächlich aufklärt, ist
unerheblich und wohl dem Genre geschuldet. Diese Geschichte
macht daher nicht wegen des Plots oder der Aufklärung eines
kniffligen Verbrechens Spaß, sondern weil Stefan Maelck die
absurde Geschichte mit selbstironischen Lebensbetrachtungen
einem Außernseiter in den Mund legt; einem Außenseiter, der
nicht deshalb am Rand der Gesellschaft steht, weil er
ausgesondert wurde, sondern weil es zu ihm passt. So kommentiert
Stefan Maelck die Gesellschaft, ohne in stiere
Gesellschaftskritik zu verfallen. Das ist die kostenlose
Draufgabe zu einem Kriminalroman, der eigentlich nicht mehr sein
möchte als eine kleine, lässig-irrwitzige Geschichte. |
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Neue Bücher
Ulrike Sárkány über Stefan Maelck, Tödliche Zugabe/Hank Meyer ermittelt
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| NDR kultur, 07. Januar 2008 |
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Sture Polizeiarbeit ist Stefan Maelcks Sache auch nicht; sein ‚Private Eye’ Hank Meyer in Halle hat extrem unkonventionelle Methoden. Und auch er hat eine direkte Verbindung zum Rundfunk: er präsentiert eine Countrymusik-Sendung mit dem originellen Titel „Lost Songs Found“, was auch mal zu „Ost Songs Found“ mutieren kann. Anders als sein Erfinder, der aus Wismar stammt, ist Hank Meyer ein Zugereister aus dem Westen, der sich vorurteilslos, aber hart mit den kriminellen Vorgängen in „Dunkeldeutschland“ herumschlägt.
In Meyers erstem Fall „Ost Highway“ war das Mordopfer eine frühere „inoffizielle Mitarbeiterin“. Im zweiten, „Tödliche Zugabe“, ereilt gleich mehrere einheimische Rockmusiker ein gewaltsamer Tod, begleitet von Drohbriefchen mit Milton-Zitaten. Der Autor Stefan Maelck zieht alle Register seiner umfassenden Bildung. Spaß machen seine Bücher aber vor allem wegen Meyers herzzerreißend komischer Männerfreundschaft zu Nachrichtenredakteur Heuser und Kommissar Klepzig, bislang eingefleischte Junggesellen wie er, deren Leben sich zwischen Kneipenabenden und unverbindlichen Liebesnächten mit vorzugsweise wechselnden Damen abspielt. Natürlich besticht auch Stefan Maelcks Wortwitz, und am Ende freut man sich bereits auf den dritten Hank-Meyer-Roman, der zum Glück auch schon in Arbeit ist:
ZITAT
Ich war wieder einmal bestätigt in meiner These, dass die Theoretiker die eigentlichen Verbrecher sind, und musste an meine Kindheit denken. Es gab doch immer einen, der sich die Streiche ausdachte, und ein paar Blödmänner, die sie ausführten und verantwortlich gemacht wurden. (...)
Und ich träumte weiter von der großen Liebe, die manchmal Giselas Gestalt annahm, vom Kalten Krieg und von den Leichen im Keller. Aber das ist eine andere Geschichte.
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| Frohe Zukunft fällt aus |
| Neue Ruhr Zeitung, 12. Dezember 2007 |
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Krimi & Co: Die da fallen, sind sein Fall: Hank Meyer, Stefan Maelcks Privatdetektiv aus Halle
Halle ist die Stadt, deren endlich pensionierter Tatort-Kommissar Ehrlicher sich nun komplett verblümt lächerlich macht. Zum Lachen ist das nicht, doch zum Glück hat er einen Nachfolger, der so ziemlich in allem sein Gegenteil ist: nicht so beflissen, nicht so langatmig korrekt, nicht so öffentlich-rechtlich rechthaberisch. Hank Meyer hört Country und Soul, liegt am liebsten im Bett und baut Beton ab, was ein ziemlich grässliches, der neuerlichen Osterweiterung geschuldetes Gemisch aus Becherovka und Tonic ist, und wenn er sitzt, dann manchmal auf dem Fahrrad und meistens im Hölderlin, seiner Stammkneipe, wo die Männerschweigegruppe tagt. Er ist Single, Privatdetektiv, Rundfunkmoderator für verlorene Seelen und hat für jede Gelegenheit ein hilfreiches Zitat. Hank Meyer könnte auf seinen verschlungenen Wegen Sam Spade und Philip Marlowe hinterher Kult werden. Stefan Maelcks zweiter Roman ist danach, denn Hank Meyer ist anders als andere Menschen und eben deswegen einer von uns.
Halle hat seit der Wende neunzigtausend Leute an den Westen verloren. Hank Meyer ist den umgekehrten Weg gekommen. Nun konstatiert er Konjunkturflaute, weil viele seiner Exkunden inzwischen den ganzen Tag zur freien Verfügung haben und also ihre Frauen selbst überwachen können. Im Osten dieser Oststadt liegt der Puff neben der Regionalzeitung. Bedürfnisbefriedigung auf engstem Raum. Und an ihrem entgegengesetzten Ende liegt der Leadsänger der Band „Frohe Zukunft“ durchbohrt von einer Fender Stratocaster. Jetzt ist am Eingang plakatiert: „Frohe Zukunft fällt aus“. Ein Fall für Hank Meyer.
Der wankt durchs Lokalmilieu, besucht Triller-Uschi, die ihm ihre Carolin-Reiber-Nummer erklärt, sinniert über die Stadt der Dichter und Denker (oder Richter und Henker?), verliert seinen besten Freund an eine Frauen-WG, wartet auf große Unbekannte und kleine Gelegenheiten, muss nach Erfurt und an die Ostsee, ist platt, aber nicht sprachlos inmitten seiner Klientel der lumpenproletarischen Nichthäuslebauer und geht auf die vierzig zu, wenn er so weitertrinkt sogar ziemlich stramm. Aber was soll einer machen, dem seine Auftraggeber Wodka oder Wodka-Orangensaft anbieten, den puren Saft aber zurückhalten, weil davon nicht genug im Haus ist?
Alle, die da fallen, sind sein Fall. Verheulte Gesichter machen nicht jünger. Und dann ist noch einer tot. Wieder ein Musiker. Diesmal steckt ein Cellodorn im Rücken und nun sind auch die Perlen sängerlos. Aus Gründen der Erfolgsschnittigkeit haben sie ihren Appendix „vor die Säue“ weggelassen. Nun haben sie gar nichts mehr. Die Dinge überschlagen sich endgültig und Hank Meyer muss überallhin. Der Leser bleibt ihm auf den Fersen durch diese rasante Roman-Parodie und Krimi-Persiflage. Wer die Mörder sind, ist nicht so wichtig. Ob die gebrochenen Männer aber husten oder lachen, möchte man schon erfahren und unterwegs die Pointen einsammeln.
Stefan Maelck: Tödliche Zugabe. Hank Meyer ermittelt. Roman. Rowohlt Berlin. 208 Seiten. 16,90 EURO
Ulrich Steinmetzger
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Halle, fast sympathisch
Restintelligenz im grotesken Dunkeldeutschland: Hank Meyer ermittelt wieder
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| Kreuzer Leipzig, 01. Dezember 2007 |
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Halle, fast sympathisch
Restintelligenz im grotesken Dunkeldeutschland: Hank Meyer ermittelt wieder
Halle ist die Hölle, klar. Aber solange es Leute wie Hank Meyer gibt, ist vielleicht noch nicht alles verloren. Der ist Radio-DJ und Privatdetektiv und soll aufklären, wer reihenweise die Elite der Hallenser Rockszene mit Curtis Mayfield-Zitaten bestückt und anschließend flugs hinmetzelt. Nebenher wird noch eine Kindsentführung geklärt, Frauen-WG-Erfahrung gesammelt, einer rechtschaffenen Puffmutter unter die Arme gegriffen und ordentlich gesoffen – vorzugsweise „Beton“, Becherovka mit Spuren von Tonic.
Hank Meyer und seine Freunde sind eine der letzten Widerstandszellen menschlichen Verstands und Anstands in „Dunkeldeutschland“, haben immer ein Karl Kraus-Zitat bei der Hand, ihren John Milton gelesen und natürlich – oberste Priorität – den richtigen Song für jede Lebenslage parat. Ausgeteilt wird nach allen Seiten. Der gemeine Besserwessie bekommt genauso vor den arroganten Latz, wie die offensichtlich gemeingefährlich debile, Bild-verseuchte Eingeborenenmasse mit all ihren grässlichen Klamotten und dem kriminell schlechten Musikgeschmack.
Dass ein Krimi von Stefan Maelck nicht unbedingt auf die Werte Suspense und stringente Logik setzt, weiß man aus den bisherigen Romanen des Wahlhallensers. Auch in dieser zweiten Hank Meyer-Geschichte tummeln sich „mehr Typen, als man im Gesamtwerk von Peter Handke je antreffen würde“, geht es um trockene Sprüche und coole Musik, um die trotzige Verweigerung von Katzbuckelei und Karriere, um den Hauch aufrechter Restintelligenz in einem Land, in dem jeder, der lesen kann, schon fast als Wissenselite gilt.
Kurzweilig und urkomisch ist das in Szene gesetzt, mit einer Fülle an absolut lebensechten Halle-Details unterfüttert, geschliffen formuliert ohne besserwisserisch zu sein und selbst in den groteskesten Momenten – von denen gibt es eine Menge – grundsympathisch. Ein Lesevergnügen im eigentlichen Sinne also – wenn man denn einigermaßen kulturkompetent ist und vielleicht nicht gerade nur die Kuschelrock-Sammlung im heimischen CD-Regal hat. Vor dem Lesen unbedingt eine gute Soul-Platte bereitlegen!
Jörg Augsburg
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| Privatdetektiv Hank Meyer |
| Radio Fritz, 14. November 2007 |
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14.11.2007 Privatdetektiv Hank Meyer
Gute Krimis spielen im nebligen London, in flirrender Hitze in Neapel oder meinetwegen auch mal in Berlin-Mitte. Seit neuestem gehört aber auch die ostdeutsche Provinz mit in diese Reihe. Stefan Maelck ist ein Radiokollege aus Halle an der Saale und er verortet seine Hank Meyer-Krimis genau da. Nach „Ost Highway“ ist jetzt der zweite erschienen, der heißt „Tödliche Zugabe“.
Seit dem ersten Hank Meyer-Krimi, wo der Privatdetektiv und Radio-DJ furios einen Schlüpfermord in der Radioszene aufklärte, gab es außer kleinen Fische kaum Kohle zu verdienen. Auch sein Privatleben lässt zu wünschen übrig – sein bester Freund Heuser hat sich abgemeldet zum Selbsterfahrungstrip Familienplanung. Also lötet sich Meyer Abend für Abend alleine Becherovka-Tonics (genannt Be-ton) rein und wartet auf einen neuen Fall. Der Anruf aus dem Objekt 5, wo heute Abend die aufstrebende Band „Frohe Zukunft“ auftritt, passt ihm da super in die Agenda:
Leseprobe:
„Meistens schätze ich es, wenn man mir direkt in die Augen sieht. Allerdings nicht, wenn mein Gegenüber dabei auf dem Bauch liegt, den Kopf seltsam verdreht hat und aus seinem Rücken der Hals einer Fender Stratocaster ragt. Das hier war kein abgeschmackter Werbegag, Marke echtes Hinguckermotiv fürs Konzertplakat. Eher das Gegenteil. Das hier war der Gitarrist von Frohe Zukunft, und er lag tot auf der Bühne.“
Dem Mord in Halle folgt ein zweiter an einem Sänger in Erfurt, die Verbindung scheint eine gemeinsame Freundin zu sein, aber auch der Fund dubioser mysteriöser Songtexte is wohl nicht unerheblich.
„Tödliche Zugabe“ is ein Kriminalroman aus dem Bilderbuch mit astreiner, verzwickt aufgebauter Dramaturgie, Zeugen, Opfern und Mördern, die noch richtige Typen sind und einem herrlich-flapsigen Privatdetektiv mit viel Humor. Also schon mal den „Beton“ kaltstellen und beschwingt in die Abgründe der Ostdeutschen Provinz rein lesen! Was war das nochmal – Becherovka-Tonic???!!!! Ihr dürft das Buch aber auch ohne Drink lesen! |
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| Rasendes Tempo, Irrwitzige Dialoge |
| Visions, 01. November 2007 |
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Stefan Maelck
Tödliche Zugabe
Rowohlt
„Ich belud mein Fahrrad mit meinem 82 Kilo wiegenden Anteil an der Kollektivschuld und heizte Richtung Innenstadt. Warum war in Halle bloß dauernd Stau? Ständig Berufsverkehr, obwohl die meisten doch gar keinen Job haben.“ Drei Sätze, drei Seitenhiebe gegen Ost-, Alt- und Dunkeldeutschland. Und so geht das fort in Stefan Maelcks drittem Roman, der, wie auch seine beiden Vorgänger, nur so sprüht vor schwarzem Humor, listigem Entlarven und herrlich verspulten Figuren. Denn Maelck, neben seiner Schriftsteller-Tätigkeit auch Radio-Journalist und -DJ, weiß, was er da tut und wovon er spricht, wenn er von den Musik-nerdigen Cowboys der ostdeutschen Straßen berichtet, die bemüht sind, sich in ihrem selbst geschaffenen Sumpf ein irgendwie erträgliches – man will ja gar nicht sagen: komfortables – Leben zu gestalten. Allen voran sein Privatdetektiv Hank Meyer, wohl nicht nur zufällig nebenbei ebenfalls Radio-DJ aus Leidenschaft, der in „Tödliche Zugabe“ zu seinem zweiten Fall anhebt. Jener spielt – wie sollte es anders sein – in der Musikszene der ostdeutschen Provinz. Erst wird der Gitarrist der aufstrebenden Rockband Frohe Zukunft direkt vor dem Gig mit seiner E-Gitarre erschlagen, nur kurz darauf findet man den Sänger der Perlen – erstochen mit einem Cello. Was ist da los? Und wie klingt wohl der Soundtrack zu diesen Morden und Meyers Ermittlungen? All das erfährt der Leser – in einem schier rasenden Tempo, mit wunderbar irrwitzigen Dialogen und gestochen scharfen Musik-, Pop- und Literatur-Zitaten, die allein schon jedem Nick Hornby-Roman zur Ehre gereichen. Denn Maelck versteht es ausgezeichnet, eine spannende Kriminalstory mit dem Midlife-Crisis-gebeutelten Dasein seiner Figuren und einem Fundus an musikalischen Referenzen zu verknüpfen, bis dem Leser ganz blümerant wird vor lauter Analogien zum eigenen Leben und Musikkonsum. Ob nun Kommissar Klepzig, ein Heavy Metal-Dogmatiker, Hank Meyers Detektiv-Kollege Heuser, der vorzugsweise in Filmzitaten parliert, die Prostituierte Triller-Uschi oder sein Informant ‚der Flüsterer’, der in seinem Plattenladen Whispers ausschließlich alte Vinyl-Originale feilbietet: Irgendwie haben sie alle einen ordentlichen Hau weg. Aber auf eine derart sympathische, liebevolle Art, dass man es gar nicht erwarten kann, Hank Meyers nächsten Fall zu lesen. Also, lieber Stefan Maelck: schön schnell weiterschreiben!
Sascha Krüger
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| Wie saukomisch es im (Musik-)Osten Deutschlands zugehen kann, zeigt Stefan Maelck in seinem zweiten Hank Meyer-Fall. |
| GALORE public, 01. November 2007 |
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Tödliche Zugabe
Wie saukomisch es im (Musik-)Osten Deutschlands zugehen kann, zeigt Stefan Maelck in seinem zweiten Hank Meyer-Fall.
Stefan Maelck hat den Humor gepachtet. Jener ist mal bitterböse, mal zotig, hier und dort abgrundtief unkorrekt und sehr häufig von Musik-Zitaten, Film-Anspielungen oder Literatur-Referenzen gespickt. Denn Stefan Maleck ist nicht nur ostdeutscher Schriftsteller einer jungen, wilden Generation, sondern zudem – wie auch seine Figur Meyer – Radiojournalist und DJ. Dank seiner Herkunft hat es etwas wunderbar Selbstironisches, wenn er die Eigenheiten der Ostdeutschen aufs Korn nimmt und in herrlichen Gaga-Dialogen als das entlarvt, was sie sind: ein ulkiges Leben am Abgrund Dunkeldeutschlands. Sein herzensguter, aber latent desorientierter Privatdetektiv Hank Meyer, der nach dem formidablen Ersteinsatz in Maelcks Romandebüt „Ost Highway“ hier nun zum zweiten Mal ermittelt, ist dafür nur ein Beleg von vielen. Ob nun die Prostituierte Triller-Uschi, der Slayer-hörende Hauptkommissar Klepzig, der Vinyl-Freak ‚der Flüsterer’ oder Meyers Detektiv-Partner Heuser, der in eine Frauen-WG zieht, um testweise ein Dasein als Kleinfamilien-Gründer zu proben: Sie alle sind hinreißend verspulte Figuren um die 40 und damit mitten in der Midlife-Crisis, bei denen es viel Freude bereitet, sie durch ihre Sehnsüchte und Süchte, Hoffnungen und Desillusionierungen zu begleiten. Ach ja: Einen neuen Fall gibt es natürlich auch. Zwei Musiker aus Halle werden ermordet, beide erstochen mit ihrem eigenen Instrument. Will da jemand die ostdeutsche Rockszene eliminieren? Ganz so schlimm kommt es nicht – und doch bleibt einem beim Lesen vor lauter Tempo und schwarzem Humor nicht nur das Lachen und der Atem im Halse stecken. Eine Entdeckung, wieder mal.
Sascha Krüger
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| Auf der Jagd und auf der Flucht |
| ROCKS 6/2007, 01. November 2007 |
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Als die Mauer fiel, packte Stefan Maelck sofort seine Sachen, verließ Rostock und reiste um die Welt. Vor allem kreuz und quer durch die Stätten, aus denen das kam, was ihn bewegte und seither noch mehr umtreibt: Blues, Rock, Country, Sound und Zwischentöne. Er berichtet für MDR und NDR regelmäßig über das, worüber sich öffentlich-rechtlich reden lässt, und nach Feierabend schreibt er Romane – und lacht sich vermutlich immer wieder kaputt, so grotesk und abgefahren und irre wie die sind.
Privatdetektiv Hank Meyer kommt rüber, als wäre Humphrey Bogart in einer Blues-Spelunke wiederentdeckt und dann reanimiert worden. Warum lebt er in Halle?
Weil es dort den besten Musikschuppen Deutschlands gibt, das Objekt 5!
Wenn Hank der Radio-DJ Nikki Sudden ins Radio einlädt, schwingt auch ein bisschen Autobiografie von dir mit?
Nix ist wirklich erfunden, alles erlebt, dann verdichtet und mitunter etwas aufgeblasen ... oder verniedlicht, je nachdem.
Nix erfunden? Die mit dem Schlüpfer erwürgte Frau im Funkhaus?
Nun ja, etwas aufgeblasen. Gerda Lattke alias IM Maja, die Schlüpferleiche, ist natürlich halb erfunden: eine IM Maja gab es allerdings in echt, die ist direkt aus meiner Stasi-Akte geliehen...
»Ost-Highway« führte nach New Orleans, streifte Realsatire und Ostalgie genauso wie viel Musik. Was gab den Anstoß für »Pop essen Mauer auf«, die "Hartholz-Akte"?
Die Vorliebe für Verschwörungstheorien als andere Form der Satire.
Der Musikjournalist Ludger Bauer beweist darin, dass Popmusik eine Erfindung des Ostens ist, die schließlich für die Abschaffung des Ostens sorgte.
Mit Dialektik sind wir ja groß geworden in der DDR.
Wie würden Hank und Ludger Bauer nebeneinander aussehen? Kämen sie miteinander klar?
Hank hat den besseren Musikgeschmack, ist weniger ehrgeizig als Bauer. Er ist trinkfester, und die Frauen lieben ihn. Bei Hank läuft Van Morrison, No Guru, No Method, No Teacher; bei Ludger Bauer eher Floodland von Sisters of Mercy.
Was läuft bei dir, während du schreibst?
Lali Puna, Lambchop, Curtis Mayfield, Ketil Bjornstad.
Was passiert in dem neuen Hank Meyer-Fall?
Ein paar Rockmusiker werden ermordet: Aufgespießt mit der eigenen Gitarre, erstochen mit dem Dorn eines Cellos, in Meyers Stammkneipe an die Wand genagelt. Außerdem werden Kinder entführt, Hunde vergiftet, Substanzen missbraucht, also alles, was das Buch für eine Verfilmung in Korea prädestiniert. Und die Leser lernen Triller-Uschi, eine stadtbekannte Prostituierte kennen!
Bedeutet »Tödliche Zugabe«, dass wir schon am Ende des Vergnügens angekommen sind? (sprich: Was kommt als nächstes?)
In Hanks drittem Fall geht es um einen verschwundenen Helden und zugleich um Hanks eigene düstere Vergangenheit, er hat ein paar Leichen im Keller und wird selbst bedroht, ist also quasi gleichzeitig auf der Jagd und auf der Flucht. Wie die meisten Männer um die 40...
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MUSIKERMORDE IN DUNKELDEUTSCHLAND
Stefan Maelck ist der Meister des Sex & Crime-Heimatromans |
| Melodie & Rhythmus, 29. Oktober 2007 |
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MUSIKERMORDE IN DUNKELDEUTSCHLAND
Stefan Maelck ist der Meister des Sex & Crime-Heimatromans.
Nachdem Stefan Maelck zuletzt mit „Pop essen Mauer auf“, einer Theorie, dass die Staatssicherheit den Rock’n’Roll erfunden habe, um den Westen zu schwächen, begeisterte, lässt der Wahl-Hallenser nun seinen Privatdetektiv Hank Meyer zurückkehren. „Tödliche Zugabe“ heißt der zweite Roman nach „Ost Highway“ und die Opfer sind diesmal richtige Rockmusiker. M&R traf Stefan Maelck zum Interview.
M&R: Dein Privatdetektiv Hank Meyer ist zurückgekehrt. Nachdem er im Erstling „Ost Highway" in der Medienwelt, sprich beim MDR-Fernsehen, recherchieren musste, ist er jetzt bei den Rockmusikern angekommen. Kannst du in vielleicht drei Sätzen sagen, worum es geht?
STEFAN MAELCK: Der Gitarrist der aufstrebenden Rockband „Frohe Zukunft“ wird tot auf der Bühne gefunden, ermordet mit seiner eigenen Gitarre. Wenig später stirbt der Sänger der „Perlen“, ¬er wurde mit einem Cello erstochen. Heuser, Hanks Bruder im Geiste, schickt sich an, ein neues Leben zu beginnen: In einer Frauen-WG will er herausfinden, ob er sich nicht doch insgeheim nach einer Kleinfamilie sehnt. Hank würde den Freund lieber wie gewohnt für seine Ermittlungen einspannen. Als ihn dann noch seine langjährige Geliebte hängen lässt, stürzt Hank mit einem Mal selbst in die Midlifecrisis. Dann wird ein Kind entführt, ausgerechnet aus Heusers Test-WG. Außerdem wird eingeführt: Triller Uschi, die netteste Nutte Dunkeldeutschlands.
M&R: Hank Meyer ist wieder gut in Halle an der Saale unterwegs. Speziell der Club „Objekt 5" taucht immer wieder auf. Bekommt der Autor hier Freigetränke?
MAELCK: Schön wär's. Es ist einfach der beste Club weit und breit mit einer enormen Breite was Konzerte angeht, mit guten Preisen und netten Leuten. Warum also
nicht auch diesem heiligen Ort in Halle ein Denkmal setzen. In großen Städten ist man es gewohnt, dass die Bands automatisch kommen. Wenn man nicht in den Metropolen wohnt und zu jedem Konzert wegfahren muss, dann weiß man es noch mehr zu schätzen, wenn es Leute gibt, die wissen, was sie tun und geschmackssicher sind.
M&R: Gibt es Hallenser Gegenden oder Locations, die du grundsätzlich nicht in deinen Romanen erwähnen würdest?
MAELCK: So No-Go-Clubs? Keine Ahnung, in die gehe ich ja nicht. Aber es gibt auch nicht die Hass-Location, die ich aus Prinzip nicht erwähne. In viele Läden gehe ich nicht mehr, weil ich den Altersdurchschnitt enorm erhöhen würde. Doch es gibt natürlich andere Orte in Halle, die gut arbeiten und klasse Konzerte machen, der Druschba-Club z.B., wo man echte Entdeckungen machen kann. Meine Helden Meyer, Klepzig, Heuser sind schon sehr fixiert aufs Objekt und ihre Stammkneipe, das Hölderlin. Außerdem wollen sie keine
Entdeckungen mehr machen, sondern sehen und hören, was sie kennen.
M&R: Was meinst du, wären deine Bücher noch erfolgreicher, wenn Hank Meyer in Hamburg oder Berlin ermitteln würde?
MAELCK: Ich glaube, der Ort ist letztlich für den Erfolg egal und Krimis, die in Hamburg und Berlin spielen, gibt's ja auch schon genügend. Die Hank Meyer-Serie ist ohnehin ziemlich weit weg von der Hauptverkehrsstraße, thematisch, sprachlich, die Fälle betreffend. Also nicht unbedingt Stoff für konventionelle Krimileser, eher für sehr spezielle Leser, also solche, die mit Charles Bukowski etwas anfangen können und Jörg Fauser und Kinky Friedman. Richtig gut verkaufen sich eher Krimis, die so angelegt sind wie die Bücher von Donna Leon, einer privat sehr sympathischen Autorin, dessen Commissario Brunetti mir zu behäbig ist, der allerdings für viele Leser viel näher dran ist als die Country-Bulette Hank Meyer.
M&R: Ist es denn vorstellbar, dass Hank auch mal in einer anderen Stadt ermitteln muss?
MAELCK: Das ist durchaus möglich. Im dritten Hank-Fall wird neben einem spannenden
Auftrag in der bunten Welt der Medien auch noch die dunkle Vergangenheit Meyers aufgedeckt, der er sich endlich stellen muss. Wenn das getan und vor allem überlebt ist, dann kann er dorthin zurück gegen, wo er herkommt. Falls er das will, er hat es mir noch nicht mitgeteilt...
M&R: Ich habe neulich jemanden deine Hank Meyer-Romane empfohlen und ihm gesagt, dass es keine Krimis sind. Was ist es dann, wurde ich gefragt. Diese Frage gebe ich gern weiter...
MAELCK: Es sind Post-Pop-Screwball-Crime-Comedies. Wäre Adorno noch am Leben, hätte er das so genannt. Aber heute fällt das ja keinem mehr ein. Sex & Crime-Heimatromane ginge aber auch…
TEXT: CHRISTIAN HENTSCHEL
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| Stefan Maelck, das ist der deutsche Kinky Friedman! |
| Zitty Berlin, 17. Oktober 2007 |
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Stefan Maelck – Tödliche Zugabe Zitty Berlin
Viereinhalb Jahre ist es jetzt her, seit Stefan Maelcks urkomischer Detektiv/Journalist Hank Meyer zum ersten Mal in Dunkeldeutschland ermittelt hat. Eine verdammt lange Wartezeit, aber jetzt ist ja alles gut: Zwei Morde im Musikmilieu bringen Meyer auf die Spur, die ihn zu der in Halle stadtbekannten Prostituierten Triller-Uschi, einem reichen Produzenten und schließlich sogar in eine Frauen-WG führt. Das ist – wie bei Maelck üblich – alles wunderbar beobachtet und scharfzünging beschrieben und komisch kommentiert. Der Mann hört die richtige Musik, liest die richtigen Bücher und liefert damit das beste Gegenmittel gegen die ganzen wurstigen „Tatort”-Kommissare des alten deutschen Soziokrimis. Und weil dieser zweite Roman noch besser als der erste geworden ist, hängen wir uns jetzt mal so richtig aus dem Fenster: Stefan Maelck, das ist der deutsche Kinky Friedman! Eigentlich ist er sogar besser, denn der Kinkster legt bekanntlich wenig Wert auf den Plot, Maelck ist da ganz anders. Nächstes Mal aber bitte eine nicht ganz so lange Wartezeit, okay?
Lutz Göllner |
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| 3satbuchzeit: Aktuelle Krimi-Bucherscheinungen 2007, moderiert von Gert Scobel |
| 3satbuchzeit, 11. Oktober 2007 |
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"Ein ermordeter Gitarrist, dem Verkauf des Albums würde es vermutlich helfen, auch wenn er das magische Alter von 27 schon überschritten hatte. In Dunkeldeutschland konnte man auch mit Mitte 30 noch ein toter Held werden.“
(Stefan Maelck: "Tödliche Zugabe")
Und Dunkeldeutschland trauert auf viele Arten: Der eine gießt sich "Beton" hinter die Binde, der andere schlägt Alarm: Hank Meyer, Privatdetektiv und Radio-DJ, übernimmt den Fall. Er stürzt sich mitten hinein in die Welt aus Sex, Drugs and Rock’n’Roll in Halle. Dann muss der Sänger der Konkurrenzband "Die Perlen" dran glauben. Meyers Albtraum wird wahr: Jemand führt einen grausamen Kreuzzug gegen den Rock’n’Roll. "Tödliche Zugabe" von Stefan Maelck ist ein wahrlich schräges Krimivergnügen. Aufbau Ost im spannendsten Sinne: Rock'n'Roll Baby!
Martin Schöne
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/specials/113993/index.html |
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Too sexy for the Führerbunker
Ein schneller, kleiner, schmutziger, fröhlicher Hank-Meyer-Krimi |
| Junge Welt Messe-Literaturbeilage, 10. Oktober 2007 |
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Too sexy for the Führerbunker
Ein schneller, kleiner, schmutziger, fröhlicher Hank-Meyer-Krimi
Klaus Bittermann
Die Zitate, die Stefan Maelck seinem 3. Roman »Tödliche Zugabe« voranstellt, stammen von Nick Cave, Raymond Chandler und Albert Camus. Nick Cave besingt betrunkene Heilige, die den Mond anheulen, Chandler schreibt über schäbige Straßen, durch die ein Mann mit weißer Weste gehen muß, und Camus reflektiert die Konsequenz eines Mords, der aus Vernunftgründen begangen wurde. Bei den drei Referenzen weiß man schon mal eins: Der Mann hat einen guten Geschmack, und das ist ja schon mal die Grundvoraussetzung allen guten Schreibens. Wer jetzt jedoch ein gewichtigen literarischen Wälzer erwartet hat, bei dem die Augen der Feuilletonmafia feucht werden, der wird enttäuscht.
Stefan Maelck hat einen kleinen, schnellen, absurden Krimi geschrieben, der durch seine unverantwortliche Fröhlichkeit besticht, und er ist damit weniger in die Fußstapfen eines Chandler getreten als vielmehr in die eines Jonathan Latimer, eines Edgar Box oder eines Kinky Friedman. Hinter dieser Fröhlichkeit aber steckt immer noch Chandler genug, um die meisten anderen Adepten des Krimischreibergewerbes alt aussehen zu lassen, z.B. die Handlung wie ein kaputtes Fenster aussehen zu lassen, das im Wind quietscht und knarrt, wie Chandler einmal in einem Brief schrieb. Wozu auch braucht man eine gut durchkonstruierte Handlung, wenn sie sich dann auf einer derart hölzernen Erzählschiene dahinschleppt, daß höchstens eine barocke Leserschaft auf ihre Kosten kommt, die wissen will, wann genau der Fünf-Uhr-Tee eingenommen wurde, wenn der Mord fünf Minuten später passierte, die Standuhr aber zehn Minuten vorher stehen geblieben ist, oder weiß der Henker, an welchen verzwackten Konstruktionen sich eine Mimi erfreut, die ohne Krimi nie ins Bett geht. Sollten Sie also auf Handlung stehen, vergessen Sie »Tödliche Zugabe«.
Hier geht es um andere, weit essentiellere Dinge, z.B. um das Leben und seine Abgründe, und die sind bekanntlich niemals logisch. Na gut, »Tödliche Zugabe« spielt in Halle, wo man einen Privatdetektiv wie Hank Meyer nicht unbedingt vermuten würde, aber why the hell not. Auch ostdeutsche Kleinstädte brauchen jemand wie Stefan Maelck, der sich um sie kümmert und literarisch verewigt. In »Tödliche Zugabe« jedenfalls blüht das Städtchen in einer Weise auf, daß man sogar Lust bekommen könnte, darin zu leben, weil es verruchte Bars mit guter Musik gibt, Puffs mit großzügigen Puffmüttern und Konzerthallen, in denen Gitarristen mit ihrer Gitarre aufgespießt werden. Halle wird das nicht gefallen, denn Halle ist wie jede andere biedere Kleinstadt scharf darauf, ein nettes malerisches Bild in der Öffentlichkeit abzugeben. Aber da muß Halle nun durch.
Stefan Maelck ist ein Autor, der für eine gute Pointe seine Großmutter verraten würde. Und aus diesem Grund lassen sich auf jeder Seite mindestens zwei Stellen finden, die man sofort auswendig lernen möchte. Und meistens versteckt sich eine kleine oder größere Referenz dahinter, wie z.B. beim großen Finale, als aus einer überdimensionalen Torte jemand mit Uzi rausspringt, um ein Massaker anzurichten, und einem natürlich sofort die Szene aus »Manche mögens heiß« einfällt, als auf dem Kongreß der »Freunde der italienischen Oper« mit der Mafiakonkurrenz aufgeräumt wird. So macht die Lektüre eines Romans Spaß.
Hank Meyer schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Er ist nicht der Mann, der zielstrebig auf die Rente hin arbeitet. »Mein Bekanntenkreis bestand aus Radiofuzzis, Plattendealern und Polizisten, also lediglich aus Menschen, die in der Nahrungskette als Zweitverwerter galten.« Der Protagonist hält sich so gut es geht an Karl Kraus, der hellsichtig erkannt hatte, daß »alle größeren Dummheiten am Vormittag geschehen«, weshalb er dazu rät: »Der Mensch sollte erst erwachen, wenn die Amtsstunden zu Ende sind. Er trete nach Tisch ins Leben hinaus, wenn es frei von Politik ist.« Außer Privatdetektiv und Redakteur einer Musiksendung ist Meyer auch noch Trinker. »Und im Gegensatz zu Menschen, die gar nicht tranken, konnte ich durch Abstinenz jederzeit etwas für meine Gesundheit tun.« Dieser positive Aspekt fehlt bei Hank Meyers Tätigkeit als private eye, denn »die Zeiten waren mies, viele meiner früheren Kunden hatten inzwischen den ganzen Tag zur freien Verfügung und konnten ihre Frauen selbst überwachen. Größere Fälle spielten entweder in der Wirtschaftskriminalität oder im Kino.«
Hank Meyer ist verrückt nach Musik, und da fügt es sich auf wundersame Weise, daß ein paar Rock‘n‘Roller aus zwei Ostbands ermordet werden, quasi als Strafe dafür, daß ihre Musik »so klang, als würde man Katzen killen.« Und das ist ein weiterer vergnüglicher Grund, diese Kolportage zu lesen, denn Stefan Maelck ist ein ausgezeichneter Musikkenner, dessen drunken Saints u.a. Warren Zevon, Johnny Cash und Elliot Smith sind. Man erfährt viele aufschlußreiche Dinge, so daß das Buch nicht nur der Erbauung, sondern auch der Belehrung dient. Und was will man mehr von einem kleinen roten Hardcover?
Zum Beispiel lernt man, daß es beim Soul ums Überleben geht, »beim Rock‘n‘Roll um die verschiedenen Formen des Todes«, und die werden dann ja auch im Verlauf des Buches in Szene gesetzt. Und wenn am Ende dem Gesetz des Genres mit der Auflösung des Falls Genüge getan wird, kommt noch einmal Albert Camus zur Geltung, der in »Das Absurde und der Mord« schrieb, daß der Mord ohne Vernunftgründe dem »Irrsinn« die Tür öffnet. Die Konsequenz wäre, schreibt Camus, »sich abzuwenden«. Das muß man bei Stefan Maelck nicht, denn der Irrsinn, der bei ihm Einzug hält, ist der Irrsinn eines vollkommen unverantwortlichen Lebens, aus dem sich Anarchie und Chaos einfach nicht vollständig eliminieren lassen. It‘s only Rock‘n‘Roll but I like it.
Stefan Maelck, »Tödliche Zugabe. Hank Meyer ermittelt«, Rowohlt Berlin, 2007, 207 Seiten, ?.- Euro
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| Kurz und Knapp |
| Die Welt, 30. September 2007 |
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Tödliche Zugabe.
Der Musiker an sich ist ein harter Knochen. Wenn man vom streng-blickenden Violinisten oder der Harfenistin mit Wallemähne absieht, ist der Rest der schrammmelnden Zunft höchst sensibel. Aber hart wie altes Brot. Ständig kurz vorm Vollrausch und der Tabak in seiner Lunge ist inzwischen hörbar geworden. Durchaus sympathische Menschen also. Und nun dies: Der Gitarrist der Rockband "Frohe Zukunft" wird tot auf der Bühne gefunden, ermordet mit seiner eigenen Gitarre. Gerade war das Album "Abrissbirne Diskokugel" auf Platz 1 der deutschen Charts geklettert. Und dann so was. Kurz darauf stirbt der Sänger der "Perlen" - diesmal ist das Mordwerkzeug noch größer: ein Cello. Hank Meyer, Privatdetektiv und Radio-DJ, macht sich auf die Suche nach der Rettung der deutschen Rockmusik - und natürlich nach dem Mörder.
Der Autor Stefan Maelck hat nach "Pop essen Mauer auf" und "Ost Highway"wieder mal ein so komisches, spannendes und pointensicheres Buch geschrieben, dass wir ehrlich begeistert sind. That's Rock'n Roll!
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Halles Marlowe trinkt gern Beton
Stefan Maelck und sein neuer Hank-Meyer-Krimi |
| Mitteldeutsche Zeitung, 19. September 2007 |
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Halles Marlowe trinkt gern Beton
Stefan Maelck und sein neuer Hank-Meyer-Krimi
Von unserem Redakteur
Steffen Könau
Halle/MZ. Die Premiere geriet damals zum Überraschungscoup. Stefan Maelck, hauptberuflich Popkritiker bei einem großen Radiosender, hatte seinen Debütroman „Ost Highway“ eigentlich locker aus der Hüfte geschossen. Und doch einen Volltreffer gelandet.
Hank Meyer, sein störrischer Antiheld, holte einen Hauch großer Krimiwelt in die mitteldeutsche Literaturprovinz: Kein bräsiger „Tatort“-Plot, kein „Polizeiruf“-Mord in im Mittelstand, sondern pralles Leben und knallharter Mord, von gebrochenen Typen erzählt zum Sound von Rock und Gläserklimpern in verqualmten Kneipen.
Vier Jahre und einen Buch-Ausflug in die Geschichtsschreibung („Pop essen Mauer auf“) später nun der Nachfolge-Band. „Tödliche Zugabe“ erscheint am Freitag und weist den halleschen Teilzeit-Detektiv Meyer endgültig als mitteldeutsche Reinkarnation von Raymond Chandlers Privatschnüffler Philip Marlowe aus.
Auf 206 Seiten stimmt diesmal einfach alles. Mehr noch als bei seiner rasanten Fahrt über den „Ost Highway“ gelingt es dem in Wismar geborenen Maelck, seine Geschichte in die Kulissen des realen Halle zu packen. Schauplätze wie der Kult- Club Objekt5 sind erkennbar, Plätze, Straßen, Plattenläden gleichen denen im wirklichen Leben wie ein Ei dem anderen. Selbst vorbeihuschende Nebenfiguren sind echten Plattenhändlern, Konzertveranstaltern und Kneipern nicht nur wie aus dem Gesicht geschnitten, nein, sie heißen dazu auch noch augenzwinkernd wie Pearl-Jam-Sänger, BAP-Gitarristen und E-Piano- Hersteller.
Das aber ist nur Staffage, Bühne für den Auftritt des Provinzschnüfflers Hank Meyer. Der charakterstarke, aber ehrgeizlose Inhaber eines exquisiten Musikgeschmacks hat es diesmal mit einer Mordserie im regionalen Rock’n’Roll-Milieu zu tun. Die Anführer zweier rivalisierender Bands werden brutal ermordet, aufgespießt auf ihre Gitarre, erstochen mit dem Cellodorn, genagelt an die Wand von Meyers Stammkneipe. Dessen Suche nach dem Täter führt tief hinunter in den Gemütskeller der Gesellschaft, wo die alten Rechnungen stapelweise liegen. Maelcks Ermittler durchforstet die Abgründe mit der erwartungslosen Eleganz seines Vorbildes Marlowe: Sein Lieblingsge- tränk Beton ist eine gesundheitsgefährdende Mischung aus Becherovka und Tonic, seine Freunde sind allesamt skurrile Sonderlinge, sein Humor ist noch viel trockener als Kathi-Kuchenmehl.
„Tödliche Zugabe“ ist so ein klassischer Hard-Boiled-Krimi im Gewand einer Persiflage, noch mehr aber Heimatroman und Schelmengeschichte. Maelck, inzwischen 43 und bekennender Betontrinker, beobachtet wie ein Luchs, erlauscht seine Dialoge in Kneipen und porträtiert sein für das Buch rekrutier- tes Personal mit so scharfen, schnellen Strichen, dass selbst schneidender Humor immer als Selbstironie durchgeht. Der Fall wird am Ende selbstverständlich gelöst, das Gute siegt und die Helden dürfen ihre Wunden lecken. Wichtig aber ist, dass Hank Meyer überlebt. Denn da draußen wartet noch so mancher Fall mehr auf Mitteldeutschlands Marlowe.
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Alles Lüge
Stefan Maelcks «Pop essen Mauer auf» |
| Neue Zürcher Zeitung, 06. Februar 2007 |
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Alles Lüge
Stefan Maelcks «Pop essen Mauer auf»
Unter den Mutmassungen, die über den Untergang des Sowjetimperiums und den Fall der Mauer im Umlauf sind, sticht eine als extravagant hervor. Gemäss ihr waren es nicht so sehr das Wettrüsten, die Ineffizienz der Planwirtschaft oder aber Fehlentscheidungen im Politbüro um Gorbatschew, die für den Kollaps und die Auflösung des Ostblocks sorgten. Der entscheidende Faktor sei vielmehr die Attraktivität westlicher Popkultur gewesen, der Umstand, dass es nicht gelungen sei, die sozialistische Jugend gegen die durch die Rock- und Popmusik ventilierten, libertär sich aufspreizenden Lebensstile westlicher Subkulturen zu immunisieren.
Eine Satire
Stefan Maelck, Krimiautor und Journalist mit Wohnsitz in Halle an der Saale, hat diesen Gedanken jetzt in überdrehter Form aufgegriffen und aus ihm eine Satire gestrickt, die es faustdick hinter den Ohren hat. «Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte», so wird im Untertitel das Komplott umschrieben, das in scherzhafter Absicht aufzudecken Maelck mit seinem Buch unternimmt. Der Autor selbst gibt sich dabei bescheiden. Er tritt als Herausgeber auf, um die Öffentlichkeit von einem Bericht in Kenntnis zu setzen, der aus dem Nachlass eines gewissen Ludger Bauer stammt. Minuziös geschildert wird darin, wie dieser, angeblich ein Freund und Kollege, einer der übelsten Verschwörungen auf die Spur kam, die die Weltgeschichte zu verzeichnen hat.
Pop, weit entfernt, ein Exportschlager anglo- amerikanischer Unterhaltungs- und Vergnügungsindustrie zu sein, verdankt sich, so der Clou des Berichts, den Winkelzügen der Stasi. Ausgeheckt als Geheimwaffe im Kampf der Kulturen und immer wieder mit neuen Impulsen und Figuren versorgt von einem engen Vertrauten Erich Honeckers, dem genialen Oberst Duttweiler, eine Art Dr. Caligari des Pop, entpuppt sich dessen Erfindung freilich in der Praxis, wie andere Erfindungen des Sozialismus auch, als Schuss in den Ofen. Nicht der Kapitalismus war es, der unter den hämmernden Beats und den Sirenengesängen populärer Musik und Lifestyle-Ästhetik zusammenbrach, sondern dessen verschanzt hinter dem Eisernen Vorhang intrigierender Widersacher. - Lügen haben kurze Beine, heisst es. In der Welt der Kunst und Literatur gilt dieser Satz nur beschränkt. Wie weit käme man in ihr, verstünde man sich nicht auf die Kunst der Lüge? Maelck hat diese von der Kunst- und Literaturtheorie jüngst aufgefrischte Lektion gründlich begriffen. In dem von ihm edierten Bericht ist nahezu alles erstunken und erlogen - aber erzählerisch derart komisch ausgetüftelt, dass man dem Autor die Flunkereien gerne abnimmt. Langeweile kommt bei ihm erst gar nicht auf, ob er die Hintergründe aufklärt, die zum Hüftschwung Elvis Presleys geführt haben (die «gelenkige, einzigartige Hüfte von Margot Honecker»), oder aber daran erinnert - Vorsicht, Realsatire! -, dass Lothar Bisky zu den führenden Köpfen der DDR auf dem Gebiet der Popkulturforschung zählt. «Pop essen Mauer auf» steckt voll von Einfällen dieser Art, ist amüsant, ohne sich doch im Amüsement zu erschöpfen, frappiert durch Witz und trockenen Humor.
Spiegelungen
Maelck mischt mit seiner Satire nicht allein die alten Seilschaften der Stasi gründlich auf; indem er deren Machenschaften mit dem parallel schaltet, was sich während der letzten fünfzig Jahre auf den Höhen und in den Niederungen der Popkultur zugetragen hat, spiegelt das eine sich im anderen; die Grenzverläufe verschwimmen, die Frontlinien lösen sich auf, und das, was entgegengesetzt scheint und einander ausschliesst, stellt sich unversehens als etwas dar, das ganz nah miteinander verwandt sein könnte. Wie die Welt der Stasi, so eine der Lehren, die Maelcks Satire en passant erteilt, besteht auch die der Popmusik «zu grossen Teilen aus falschen Fährten, gemischt mit ein wenig Drogen, Nutten, Dosenbier». Das ist ernüchternd, keine Frage, vielleicht ein wenig simpel, aber doch so gewitzt formuliert, dass man drüber nachdenken möchte. Muss man aber nicht. - Kurz gesagt: Eine durchweg vergnügliche, überaus kurzweilige Lektüre. Eine Lügengeschichte im besten Sinne des Wortes.
Wolfgang Lange
Stefan Maelck: Pop essen Mauer auf. Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte. Die Hartholz- Akte. Rowohlt-Verlag, Berlin 2006. 160 S., Abb., Fr. 26.80.
Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter: http://www.nzz.ch/2007/02/06/fe/articleEG6DM.html
Copyright © Neue Zürcher Zeitung AG
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Freundlich aus der Hüfte schießen. Statt vollmundiger Visionen: Der Schriftsteller und Journalist Stefan Maelck zieht selbstbewusste, kleine Schritte vor.
Von Andreas Montag |
| Mitteldeutsche Zeitung, 20. Januar 2007 |
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Was macht diesen Mann eigentlich
so sympathisch? Er ist ehrlich, ohne jemals
verletzend zu sein. Und er hat Humor. Das
ist viel mehr, als mancher sich selbst an
Freiheit zu genehmigen wagt. Stefan Maelck
tut es. Schon aus Eigennutz: "Ich bin ja jemand,
der kuckt, dass es ihm gut geht."
Damit meint er alles, was ihm das Leben angenehm
macht: Bücher, Musik, gutes Essen. Und Gespräche
mit ausgewählten Freunden natürlich. Aller
Welt Freund will auch er nicht sein. Aber
freundlich zu jedermann - in der Grundannahme,
dass ihm dieser Vorschuss in gleicher Münze
erstattet wird.
Als wir aufbrechen, über die Peißnitz
zur Saale hin, schalte ich das Tonbandgerät
ein. Das gefällt Maelck gut, der Mann ist
schließlich auch Journalist und skeptisch
gegenüber Kollegen, "die drei Notizen machen
und dann nur schreiben, was du angehabt hast".
Er spitzt gern zu, er spielt souverän mit
der Sprache und beherrscht den spontanen Witz,
manchmal findet er sich auch selber ziemlich
gut dabei. Aber das lässt man ihm gern stehen,
zumal er hübsche Pointen aus der Hüfte schießen
kann. "Ich bin nicht der ganz große Hundephobiker",
sagt er, als uns zwei riesige Tölen ohne Leine
entgegen hoppeln: "Aber wenn sie doppelt so
groß sind wie Elefanten..." Entspannt kann
man diese Art des Denkens und Redens nennen.
So, wie der Mann durchs Leben geht: flott,
zielbewusst, bei aller Phantasie auch pragmatisch,
am Genuss interessiert. Und vollkommen unideologisch.
Das betont er. Zum Beispiel wenn er begründet,
weshalb er keinen Führerschein hat. Mit "vorindustrieller
Öko-Kritik" hat das für ihn nichts zu tun:
"Ich bin so ein ablenkbarer Mensch". So vieles,
das ihn interessiert. Also fährt er lieber
nicht selbst, aber er fährt gern mit anderen
über Land. Oder zu Ikea. Wo man samstags "zwölf
Lehrer auf einem Quadratmeter" trifft.
Mit Stefan Maelck kann man ins Reden kommen.
Und trotzdem bei der Sache sein. Er drückt
sich um keine Auskunft, es fällt ihm nur so
viel ein. Das ist eine Gabe, man hört ihm
gern zu. Wie im Kulturradio, für das er als
freier Autor arbeitet. Sein Haupterwerb, den
er mit Lust betreibt und der ihm die Sicherheit
gibt, "dass die Miete bezahlt ist".
Gerade die Mischung gefällt ihm so gut: Nicht
nur Buchautor, sondern auch Journalist zu
sein, sich die Felder selbst aussuchen und
neue Räume erst entdecken zu können. Den "eigentlichen
Antrieb" nennt er das und malt auch das gruselige
Schreckensbild: "Wenn du nur noch verwaltest,
was du ohnehin beherrschst, dann bist du am
Ende, dann macht es keinen Spaß mehr." Davon
ist Maelck weit entfernt. So, wie es ist,
gefällt ihm sein Leben: Eben geht es mit dem
neuen Buch in die Zielgerade, "höchste Zeit,
dass ein neuer Hank Meyer erscheint". Sagt
der Verleger, sagt Maelck selber. Auf dem
"Ost Highway" war er richtig gestartet, mit
"Pop essen Mauer auf" hatte er im vorigen
Jahr nachgelegt.
Im Herbst soll der neue Band erscheinen,
ein Freude für seine Fans und ein Luxus für
ihn selber, mit dem er sich einen Wunsch erfüllen
kann. Und dann wieder Radio, die Basis, die
tägliche Erfüllung, einen Beitrag fertig zu
bekommen, ihn gelungen zu finden, etwas Neues
zu beginnen. "Die ganz große Vision, nee,
die wirst du von mir nicht zu hören bekommen",
sagt Maelck. Die kleinen Schritte sind es,
die er schätzt, die ihn zuverlässig vorwärts
bringen. Die er anderen gern auch verordnete.
In Halle, wo der Mecklenburger mit der weltläufigen
Biografie seit 1994 lebt und richtig sesshaft
geworden ist, fielen ihm auch ein paar Dinge
ein: Damals, als er über Rostock, die USA,
England und Leipzig hier gelandet war, dachte
er: "Okay, die haben einen Flughafen. Und
David Bowie spielt hier."
Doch mit den großen Konzerten ist es seit
langem vorbei: Bowie, Dylan, alles Geschichte
in Halle. Manchmal stört ihn die Mutlosigkeit
der Verwalter schon. Maelck erinnert an Magdeburgs
Stadtjubiläum, das mit einem grandiosen Pop-Konzert
von R.E.M. auf dem Domplatz gekrönt wurde.
In Halle dagegen, das sich ein Jahr später
für 1200 Jahre feierte, gab es "tausend Veranstaltungen,
aber keine für Stefan Maelck", nichts Herausragendes,
das unsereinem im Gedächtnis geblieben wäre.
Stefan Maelck ist kein Nörgler. Aber er druckst
auch nicht herum. Ihm gefällt die Stadt, in
der er lebt: die Kultur, die schönen Quartiere,
die Studenten. Und manchmal ärgert er sich
eben. Wenn er Mutlosigkeit und verschenkte
Möglichkeiten sieht wie die großen Konzerte,
die nun nicht mehr auf der Peißnitz in Halle,
sondern in Leipzig stattfinden. Oder wenn
er an das verfallene Pionierhaus denkt. Das
würde er, hätte er das Geld, kaufen und als
Jugendzentrum einrichten.
"Ich habe hier Wurzeln geschlagen", sagt Maelck.
Nach Norden, woher er kommt, fährt er gern
auf Besuch. Und wenn sie in Halle von ihm
sagten: "Den Spinner können wir hier gut brauchen",
dann wäre er froh. Ein Mann, ein Wort. So
ist er. Nur einen Wunsch hat er noch, aber
der wird schwierig zu erfüllen sein: "Vielleicht
nicht mehr so oft in Hundescheiße treten müssen".
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| Print Pop von Matthias Penzel |
| Rolling Stone, 01. November 2006 |
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„Pop essen Mauer auf“ (Rowohlt.Berlin, €14,90) von Stefan Maelck müsste
fast an anderer Stelle in diesem Heft besprochen werden, bei
»Musikbüchern«, also Sachbüchern. Fast. Dem Hallenser Journalisten ist ein
Coup gelungen. „Geschichte ist, wenn das, was man zunächst für einen Witz
hält, später wahr wird“, weiß er. „Im besseren Falle natürlich nur, es gab
genügend Gegenbeispiele“... Schon folgt die Schote der ostdeutschen Angie,
die sich im Jahr 2005 eines Stones-Hits ermächtigte, um die Gunst des
Wählervolks zu erkämpfen. Die Entstehung der Ballade bleibt diffus, doch
die „Hartholzakte von Ludger Bauer“ gewährt Einblick in klandestine
Aktivitäten der Stasi. Die belegen, was wir lange vermutet haben:
Beatschlager und Rock’n’Roll, die systematische Zersetzung des dekadenten
Westens wurde vom Osten gesteuert. Aus der DDR! Warum sonst sangen Cash
und Presley auf deutsch? Wie Dokumente belegen, gelang es unter der Regie
des Genossen Sperling, den „Rollingstones“ einen Song unterzuspielen, der
auf einem Ausspruch des Puhdys-Sängers fußt: „Was kann ein armer
Arbeiterjunge schon tun, um Weiber aufzureißen? Die beste Methode ist
immer noch, in ’ner Rockband zu spielen.“ Daraus Street Fighting Man zu
schmieden, war den hervorragenden Kämpfern für eine bessere Welt ein
Leichtes, „stehen doch die Mitglieder der Rollingstones jeden Abend so
stark unter Drogen, dass sie wahrscheinlich am nächsten Morgen gar nicht
mehr genau wissen, welche Lieder sie geschrieben haben“! Eine wichtige
Lektüre, gerade der heranreifenden Jugend nahezulegen, denn die kann sich
gar nicht genügend mit Geschichte befassen! (4 / 5)
Matthias Penzel |
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| Klingende Rache des Ostens |
| Thüringer Allgemeine, 01. November 2006 |
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Klingende Rache des Ostens
Elvis war eine Ausgeburt der Stasi, ohne die DDR hätte es den Stones-
Hit "Street Fighting Man" nie gegeben und die Sisters of Mercy waren
der beinahe gelungene Versuch des Ostens, die Jugend des Westens
zugrunde zu richten. Schreckliche Wahrheiten; es wurde Zeit, dass sie
mal jemand enthüllt. Stefan Maelck stellte sich bei der Herbstlese dieser
historischen Aufgabe.
ERFURT. Maelcks Buch "Pop essen Mauer auf" (Rowohlt) bringt es an
den Tag: Die DDR und ihre Stasi sind verantwortlich für den Rock?n?Roll.
Das große Publikum im Erfurter Club Centrum bekam von dem Hallenser
Musikjournalisten bestätigt, was Zeitzeugen immer schon gemutmaßt
haben: So was wie die Scorpions konnte nur im Osten erfunden werden -
"etwas vom Fiesesten, was der Sozialismus hervorgebracht hat",
konstatierte Maelck nüchtern.Der Autor nahm sein Publikum mit auf einen
atemberaubenden Ent-hüllungs-Trip durch die Geschichte des Pop. Uriah
Heep, Gary Glitter und natürlich Dieter Bohlen: alles Erfindungen des
ebenso genialen wie zynischen Stasi-Offiziers Duttweiler,
zusammengebastelt in den als Chemiekombinate getarnten Pop-Labors in
Schwedt und unter dem Palast der Republik. Ziel: Die Zersetzung der
West-Jugend durch rebellisches Gedankengut oder lähmenden
Seichtklang.Stefan Maelcks Pop-Satire ist so überdreht, dass sie auch
wahr sein könnte. In der Live-Lesung machte sie besonders viel Spaß,
etwa, wenn der Autor den diabolischen Duttweiler mit
Parteitagsknarzstimme über die "Rrrrollingstohns" triumphieren ließ oder
schonungslos die Sexaffären zwischen Margot Honecker und Wolf
Biermann sowie zwischen Erich Honecker und Elvis Presley offenlegte.
"Thüringen hat Humor, das ist großartig", stellte Maelck angesichts seines
wiehernden Publikums fest, "Erfurt besonders." Wo so viele
Gleichgesinnte versammelt waren, wagte der Autor ein pikantes
Geständnis: Als Kind hat er der HO hunderte Eislöffelchen geklaut, alles
nur wegen eines heiß begehrten Löffels mit der Aufschrift "Birgit".
Nachzulesen in dem Buch "Little Criminals".Mit Stefan Maelck hat die
Herbstlese einen neuen begeisterten Fan gewonnen, der bestimmt auch
gern mal wiederkommt. "Wenn man das Programm liest, meint man, das
müsste über zwei Jahre gehen", sagte der Autor anerkennend. "Sie haben
hier in Erfurt was ganz Großartiges."Herbstlese heute: 20 Uhr, TA-Café
bei Buch Habel: Peter Stamm (ausverkauft); morgen: 20 Uhr,
Stadtbibliothek am Domplatz: Jens Wonneberger.
01.11.2006 |
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| Popmusik aus dem Labor |
| ORF.at, 01. November 2006 |
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Popmusik aus dem Labor
"Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte."
Andy Warhol wurde auf Geheimdienstkosten in New York installiert, der von den Rolling Stones besungene "Street Fighting Man" war ein Kind der DDR, und Michael Jackson wurde in einem Labor unter dem Palast der Republik in Berlin entwickelt: So würde die Geschichte des Pop klingen, wenn er tatsächlich eine Erfindung des Kommunismus wäre - entwickelt als Wunderwaffe im Kalten Krieg.
In "Pop essen Mauer auf" stellt der deutsche Schriftsteller Stefan Maelck genau diese bizarre These auf. Die rasend schnelle, bissige Satire - Ende Juli bei Rowohlt erschienen - liest sich wie eine Persiflage auf die gesamte Popgeschichte.
Etwas, das "klingt, wie Alkohol wirkt"?Alles soll damit begonnen haben, dass Erich Honecker an der Oder ein "Rock-'n'-Roll-Labor" einrichten ließ. Unter dem Deckmantel eines Petrolchemischen Kombinats entwickelte die Stasi dort Musik, die die Jugend des Westens zum Drogenkonsum animieren und zur Rebellion gegen den Kapitalismus anstacheln sollte.
Ziel des perfiden Plans war es, einen "zersetzenden, dekadenten Sound" zu erschaffen. Ein Mittel, um "den Westen von innen her aufzuweichen". Man wollte etwas erfinden, das "so klingt, wie Alkohol wirkt".
Akte Pop?Maelck, der bereits in seinem Erstlingswerk "Ost Highway" den Detektiv Hank Meyer "in den Stasi-Sumpf schickte"(so die "FAZ" damals), nimmt in "Pop essen Mauer auf" einmal mehr den Kommunismus aufs Korn.
Held der Geschichte ist der Musikjournalist Ludger Bauer, der auf der Suche nach einer sagenumwobenen und verschollen geglaubten Stasi-Akte ist. Diese Akte soll sämtliche Details über die Enstehung des Pop enthalten - bis hin zu den geheimen Bauplänen für Dieter Bohlen.
Honeckers Pop-Gruselkabinett?Als Bauer die Akte schließlich in die Finger bekommt, beginnt für ihn und den Leser eine surreale Reise quer durch die Popgeschichte. Stars und Sternchen des Musikbusiness geben sich und der versammelten DDR-Politprominenz die Klinke in die Hand.
Von den Scorpions bis zu den Sex Pistols, von Peter Maffay über Lou Reed zu Frank Zappa und Gary Glitter, von Falco bis Westernhagen, von A-ha bis Genesis - sie alle sollen Kreaturen aus den Laboratorien der Stasi sein.
Fast niemand bleibt verschont?Ohne jeden Respekt verändert Maelck Biografien und macht Personen aus Pop- und Zeitgeschichte zu Marionetten in einem irrwitzigen Netz aus realen und fiktiven Ereignissen.
Bewusst verschont hat Maelck lediglich Bob Dylan und Van Morrison, denn die seien "bei aller Blasphemie und allem Zynismus" - und davon enthält "Pop essen Mauer auf" reichlich - unantastbar, so der Autor im Interview mit dem "Donaukurier".
"Nicht gottes- und götzenfürchtig"?"Ich habe die höchste Achtung vor dem Rock 'n' Roll. Deshalb habe ich das Erzählen auch an die Figur Ludger Bauer übertragen, damit ich in Ruhe weiter meine AC/DC-Platten hören kann", so Maelck im Interview. Aber "Satire darf nun mal nicht allzu gottes- und götzenfürchtig daherkommen, sonst funktioniert sie nicht".
Elvira, the pelvis?Der beste Beweis dafür ist das Kapitel über Elvis Presley. In Maelcks Version der Popgeschichte ist Elvis eine Spionin namens Elvira Prassler. Vom Chefstrategen der Operation Pop, Oberst Duttweiler, in die USA geschleust, muss sie sich dort erst einmal einer Geschlechtsumwandlung unterziehen.
Doch damit nicht genug - erst ein neues Hüftgelenk macht den Wandel zum "King of Rock 'n' Roll" perfekt. Als Spenderin muss die Bildungsministerin der DDR, Margot Honecker, herhalten. Denn die konnte "die verrücktesten Sachen mit ihrem Hüftgelenk anstellen, schließlich hatte sie früher geturnt".
Andreas Ältrich, the Godfather of Goth?Auch vor der Biografie von Andrew Eldritch, Sänger und Mastermind der Sisters of Mercy, macht Maelck nicht halt. Dieser wird kurzerhand zum depressiven, hageren Teenager Andreas Ältrich aus Schwedt an der Oder.
Als Ältrich sich für 25 Jahre bei der Nationalen Volksarmee verpflichtet, erscheint wieder einmal Strippenzieher Duttweiler auf der Bühne. Er nimmt Ältrich aka Eldritch unter seine Fittiche, um aus ihm einen "korrumpierten und genusssüchtigen Helden" zu machen, "dem der Hedonismus aus allen Poren kriecht".
"Satire auf gesellschaftliche Veränderungen"?Im Interview mit dem "Donaukurier" bezeichnet Maelck sein Buch als "Satire auf gesellschaftliche Veränderungen, die bis heute nicht vernünftig aufgearbeitet worden sind".
Um das zu diskutieren, "bedient es sich, völlig überhöht, eines Massenmediums", so der in Mecklenburg-Vorpommern geborene Schriftsteller.
"Der Stasi ist alles zuzutrauen"?"Wenn man sich anschaut, wie alte Stasi-Offiziere jetzt herumposaunen, dass sie keine Verbrechen begangen haben, wenn sich überall die Opfer scheinbar mit ihren Tätern ausgesöhnt haben, um überhaupt so etwas wie eine Biografie zu verspüren, (...) kann man gar nicht anders, als sich noch mal ein wenig lustig zu machen und die Geschichte ein wenig aufzublasen".
"Letztlich ist ja die These, dass denen bei der Stasi alles zuzutrauen wäre, also auch der Pop", so Maelck im Interview.
Amüsant bis zur letzten Seite?"Pop essen Mauer auf" ist ein hochgradig amüsantes Lesevergnügen - bis zum fulminanten Finale, in dem der Leser erfährt, wie es tatsächlich zum Fall der Deutschen Mauer kam.
Romana Beer, ORF.at
Buchhinweis:?Stefan Maelck, Pop essen Mauer auf. Wie der Kommunimus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte.?Rowohlt Verlag, 160 Seiten, 14,90 Euro
Links:
• Pop essen Mauer auf - Rowohlt
• Stefan Maelck
• Rowohlt
• Interview im Donaukurier
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Drogen, Nutten, Dosenbier
Stefan Maelck entdeckt die wahre Geschichte der Popmusik – in der DDR |
| Zitty Berlin, 26. Oktober 2006 |
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Drogen, Nutten, Dosenbier
Stefan Maelck entdeckt die wahre Geschichte der Popmusik – in der DDR Text: Stephanie Grimm
Elvis Presley hieß in Wirklichkeit Elvira Prassler und musste auf ihrem Weg zum Ruhm nicht nur das Geschlecht wechseln, sondern sich auch Margot Honeckers Hüftgelenk einbauen lassen. Das war so wunderbar gelenkig, dass die Jugend einfach in Aufruhr geraten musste. Und Andrew Eldtrich, Sänger der Sisters of Mercy, hieß eigentlich Andreas Ältrich, war ein blasser Misanthrop aus Schwedt, der seinen Hass auf die Welt in eine Offizierskarriere bei der NVA umwidmete. Auf diesem Weg traf er Stasi-Oberst Duttweiler, der Ältrichs wirkliche Bestimmung erkannte: die Jugend jenseits des Eisernen Vorgangs noch mürber machen, als sie es Anfang der 80er Jahre schon war. Da hatte der Westen ja schließlich schon jahrzehntelange Rock’n’Roll-Beschallung hinter sich und war entsprechend moralisch labil.
Besagter Duttweiler ist die zentrale Figur in Stefan Maelcks unterhaltsamen Roman Pop essen Mauer auf. Trotz des Titels, der sich an ein deprimierendes Fassbinder-Drama anlehnt, geht es in dem zweitem Roman überaus laut und klamaukig zu. Denn Duttweiler laufen die Dinge aus dem Ruder, weil auch der Ost-Popper die gleichen Ziele hat wie der West-Rocker: „Drogen, Nutten, Dosenbier.“ Anders wären die Verschwörungstheorien, die Maelck hier kolportiert, auch kaum zu vermitteln. Denn dass Maelck immer genau neben dem Mainstream fährt, konnte man schon vor drei Jahren bei seinem exzellenten Debütroman Ost-Highway erahnen. Wo deutsche Krimis sich normalerweise tief im Sumpf des Soziokulturellen suhlen und ein Kommissar mit Magengeschwüren für die Wiederherstellung der bürgerlichen Ordnung sorgt, da installiert Maelck sehr undeutsch einen anarchischen Privatdetektiv, der sich prima gelaunt durch die Zone und New Orleans pöbelt, dabei gute Musik hört und eine der Bangles flach legt. Da passt es denn auch ausgezeichnet, dass Maelck das Nachwort zum neuen Roman von Kinky Friedman geschrieben hat und am 5. November zusammen mit Wiglaf Droste auf der Berliner Wahlparty des „asshole from El Paso“ auftritt (siehe Text im Berlinmix, Seite 9).
Die blaue Margot
Die These, für die er den Protagonisten in seinem zweiten Roman, den Journalisten Ludger Bauer, auf Recherche schickt, ist auch nicht ohne: Rockmusik wurde in der DDR erfunden, um den Klassenfeind zu schwächen. Die Unterzeile des Romans – Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte – verrät, wie dieser großartige Plan endet. Die zweite Hälfte des Satzes ist allgemein bekannte Geschichte, spannend dagegen, Historie in ihrer Erfüllung zu beobachten. Maelck vermischt gut gelaunt und schamlos Ausgedachtes, Tatsachen und Gerüchte. Dass die blauhaarige Frau Honecker in jungen Jahren mal was mit Wolf Biermann hatte, dieser Tratsch ist nicht ganz neu und wird von interessierten Stellen auch gerne kolportiert. Und „Lady Bump“-Sängerin Penny McLean schreibt inzwischen auch im wirklichen Leben esoterische Bücher.
Dem in Wismar geborenen und in Halle lebenden Autor ist wenig heilig. „Meine ganz persönlichen Helden habe ich nicht angefasst, Van Morrison und Joe Strummer etwa. Oder Johnny Cash. Der kommt zwar vor, aber ich behaupte nicht, er sei eine Schöpfung Duttweilers.“ Abgesehen davon kriegen ziemlich alle ihr Fett weg. Konsens-Hassobjekte wie Modern Talking, Peter Maffay oder die Scorpions sind nur die Spitze des Eisbergs. Eine anständige Verschwörungstheorie muss schließlich die ganze Welt erklären.
So demontiert Maelck auf seinem wildem Ritt durch die Musikgeschichte den Punk und entlarvt ganz nebenbei Tina Turner als die einzig wahre große Liebe von Duttweiler. Auch den Rolling Stones wurde ihr „Street Fighting Man“ in Wirklichkeit von der Stasi untergeschoben. Die Anregung zu diesem Coup bekamen die innovativen Agenten, kaum überraschend, von Dieter „Maschine“ Birr, dem Frontmann, Sänger und Gitarristen der Puhdys.
„Dem bin ich tatsächlich aus dem Weg gegangen, als ich ihn beim Konzert von The Who gesehen haben“ erzählt Maelck lachend „obwohl er das Buch zu dem Zeitpunkt kaum gelesen haben konnte.“ Hauptberuflich ist der Autor Radiojournalist mit einem großen Herzen für Musik. Bereits 1985 ließ er sich vom West-Onkel ein „Spex“-Abo spendieren, seine musikalische Sozialisation erfuhr er durch den NDR, deshalb geht es ihm auch nicht um Demontage. Auch eine Abrechnung mit der DDR oder der Stasi versucht der Roman nicht: „Das überlasse ich den Leute aus dem Widerstand. „Wenn man schon unbedingt einen Mehrwert über den hohen Unterhaltungsfaktor hinaus suchen will, dann lässt sich das Buch als Kommentar zu den Mechanismen der Musikindustrie verstehen. „Stars werden schließlich gemacht. Deswegen ist das Buch ja total real, eigentlich untertrieben.“
Die Leidenschaft, mit der Maelck seine Thesen untermauert, erinnert daran, dass in gelungener Satire immer viel Herzblut und enttäuschter Idealismus steckt. „Natürlich glaube ich daran, dass Musik die Sicht auf die Welt verändern kann. Subversion ist ein Grundmotiv jeder Kunst, die irgendwas bewegt.“
Stefan Maelck, „Pop essen Mauer auf“, Rowohlt Verlag, 146 Seiten, 14,90 Euro
Lesung am 4.11 um 21 Uhr im Roten Salon und am 5.11. ab 20 Uhr auf der Kinky-Friedman-Wahlparty im Festsaal Kreuzberg.
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| Duttweilers Erbe |
| Falter Wien, 04. Oktober 2006 |
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Duttweilers Erbe
In „Pop essen Mauer auf“ erzählt Stefan Maelck die unglaubliche Geschichte der DDR-Popmusik.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Wer wüsste das besser als unsere deutschen Nachbarn, denen dieser Spruch nicht ganz zufällig zugeschrieben wird. Wo die Kalauer von Haus aus tief fliegen, da geht es bekanntlich immer noch ein wenig tiefer, weiß auch Stefan Maelck, der mit dem pseudoaufdeckerischen Pamphlet „Pop essen Mauer auf“ so unverblümt den Schenkelklopfinstinkt anspricht, dass es – kaum zu glauben – schon wieder lustig ist.
Aber der Reihe nach. Maelcks Geschichte beruht auf der sensationellen Entdeckung, dass „der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte“. Das hat nicht der Autor selbst herausgefunden, das wurde ihm angeblich von einem Kollegen zugespielt, der sich jahrelang mit Ostrock beschäftigt hatte und dabei über eine Geheimakte auf einen mysteriösen Stasimann namens Duttweiler gestoßen war.
Nicht die Beatles, nicht die Rolling Stones (deren Hits waren sowieso von den Puhdys gestohlen) oder gar Dieter Bohlen, sondern ebendieser Duttweiler muss nach neuesten Forschungsergebnissen als Architekt der modernen Popmusik gelten. Er hat das Teufelswerk ursprünglich nur aus dem Grund erschaffen, die Westjugend zu schwächen. Wer konnte ahnen, dass Pop einen derartigen Siegeszug erleben würde und der grelle Wahnsinn am Ende in die DDR zurückschwappen und zum Fall der Mauer führen würde?
So weit die Ausgangssituation. Sie wirkt doch etwas bemüht originell, und man wähnt sich schon in einem müden Ausläufer der Ostalgie-Welle. Maelck gelingen überraschend einige der witzigeren und wahreren Worte über Pop und die DDR seit langem. Was wohl daran liegen muss, dass der Mann sowohl seiner Popmusik als auch dem Vaterland, in dem er aufgewachsen ist, zu großen Wert beimisst, als dass sich hinter den zahlreichen Bruhaha-Momenten in seinem Buch nicht doch mehr verbergen würde.
Die Komik von „Pop essen Mauer auf“ speist sich zwar daraus, dass hier zwei Gebiete verhandelt werden, die heute nicht mehr wirklich satisfaktionsfähig erscheinen – beide haben schon von Haus aus etwas Lächerliches an sich. Sich noch extra darüber lustig machen, das vermag aber nur jener, der seinen Pop und seine DDR in Wahrheit verdammt ernst nimmt, der auch als 43-Jähriger noch mit dem aktuellen Popgeschehen mitleidet und der als Kind sicher ein bisschen in Margot Honecker verliebt war.
Zudem versteht es Maelck, die Skurrilitätsspirale immer weiter zu drehen. Selbst ein Monstrum wie Dieter Bohlen entpuppt sich hier als Kreatur Duttweilers („das Fieseste, was ich mir je ausgedacht habe“), mit der er sich sowohl am Westen als auch am Osten, der ihm irgendwann die Unterstützung aufkündigte, gerächt hat. Und schließlich tanzt ein ganzer Fuhrpark an täuschend echt wirkenden Poprobotern durch Duttweilers Scheune, ehe diese und damit der ganze schöne Trashschmöker in die Luft gejagt werden.
Das Ende war abzusehen: Pop ist tot. Aber noch kurz vor seinem aufwendig inszenierten Abgang lässt seinem Erfinder eines keine Ruhe: Er muss der Welt mitteilen, dass er mit Phil Collins nichts zu tun hat. Dann drückt er den Knopf. Der popkulturelle Scherbenhaufen, den er als Erbe hinterlässt, wird uns noch einige Zeit beschäftigen.
Rezensent: Sebastian Fasthuber Falter 40/2006
Diesem Buch sind folgende Schlagworte zugeordnet:
- Musik
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Falters Feine Reiseführer
Wir holen dich da raus.
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| WIE DER KOMMUNISMUS DEN POP ERFAND |
| Melodie & Rhythmus, 01. Oktober 2006 |
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WIE DER KOMMUNISMUS DEN POP ERFAND
Stefan Maelck schreibt in seinem neuen Buch, wie man mit Elvis, den Scorpions und Dieter Bohlen den Westen fertig machen wollte.
Der Wahl-Hallenser Stefan Maelck hatte bereits mit seinem Debütroman „Ost Highway“ gut amüsiert, jetzt allerdings packt er knallharte Thesen auf dem Tisch: Elvis Presley ist ein Produkt des MfS, der Punk wurzelt in Wandlitz, Gothic entstand in Schwedt und überhaupt ist der komplette Rock’n Roll eine perfide Ausgeburt des Kommunismus. Selbst die Melodie & Rhythmus leistete angeblich seinen Beitrag, um den Westen zu schwächen. Eine Satire, die es in sich hat – die Protagonisten heißen Scorpions, Lindenberg und Bohlen, aber auch Puhdys, Berluc und Jürgen Kerth. Ein Buch, das sehr viel Spaß macht – allerdings sollte man auch Spaß verstehen. M&R sprach mit dem Autor Stefan Maelck.
M&R: Eigentlich hatte ich als nächstes auf einen weiteren Fall deines Hallenser Privatdetektivs Hank Meyer aus deinem Debüt „Ost Highway" gehofft, wie geht es ihm? Wann kehrt er in die Buchhandlungen zurück?
STEFAN MAELCK: Danke der Nachfrage, Hank geht es gut, also den Umständen seines Lebens entsprechend. Er kommt morgens schwer hoch und abends schwer runter und er hat viel Zeit, dem Sozialstaat beim Verschwinden zuzusehen. Die Auftragslage ist dünn, weil die ganzen arbeitslosen Ehemänner jetzt Zeit haben, ihre Frauen selbst zu bespitzeln. Bis in seinem Lieblingsclub der Gitarrist ausgerechnet der Hallenser Band umgebracht wird, die es gerade geschafft hat. Der neue Hank, Paradise Ost, ist 2/3 fertig und soll nächsten Herbst erscheinen.
M&R: Nun deckst du auf, dass der Kommunismus den Pop erfand, um den Westen zu schwächen - wie kommt man auf eine so abgefahrene Idee? Was war der Auslöser zu diesem Buch?
STEFAN MAELCK: Diese Idee hatte ich schon länger, ausgelöst durch Gerüchte, die ich in den USA immer wieder gehört habe. Dort meinte man nämlich, dass die ganzen erfolgreichen DDR-Sportlerinnen alles umoperierte Männer sein müssen, so wie die bei den Olympiaden immer Medaillen abgesahnt haben. Diese These hat mich überzeugt, schließlich, nach einem Jahr Fast Food und Schlitz-Bier hab ich das dann auch geglaubt und so kam eins zum anderen. Lag ja auf der Hand, dass im verlängerten Sport, also im Pop, ähnlich vorgegangen wurde. Nun hat die Geschichte ja mittlerweile den Sport eingeholt. Boxen ist der letzte Sport, in dem es noch ehrlich zugeht...
M&R: Das Buch weist gut recherchierte Details auf, Bands wie Berluc und Puhdys gibt es auch im wirklichen Leben. Meinst du, der junge Leser oder meinetwegen der Westdeutsche versteht dein Buch?
STEFAN MAELCK: Ich glaube, dass man das Buch als schräge Verschwörungstheorie und lustige, respektlose Räuberpistole auch mit Gewinn lesen kann, ohne dass man jede Band kennt und jede Anspielung versteht. Die Bands stehen ja eher stellvertretend für eine große Idee, die als These des Buches behauptet und schließlich im großen Showdown bewiesen wird. Klar wird das denen noch mehr Spaß machen, die mit Puhdys und Berluc aufgewachsen sind...Im Grunde ist es ein Buch für Menschen, die Satire mögen, vor allem aber für alle Melodie & Rhythmus-Leser! Wie hoch ist eigentlich eure Auflage...
M&R: Apropos verstehen, meinst du, Dieter Bohlen oder eben Berluc und Jürgen Kerth verstehen den Spaß deiner Satire? Auch Elvis Presley-Fans könnten entsetzt sein...
STEFAN MAELCK: Mit Satire ist das ja immer so eine Sache. Wie weit darf man gehen und wer fühlt sich auf den Schlips getreten? Im Grunde hab ich die Figuren benutzt, um die Verschwörungstheorie zu illustrieren, das Ganze ist so abgedreht und überhöht, das merkt doch jeder gleich, dass die Geschichte erfunden ist. Bei den Lesungen werde ich einen Button tragen, der sagt: Elvis Show Member, denn Elvis ist und bleibt der King, auch wenn er früher eben eine Frau war und aus der Zone kam. Wichtig sind doch die Lieder! Genau wie bei Dieter Bohlen und Berluc. Was bleiben wird, sind die Platten. Leider.
M&R: Wie reagierten die Lektoren bei Rowohlt, als sie über Berluc und Jürgen Kerth lasen. Hatten sie einer Veröffentlichung deines Manuskripts gleich zugestimmt?
STEFAN MAELCK: Bei Rowohlt Berlin fanden sie die Idee gut, also die These, dass der Pop im Osten erfunden wurde, um den Westen weich zu kochen und das Spiel mit den Rosenholzakten, die bei mir Hartholzakte heißt und so weiter. Man war sich schnell einig, dass die Wahrheit endlich ans Licht müsse und so war Rowohlt stolz, bei dieser Geschichtsaufarbeitung beteiligt zu sein. Man kann ja am Fall Günter Grass sehen, was passiert, wenn man zu lange schweigt. Der Berliner Verleger Klaus Bittermann hat zu seinen Autoren gesagt: “Wartet nicht so lange wie Günter! Gebt endlich alles zu!” Herausgekommen ist ein Buch mit dem Titel „Little Criminals” (Edition Tiamat), das ich allen empfehle, die gern wissen möchten, was Autoren eigentlich für kriminelle Elemente sind.
M&R: Ich glaube, einmal hat dich deine Erinnerung getäuscht. Du fragst, ob die Schalmei, die Udo Lindenberg Honecker schenkte, aus der DDR war. War sie nämlich, vor allem deshalb, weil Honecker die Schalmei dem Lindenberg schenkte. Udo hatte kurz zuvor seine Lederjacke an Honecker verschenkt... Oder habe ich was falsch verstanden?
STEFAN MAELCK: Du hast das genau richtig verstanden, denn genau das wollten uns die Medien ja immer weiß machen: Honni kriegt ne Lederjacke und Udo ne Schalmei. Aber weil Honni die Jacke nie getragen hat, nicht mal zum 1.Mai, hat Udo ihm das Gebläse wieder zurückgeschickt. Ich bin da nämlich gerade auf den Briefwechsel zwischen Honni und Udo gestoßen, es gab sogar Pläne..., aber das führt jetzt zu weit, oder?
M&R: Wie sind die bisherigen Reaktionen auf dein neues Buch?
STEFAN MAELCK: Die sind klasse und das ist kein Wunder. Die Leute wollen einfach gern die Wahrheit wissen. In den Medien geht es doch nur noch um Sensationen und Skandale.
Aber die wirklichen harten Fakten... Nee, Spaß, also bisher kommen durchweg positive Besprechungen, die Leser amüsieren sich, genau das, was ich mit dem Buch erreichen wollte, dass die Menschen lachen können über eine schräge, überhöhte Form von Geschichtsfälschung, auch wenn sie eigentlich nichts zu lachen haben... Ich wünsche mir, dass manche schon bei Kapitelnamen wie Troja, Titten, Tina Turner; Drogen, Nutten, Dosenbier oder Elvis, Erich, Erektionen laut lachen können. Es muss doch jede Menge Menschen geben, die so flach sind wie ich selbst! Den Deutschen wird ja immer unterstellt, dass sie keinen Humor haben. Ich würde mich da anhand der Verkaufszahlen gern eines Besseren belehren lassen!
TEXT: CHRISTIAN HENTSCHEL
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Elvis, Erich, Erektionen
Alle Stasi außer Zappa: Stefan Maelck schreibt die Popgeschichte neu |
| KREUZER Leipzig, 01. September 2006 |
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Elvis, Erich, Erektionen
Alle Stasi außer Zappa: Stefan Maelck schreibt die Popgeschichte neu
Seit Elvis haben die USA keinen richtigen Krieg mehr gewonnen. Oder wenigstens nicht richtig gewonnen. Schuld ist natürlich der Rock’n’Roll, der sich mit Presley’schem Hüftschwung seinen Weg bahnte. Besser gesagt: mit Prassler’schem Hüftschwung. Elvira Prassler wiederum hatte das legendär bewegliche Körperteil im Zuge einer Geschlechtsumwandlung von Margot Honecker abgestaubt, die Wolf Biermann dann etwas weniger gelenkig flachlegen musste. Der Rest ist Popgeschichte. Elvira – jetzt Elvis – wird zum Superstar, die Jugend des Westens durch Dekadenz und Drogen zersetzt, die asozialen Elemente Thüringens mit Blues benebelt. Nach der Wende kommt Journalist Ludger Bauer dem größten Geheimnis der Stasi auf die Spur: der Erfindung der Popmusik.
Stefan Maelck, in Halle ansässiger Autor und Journalist, hat in seinem zweiten Roman die Geschichte des Pop neu geschrieben; als Verschwörungstheorie. Das Schöne an einer Verschwörungstheorie ist, dass man sie so wunderbar an die Fakten anpassen kann. Und ein Fakt ist ja wohl, dass die Scorpions die Anmutung einer „Mischung aus Gammelfleisch und Vogelgrippe“ haben. Wer konnte so etwas Grässliches erschaffen außer der Stasi? Na also!
Es ist eine wundervoll spinnerte Idee, die Maelck in seinem äußerst vergnüglich zu lesenden Büchlein auftischt. Und gar nicht so abwegig, wie es im ersten Moment scheint. Popstars werden schließlich tatsächlich „gemacht“. Authentizität ist eine Frage der Imagebildung. Maelck ist ein Musikkenner mit scharfem Blick für schlechten Geschmack und Seltsamkeiten. Und deren gibt es viele zwischen Berluc, Warhol und Maffay. Man wundert sich nach dem Lesen dieses Buches über gar nichts mehr. Vor allem nicht über Phil Collins.
Dank Maelck wissen wir jetzt also endlich, wer wirklich am Niedergang des Abendlandes schuld ist. Die Stasi hat ganze Arbeit geleistet. Und dass Dieter Bohlen ein asbestverseuchter Android ist – wer hat es nicht geahnt? Auch im Roboterbau hat die DDR schließlich entscheidende Fortschritte erzielt. Seit Kraftwerk natürlich.
Augsburg
> Stefan Maelck: Pop essen Mauer auf. Berlin: Rowohlt 2006. 158 S., 14,90
> Lesung: 14.9., Lehmanns Buchhandlung
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| Drogen, Nutten, Dosenbier – wie die DDR den Pop erfand |
| Nordkurier, 23. August 2006 |
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Drogen, Nutten, Dosenbier – wie die DDR den Pop erfand
Eigentlich wurde es ja auch Zeit, dass die Hartholz-Akte des
Ministeriums für Staatssicherheit der DDR endlich das ans Licht bringt,
was die Hörer abseits des Dudelfunks schon immer wussten - Milli
Vanilli, Peter Maffay, die Scorpions und viele andere „Künstler“ wurden
in den Pop-Werkstätten in Schwedt in der Uckermark und unter dem
Berliner Palast der Republik erfunden. Die Popgeschichte muss komplett
umgeschrieben werden, jawoll. Zu verdanken ist dies dem investigativen,
freischaffenden Publizisten und Radiomoderatoren Stefan Maelck,
geborener Wismeraner, dem die Aufzeichnungen des noch investigativeren
Musikjournalisten Ludger Bauer zugespielt wurden, dem es wiederum
gelang, die sagenumwobene Hartholz-Akte dem Rostocker Ex-Berluc-Sänger
(No Bomb) gegen Cash, nicht mit Johnny sondern Money, zu entreißen. Und
diese Geschichte hat Maelck nun aufgeschrieben: „Pop essen Mauer auf.
Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte. Die
Hartholz-Akte“.
Ja, Maelck und Bauer stoßen ein Tor zur Weltgeschichte des Pop auf und
beantworten Fragen, die jeder Musikbegeisterte schon immer wissen
wollte. Warum eigentlich sang Elvis Presley plötzlich deutsch? Weil er
früher Elvira Prassler hieß, die Geliebte von Erich Honecker war und von
Stasi-Major Duttweiler, den Mann, der den Pop erfand, designt wurde, und
endlich mal wieder deutsch singen wollte. Den Elvis-Hüftschwung verdankt
Elvira übrigens der Hüfte von Margot Honecker, die früher mal Turnerin
war. Duttweiler hatte alles im Griff, er schuf die Beatles, die Sisters
Of Mercy und Dieter Bohlen. Wobei der als Roboter konzipierte Bohlen, so
sagt es die Hartholz-Akte aus, einer der perfidesten Racheakte
Duttweilers war. Bohlen, so erzählt der über 90-jährige Duttweiler dem
Ludger Bauer, Bohlen sei die schlimmste Kreatur, die er je geschaffen
habe. Es gebe schlimmere, aber mit denen habe er nichts zu tun. Auch
nicht mit Phil Collins. „Pop, mein lieber Bauer, muss tief sein an der
Oberfläche, dann ist es guter Pop.“
Duttweiler schuf viele Wunderwaffen gegen den dekadenten Kapitalismus
und seine Jugend. Schon in den 60ern wurde den Rolling Stones der Song
„Street Fighting Man“ untergejubelt. Gebrummelt hatte diese Songzeilen,
die zum Synonym für den Rock’n’Roll werden sollten, allerdings kein
geringerer als Dieter „Maschine“ Birr in einer Berliner Kneipe beim
Pils, so besagt es seine Autobiographie, wie Maelck/Bauer herausgefunden
haben. „Was kann’n armer Arbeiterjunge schon tun, als in einer
Rock’n’Roll Band zu singen“. Armer Puhdy Dieter. Mick Jagger strich
einfach das Wort Arbeiter vor Junge und führte die neue Revolution der
Straße an. Und der Pate des Punk, liebe zukünftigen Leser dieses Buches,
ist übrigens Genosse Erich Honecker, der Anfang 1975 nach endlosen
Streitigkeiten mit Margot über Biermann und Andere der Autoaggression
verfiel, sich unter dem Einfluss von westlich dekadentem Bommerlunder
mit Rasierklingen (Gillette?) ritzte und postulbrichtsche
Sicherheitsnadeln durch die Genitalien stach. Duttweiler fand Erich so
in seiner Jagdhütte, schoss ein paar Fotos und ein paar Monate später
standen die Sex Pistols auf der Bühne, die mit God Save The Queen die
Hitparaden stürmten. Wie jedoch Duttweiler den Schabowski ersetzte und
Robo-Schabo die Mauer öffnen ließ, muss einfach jeder selbst lesen…
Duttweiler beendete sein Leben im Dienste des Mainstream beim explosiven
Showdown mit ehemaligen Stasi-Offizieren. Und Bauer, dieser
investigative Journalist, mit einer Kugel im Leib. Gott schütze ihn.
Stasi-Akten über die Musikszene sind eben immer noch brisant, auch
heutzutage. Wer weiß schon, wer oder was heutzutage alles hinter Tokio
Hotel und Co. stecken? Wie sagte Duttweiler doch einst: „Popmusik
besteht zu großen Teilen aus falschen Fährten, gemischt mit ein wenig
Drogen, Nutten und Dosenbier. Es ist etwas, das einem umso besser
schmeckt je weniger man weiß, was genau drin ist.“
Stefan Maelck jedoch erfreut sich immer noch einer ausgezeichneten
Gesundheit wie ein dem Nordkurier vorliegendes Dokument des
Bundesnachrichtendienstes aus der Abteilung Popmusik belegt. „Maelck
entwickelt sich gut, kerniger Schreiber. Bisschen laut in der Schreibe
aber brillanter Satiriker. Wer Spaß versteht und von Pop keine Ahnung
hat, ist als Einsteiger in diese Materie ebenso willkommen wie die
Spezialisten. Ein Glück, dass dem Maelck die Hartholz-Akte in die Hände
gefallen ist. Geben als Dienst ungern zu, nicht mal gute Popmusik
hinbekommen zu haben. Bleibt unter Beobachtung, wer weiß, was dem noch
so einfällt… Gez. Mj. Tütchen“.
Thomas Türülümow |
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Stefan Maelck enthüllt: Die DDR erfand den Pop – und machte sich damit selber obsolet.
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| GALORE Public, 16. August 2006 |
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Pop essen Mauer auf
Stefan Maelck enthüllt: Die DDR erfand den Pop – und machte sich damit selber obsolet.
Man hat es geahnt: Dieter Bohlen ist ein Android. Erschaffen in Labors der SED-Kader, als ultimative Waffe der DDR, um die Jugend des Westens mit maximaler Inhaltsleere zu verätzen. Die Scorpions, Tokio Hotel, die Hits von David Bowie, selbst die Inthronisierung von Phil Collins an der Spitze von Genesis, um aus wertvoller Progrock-Kunst verklebten Sahnepop zu machen: Alles ein Werk von Honecker und Genossen. Ja: Elvis gar! Geboren als Elvira Prassler, wurde sie nach der Geschlechtsumwandlung im Westen ‚installiert’. Der Journalist und Autor Stefan Maelck vollführt in seinem zweiten, geschickt als ‚Hartholz-Akte’ getarnten Buch herrliche Ideekapriolen der absurdesten Art; referenz- und kenntnisreich zerlegt er die Popmusik der letzten 50 Jahre in wahnwitzige Bestandteile. Und zeigt: Nicht Kohl und die aufbegehrende Masse, sondern nur der Pop killten den ostdeutschen Sozialismus. Blöd nur, dass der Dieter inzwischen aus dem Ruder läuft und sich für einen Menschen hält. (Rowohlt)
Sascha Krüger
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| Echt leiwand |
| Kulturwoche.at, 14. August 2006 |
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Maelck, Stefan – Pop essen Mauer auf
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Rowohlt Berlin
Gebunden (2006)
146 Seiten
ISBN: 3871345504
Preis: 14,90 Euro (D)
Erfahren Sie die schreckliche, ungeschminkte, Wahrheit über die Erfindung von Popmusik, und erfahren Sie endlich die Wahrheit über die wahre Identität von Elvis Presley, der ja, man hat es immer schon unheilschwanger geahnt, ein Drag war und Elvira Prassler hieß – eine in die USA geschleuste Spionin aus der DDR, üppig, dunkelhaarig. Eine Schönheit mit Sonnenblumenkernallergie.
Ja, genau, die berüchtigten Hartholz-Akte sind aufgetaucht und werden nun erstmals der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Den Zuschlag dafür, diese prosaisch aufzubereiten, erhielt Stefan Maelck, nachdem sich sein Kollege Ludger Bauer unfreiwillig aus dem Leben zurückziehen musste (ja, man sollte eben nie zuviel wissen!).
Stefan Maelck erhielt schließlich sogar die Gelegenheit den Erfinder und Wegbereiter der Popmusik kennen zu lernen und ausgiebige Gespräche mit diesem zu führen (nein, nicht Elvis alias Elvira). Dr. Duttweiler, Vater von Penny McLean (ja, jene von Silver Convention), war auch Erfinder von Genesis („Mit Phil Collins hab ich allerdings nichts zu tun!“), und aus seiner Werkstatt stammen auch Falco, Michel Jackson, Sisters of Mercy bis hin zu Neil Young – und – späte Rache ans System! – Modern Talking.
Die Mauer musste fallen, klar musste sie das, dass aber daran ausgerechnet die Popmusik, daran schuld war, hätte sich der Auftraggeber zur Erfindung der Popmusik, Erich Honecker (der es ordentlich mit Elvira trieb, während sie einander mit Margarine einrieben), sich wohl auch niemals gedacht.
Na ja, es kommt eben alles und manchmal auch anders. Freilich entstand nicht nur die Popmusik in der DDR-Werkstatt von Duttweiler, sondern auch der Jazz, wenn auch nicht in seinem Labor, sondern in der Kuhglocke (Improvisation ist alles, wie man weiß).
Nun, die Verifizierung der Hartholz-Akte steht noch aus, inzwischen sollten Sie aber dennoch nicht verabsäumen, den Roman zu lesen. Sie werden sich zerkugeln. Und falls Sie noch mehr Hintergrundwissen zum Mauerfall bekommen wollen, lesen Sie doch auch gleich den zweiten (oder ersten?) Anlass zum Mauerfall, nämlich jenen, den Thomas Brussig in „Helden wie wir“ (2001, Volk und Welt) beschreibt. Gute Unterhaltung. (Manfred Horak)
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Honeckers Hüfte |
| Die Welt, 08. August 2006 |
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Honeckers Hüfte
Manchmal könnte man ja zu dem Schluss kommen, dass das Erfinden von abstrusen Verschwörungstheorien zu einem neuen Volkssport geworden ist.
Von Josef Engels
Umso verwunderlicher, dass noch kein Blogger auf folgende abenteuerliche These gekommen ist: Nicht in den USA, sondern in der DDR wurde der Rock 'n' Roll erfunden - als ultimatives Zersetzungsmittel im Kampf gegen den dekadenten Kapitalismus. So steht es jedenfalls in Stefan Maelcks schön durchgeknalltem Enthüllungsbuch "Pop essen Mauer auf" (Rowohlt Berlin, 158 S., 14,90 Euro) geschrieben.
Maelck wurde nach eigenem Bekunden ein Manuskript aus dem Nachlass des ominösen Musikjournalisten Ludger Bauer zugespielt, der sich auf einer ganz heißen Spur befand. Bauer hatte nämlich Zugriff auf die so genannte "Hartholz-Akte", ein äußerst geheimes Dokument, in dem lauter Ungeheuerlichkeiten versammelt sind. Etwa diese: Anfang der fünfziger Jahre ließ Erich Honecker in Schwedt ein als Petrolchemisches Kombinat getarntes Rock-'n'-Roll-Labor einrichten. Dort bildete man unter anderem eine Spionin namens Elvira Prassler aus. Der aparten Dunkelhaarigen wurde das gelenkige Becken der ehemaligen Turnerin Margot Honecker eingepflanzt. Danach schleuste man sie in die USA ein, wo sie auf den russischen Geheimagenten Colonel Parker traf.
Der Rest ist Geschichte. Nach einer erfolgreichen Geschlechtsumwandlung verwirrte Elvira Prassler alias Elvis Presley den amerikanischen Nachwuchs derart, dass mit ihm kein Krieg mehr zu gewinnen war. Erschütternd. Nach Honeckers Aufstieg an die Staatsspitze (sein Vorgänger Walter Ulbricht hatte von all dem ja nichts gewusst) nahmen die Rock-Experimente ungeahnte Ausmaße an. Außer Frank Zappa war offensichtlich jeder, der im Pop Rang und Namen hatte, im Dienste des Sozialismus unterwegs; es soll sogar Überlegungen gegeben haben, Neil Youngs "Heart of Gold" zur neuen DDR-Hymne zu erklären.
Die teuflischste Infiltrierungs-Waffe Ostdeutschlands erwies sich jedoch als Bumerang: die Scorpions. "Jeder, der die Truppe einmal gehört oder gesehen hat", heißt es in "Pop essen Mauer auf", "ahnt, dass diese Band im Osten erdacht worden ist". 1988 wurden die Schläfer aus Hannover vom Ministerium der Staatssicherheit dazu aufgefordert, einen Song über die Perestroika zu veröffentlichen, "ein Lied, das den Jugendlichen sagt: Wir im Westen beneiden euch um die Möglichkeit zur Veränderung und Erneuerung in eurem sozialistischen Heimatland".
Wer allerdings zu spät singt, den bestraft das Leben. Nach einer bewussten Fehlprogrammierung des Roboters Günter Schabowski, neben Michael Jackson und Dieter Bohlen die gelungenste Androiden-Anfertigung der DDR, wurde aus "Wind of Change" dummerweise die Hymne der Wiedervereinigung. Womit bewiesen wäre: Die besten Verschwörungstheorien sind Satiren.
Artikel erschienen am Di, 8. August 2006
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| Das Leben der ganz anderen |
| Sächsische Zeitung, 08. August 2006 |
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Das Leben der ganz anderen
Am Anfang war der Satz: „Was kann ’n armer Arbeiterjunge schon tun, als in ’ner Rock ’n’ Roll Band zu spielen.“ Sänger und Gitarrist Dieter Birr von einer staatstragenden Beatgruppe hatte so gesprochen mit einigen Berliner Pilsen intus und als wolle er sich entschuldigen für sein Tun. Die Stasi hatte mitgeschrieben, weil man ja auch die Freunde im Blick behalten muss. Und weil es eine edle Aufgabe ist, Künstler vor sich selbst zu schützen. Ein Frontmann von der anderen Seite sang die Linearübersetzung, ließ nur das Bestimmungswort „Arbeiter“ weg und schrieb Rockgeschichte: „Street Fighting Man“. Wahrscheinlich ist das nicht, aber es könnte so gewesen sein.
Rockjournalist, Krimiautor, Literaturkritiker und Moderator Stefan Maelck aus Halle hat sich ein Alter Ego erfunden, um es als investigativen Journalisten auf die Fährte dieses Was-Wäre-Wenn zu schicken. Ludger Bauer ist tot, weil er sich dorthin verstiegen hat, wo Schluss mit lustig ist. Die ganze gewesene DDR besteht von heute her aus verloren gegangenen Papieren. Behördenfutter als Spekulationsobjekt, sofern es überhaupt noch einen interessiert. Jedem, der dabei war, seine eigene Legende. Nicht nachlassen also mit den Nachlässen, denn immer schöner wird’s, je entfernter wir uns erinnern.
Warum also nicht die Schraube überdrehen und das Aktengraben zu einem grotesken Akt am Grab machen? Warum nicht schallend lachen dabei? Warum nicht auf Rosenholz verzichten und stattdessen Hartholz klopfen? Warum nicht dem so realen Leben der anderen das komplett ausgedachte Leben der ganz anderen hinterher fabulieren? Wo uns eben noch Mühe und Tukur wirklich gerührt haben, plärren jetzt Oberst Duttweiler und sein Adlatus Sperling alias IM Sturmvogel: Rührt euch! Warum nicht auf die Tragödie endlich die Farce folgen lassen?
Indizien für eine überproportionale Beachtung der Rockmusik durch die DDR-Staatsführung gibt es en masse. Schließlich ist ihr die Bevölkerung nicht ungern nach Ungarn weggefahren, um teuer die richtigen Platten zu kaufen. Schon auf dem 11. Plenum seines ZK hatte der kalte Walter gegen das Yeah, Yeah, Yeah gewettert. Etwas später orakelte Lothar Bisky kryptisch vom Eindringen des Mittelstandes in den Arbeiterjugend-gestützten Rock ’n’ Roll. Wusste er mehr? Warum hat er es verschwiegen? Immerhin deutet er schwerwiegende Folgen einer Verbindung von Politik und Show an. Ist es also Zufall, dass Andy Warhol und Peter Maffay von drüben kamen, Elvis deutsch diente und manchmal auch so sang, Bob Dylan vorher einen teutonischen Namen trug, Falco sich nach einem Thüringer Skispringer nannte und im letzten Wahlkampf eine populäre Widmungskomposition die entscheidenden Stimmen in den Osten brachte?
Einem kleinen Land, dessen medaillenträchtige Olympia-Frauen umoperierte Männer waren, kann man auch die Erfindung des Pop zutrauen, vermuten amerikanische Verschwörungstheoretiker. Womit wir bei der Hartholz-Akte wären, die das alles belegt und deswegen ein Objekt der Begierde ist. Die Speerspitze war Duttweiler, der sie in seinem Labor unter dem Palast der Republik alle erfand: Elvis und die Sex Pistols, Westernhagen und Genesis, Lou Reed und die Sisters of Mercy. Ein Genie und begnadeter Stratege, der den Westen von innen her aufweichen wollte. Als die Welle zurückschwappte, war er längst desillusioniert. Als er Ludger Bauer schlussendlich zu seinem Memoirenschreiber beruft, haben beide nicht mehr viel Zeit, weswegen kaum noch Raum bleibt für die schönen Geschichten aus der ersten Hälfte des Buches. Stattdessen ragen nur noch witzige Spitzen aus dem Splatter-Ideen-Stakkato. Und der gute Rat eines Erfinders an alle Journalisten: „Wenn Sie je Dieter Bohlen interviewen sollten, tun Sie es per Telefon. Ich sage nur ein Wort: Asbest.“
Stefan Maelck: pop essen mauer auf. Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte. Die Hartholz-Akte. Rowohlt Berlin. 160 Seiten. 14,90 EURO
Ulrich Steinmetzger
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| Alles war ganz anders |
| Süddeutsche Zeitung, 04. August 2006 |
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Alles war ganz anders
Rezensiert von TOBIAS LEHMKUHL - 04-08-2006
Wer hätte gedacht, dass Lothar Bisky für die Erfindung des Gothic Rock verantwortlich ist? Die Hartholz-Akte offenbart es. Und die Rolling Stones? Made in the GDR. Andrew Eldritch von den Sisters of Mercy? Heißt eigentlich Andreas Ältrich. Stasi-Offizier. Das sind nur einige Beispiele. Die Hartholz-Akte wartet noch mit vielen ähnlich erstaunlichen Enthüllungen auf. Die erstaunlichste von allen: Elvis Presley war eine Frau, mit bürgerlichem Namen Elvira Prassler. Und den berühmten Hüftschwung verdankt er/sie der so überaus biegsamen Hüfte Margot Honeckers. Die spendete sie gerne, und ließ sie bei der Geschlechtsumwandlung Elviras gleich mit einbauen. Schließlich ging es um den Sieg des Sozialismus. Und darum, dass Erich fortan wieder nur Augen für sie haben würde: „Elvis, Erich, Erektionen“.
In seinem Roman „Pop essen Mauer auf“ tritt Stefan Maelck als Herausgeber der hinterlassenen Schriften des Musikjournalisten Ludger Bauer auf. Bauer scheint, einer unfassbaren Verschwörung auf der Spur, seine Recherche nicht überlebt zu haben. Dabei hielt auch er die Gerüchte, der Rock ’n’ Roll sei in der DDR erfunden worden, lange Zeit für „Unsinn“. Dann aber fallen ihm einige Dokumente in die Hand, vor allem die Hartholz-Akte mit schriftlichen Notizen des Master Mind Major Duttweiler.
Wie Bauer nun erfährt, war es Duttweiler, der von Erich Honecker den Auftrag bekam, die Fundamente der westlichen Welt mit dekadenter Populärmusik zu untergraben und zum Einsturz zu bringen. Dabei ging natürlich manches schief. Die Scorpions etwa sollten mit „Wind of Change“ den Karren eigentlich „noch einmal aus dem Dreck ziehen“, wäre es nach Egon Krenz gegangen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Und auch Duttweiler, dieses Genie der Manipulation und Komposition, muss sich eingestehen, dass er am Ende „mehr Böses geschaffen hat als Gutes“. Als Beispiel führt der dämonische Duttweiler Dieter Bohlen an, der seinen Ekel und seine „ganze Verzweiflung über die Menschheit, ihre Systeme und Philosophien“ transportiere.
Den Triumph hätte sich die DDR natürlich nicht aufs Banner schreiben können, denn auch dort wurde die Musik laut Hartholz-Akte instrumentalisiert: „Die betäubende Wirkung des Blues ist bekannt. Damit kochen wir die asozialen Elemente weich“, schreibt IM Sturmvogel in einem Bericht an Duttweiler.
Drogen, Nutten, Dosenbier
Nimmt man Maelcks Buch als Satire ernst, heißt das, dass man Authentizität von Musik nicht erwarten kann, oder nur in dem Sinn, dass sie einen authentischen Ausdruck zweier gänzlich verdorbener Gesellschaften darstellt. Schließlich ist man davon, dass die heutige Musikindustrie einen einzigen Schwindel inszeniert, ja ohnehin überzeugt. Aber geht es in diesem Buch wirklich um die DDR? Zumindest speisen sich die meisten Witze in Maelcks Roman aus der Vorstellung, die DDR, die sicher alles andere als wild und sexy war – aber welcher Staat wäre das schon – solle Schuld sein an „Drogen, Nutten, Dosenbier“.
Der Autor, gebürtiger Wismaraner, scheut durchaus nicht vor derben Pointen zurück. Akzeptiert man aber einmal die Möglichkeit einer großen Pop-Verschwörung als Lesegrundlage, hält sich die weitere Entwicklung im Rahmen. Der Abstrusitätsfaktor steigt langsam und stetig, nicht in plötzlichen, unglaubwürdigen Schritten. So hat man immer noch was zu lachen.
In Ton und Kalauersicherheit erinnert das Buch an Heinz Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“. Zwar gibt es am Ende noch einen Hinweis darauf, wer wirklich für den Zusammenbruch der DDR verantwortlich war; der Pop aber, soviel sei verraten, war es nicht unmittelbar. Da weckt der Titel, zum Glück, falsche Erwartungen. „Pop essen Mauer auf“ ist einer der schlimmsten und unpassendsten Titel, die es in den letzten Jahren auf ein Cover geschafft haben. Unmöglich, dass der Autor ihn sich ausgedacht hat, er wäre mit Abstand seine schwächste Pointe.TOBIAS LEHMKUHL
STEFAN MAELCK: Pop essen Mauer auf. Roman. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2006. 157 Seiten, 14,90 Euro.
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| Lachet und staunet! |
| Radio Fritz, 01. August 2006 |
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01.08.2006 Erzählung
Stefan Maelck „Pop essen Mauer auf“
Die Kommunisten haben den Pop erfunden und versucht, den Westen so zu Fall zu bringen. Jeder, der das ernsthaft behauptet, wird nur ein müdes Lächeln ernten. Diese Theorie ist so bescheuert, dass sich niemand die Mühe machen würde, sie zu überprüfen – außer der Beweis fällt zufällig in seine Hände.
Ludger Bauer, Musikjournalist, musste sterben - denn er wusste zuviel. Ihm war die legendäre „Hartholz-Akte“ in die Hände gefallen, welche beweist: die DDR hat die Popmusik erfunden und wollte so die westliche Jugend vom rechten Weg abführen. Alles begann Ende der 60er, als der Stasispitzel „IM Sturmvogel“ ein Gespräch der gerade gegründeten Ost-Band Puhdys belauscht. Sänger „Maschine“ behauptet, es gäbe für einen Arbeiterjungen nichts besseres, als in einer Rockband zu spielen. Kurz darauf taucht die Zeile im Rolling Stones Hit „Street Fighting Man“ auf.
Das Feuer ist gelegt. Ost-Größen wie Berluc, West-Stars wie Peter Maffay oder weltweite Idole wie Elvis – sie alle sind verstrickt in dieses abstruse Komplott. Stefan Maelck geht hier so engagiert und liebevoll zur Sache, seine Theorie von der DDR als Geburtsland der Popmusik zu belegen – man muss ein Herz aus Stein haben, wenn man ihm als Leser nicht folgt. Selten hat man so amüsant Popkultur vermittelt bekommen, während man gleichzeitig in eine herrlich absurde Verschwörungstheorie verheddert wird. Lachet und staunet!
Was:
Stefan Maelck „Pop essen Mauer auf“
Verlag:
rowohlt Berlin
Wieviel:
14 Euro 90 |
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Kein schlechter Plot: Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte. “Pop essen Mauer auf" ist die neue Roman-Satire des halleschen Autors Stefan Maelck.
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| FRIZZ Halle, 01. August 2006 |
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Kein schlechter Plot: Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte. “Pop essen Mauer auf" ist die neue Roman-Satire des halleschen Autors Stefan Maelck.
“´...live is not what it seems.´ Sie lachte. Das hätte auch der Wahlspruch ihres Vaters sein können." - Der, von dem da die Rede ist, der Vater, ist Duttweiler, “ein Mann mit überdurchschnittlichem Talent, ein Genie, das zunächst manipuliert wurde, und das später mit wachsender Begeisterung selbst manipulierte, bis er es zur Meisterschaft darin gebracht hatte. Ein durchaus faustischer Charakter, der dem Teufel seine Seele verkauft hatte, um es zur Perfektion auf seinem Gebiet zu bringen." Sein Gebiet, neben dem der Manipulation, ist die Musik, die Popmusik im weiteren Sinne, und alles was diese betrifft. Sein Auftraggeber das MfS. Der Auftrag: den Westen kulturell zu unterwandern mit einer Musik, “so schwarz" - die Rede ist hier von Blues und Rock´n´Roll - “dass sie den Klassenfeind befallen würde wie die Pest."
Duttweiler selbst ist es, der Jahre nach der Wende, in Kenntnis seines baldigen Sterbens und in Sorge um sein Bild vor der Nachwelt, den Musikjournalisten Ludger Bauer (Stefan Maelcks Alter ego) auf seine Spur setzt. Er tut dies mittels zugespielter Dokumente, den sogenannten Hartholz-Akten. Der Leser denkt kurz an die Rosenholz-Dateien und erfährt in einer Art Detektivgeschichte - die Story einer gefahrvollen und am Ende für Bauer tödlichen Recherche - die unglaublichsten Dinge über die Arbeit der Genossen um Duttweiler. Und die wirklichen Hintergründe der Musikgeschichte der letzten 60 Jahre (...live is not what it seems).
So etwa, wie den Stones durch Duttweiler der Text zu Street Fighting Man untergeschoben wurde - die Bearbeitung eines Satzes von Dieter Birr (Pudhys) durch Dean Reed, und revolutionärer als alles, was die Rolling Stones bis dahin veröffentlicht hatten.. (Das kann man grade noch glauben, denn schließlich stehen die Stones zu dieser Zeit “jeden Abend so stark unter Drogen, dass sie ... am nächsten Morgen gar nicht mehr genau wissen, welche Lieder sie geschrieben haben".)
Oder wie aus Elvira Prassler, einer frühen Geliebten Erich Honeckers, durch die Hüfte von Margot und mittels einer Geschlechtsumwandlung Elvis Presley wird; “Elvis the Pelvis - diesen Spitznahmen hatte Elvira Prassler vor allem der Hüfte Margot Honeckers zu verdanken." Freilich gelingt Duttweiler - “Erinnern sie sich an Butterfly von Daniel Gérard? Das war Duttweiler selbst" - nicht jeder Coup: “Einer der größten Reinfälle in Duttweilers Karriere war die Installation einer Band, deren Mitglieder sich ... als opportunistische Scharlatane (´geldgeile Arschlöcher und Schuhputzer der kapitalistischen Schallplattenindustrie´, so Duttweiler wörtlich in einem Brief an Egon Krenz) entpuppen sollten. Die Rede ist vom Fiesesten, was der Sozialismus ... hervorgebracht hat - den Scorpions."
Es gibt in Stefan Maelcks höchst respektloser Satire kaum einen Namen der Popgeschichte, der unerwähnt bleibt. Zugleich bietet der Autor mit im Detail stilistisch sicherer Hand Einblicke in die Denk-, Arbeits-, und Lebensweise einiger Vertreter der alten Eliten, deren Ränkespiele und Intrigen. Irgendwann wechselt Duttweiler die Seiten. Und der Kommunismus schafft sich selber ab.
Vielleicht wäre ja alles auch ganz anders gekommen, hätte der Versuch geklappt, Wolf Biermann für immer lahm zu legen: Duttweiler “hatte gerade ’Ein Lied kann eine Brücke sein' geschrieben, und Biermann sollte damit zum Grand Prix nach Stockholm fahren". - Live is not what it seems. Jene, die das eingangs erwähnte, ist keine geringere als Penny McLean, Duttweilers Tochter.
Ronald W. Gruner |
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| Zwischen Gammelfleisch und Vogelgrippe |
| taz, 29. Juli 2006 |
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Zwischen Gammelfleisch und Vogelgrippe
Ein Buch von Stefan Maelck beweist: Pop ist eine Erfindung der DDR-Staatssicherheit
"Pop ist Sheriff" hieß eine CD, auf der die "Late Lounge"-Redaktion des Hessischen Rundfunks die Musik einiger ihrer Gäste kompiliert hatte. "Pop ist Sheriff" klingt kindercool und lustig, stimmt aber leider nicht. Pop ist im Gegenteil eine Begriffshülse, die von der Kulturindustrie allem aufgestülpt wird, das exakten Kriterien nicht genügt, aber als irgendwie-geil,-oder? auf den Markt gekloppt beziehungsweise eben gepopt werden muss.
Auf dem Ticket des Pop geht alles: Patriotismus ist Pop - ein paar Feuilletonisten rufen einen Trend aus, um anschließend in ihren eigenen Blättern über ihn zu berichten, als sei er eine Tatsache von öffentlichem Interesse und nicht ihre eigene, öde Erfindung. Das Kurzzeitgedächtnis des Publikums ist beschaffen wie das eines Dauerkiffers, und deshalb kann die Thesenjournalismus sich nennende Windbeutelei Produkte aus dem Althutcontainer jeden Tag als neue Sache verhökern.
Konservativ sein bedeutet, Resistenz und notfalls Renitenz zu zeigen gegen modischen Firlefanz und Quark. Es gilt also: Lieber Dada als Da Da Da, lieber Popo als Pop. Und schon hält man sie in Händen, die guten, alten Werte, nach denen immerzu geschrien wird.
Das Konservative ist eine Verteidigungswaffe, ein Filter, der ausschließlich passieren lässt, was später Klassik werden kann oder wird, nicht aber das hochgeschriebene Zeug, dem bereits am Tag seines In-die-Welt-gesetzt-Werdens der ranzige Geruch anhaftet, den jede abgelegte Mode - und also a priori jede Mode - verströmt. Pop dagegen ist eine Angriffswaffe, um genau diesen Filter zu zerstören. Pop setzt auf Masse, auf Totfüttern, auf die Methode Steter-Tropfen-höhlt-den-Stein, die dazu führt, dass kulturindustriell erzeugte Wühltischartikel wie Tokio Hotel oder Blumfeld feuilletonistisch zum "Phänomen" - auch so ein Plastik- und Nullwort - geheißluftet werden.
Wie stumpf die Waffe Pop sein kann, zeigte Tim Renner, der sich als Deutschlandchef von Universal Music den Nimbus des Visionärs anheftete, indem er einer hochverzweifelten Blenderbranche mit matthiashorxhaftem, halbesoterischem "Wird schon werden"- und "Das nächste große Ding kommt bestimmt"-Geraune öligen Trost zusprach. Die Industrie sah in ihm eine Art Messias zur letzten Hoffnung, just die Mischung aus Jesus und Adolf, ohne die Pop eben nicht auskommt.
Die schöne Idee, dass Popmusik aber auch eine richtig gefährliche politische Waffe sein könnte, befeuert den Radiojournalisten Stefan Maelck. Nach seinem 2003 erschienenen Debut "Ost Highway" hat Maelck jetzt sein zweites Buch vorgelegt: "Pop essen Mauer auf. Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte." Das Buch ist eine Dokumentarfiktion: Der Musikjournalist Ludger Bauer vertritt die These, Pop sei in der DDR erfunden und ins westliche Ausland exportiert worden, um dort gesellschaftliche Erosions- und Dekadenztendenzen anzufachen oder zu beschleunigen.
Beweisen will Bauer seine Theorie mit der Hartholz-Akte, einem verschollenen Geheimdokument, von dessen Existenz er überzeugt ist. Er findet die Akte und stöbert den Mann auf, der alles, womit Menschen seit den fünfziger Jahren akustisch gequält wurden, erfunden und auf dem Kerbholz hat. Oder zumindest fast alles: Duttweiler, so heißt der DDR-Musikklassenkämpfer, gesteht viele Sünden. Für die schlimmste von allen aber ist er nicht verantwortlich: "Mit Phil Collins habe ich nichts zu tun." Darauf legt Duttweiler größten Wert.
Die Infiltration des Westens mit populärer Musik durch die DDR hatte das Ziel, schädlichen Einfluss auf das Denken und Handeln von Jugendlichen zu nehmen. Die Operation beginnt 1950: Eine Spionin namens Elvira Prassler wird in die USA geschleust, umgerüstet und zum Star gemacht - zu Elvis Presley. Und Andrew Eldritch, Sänger der Band The Sisters of Mercy, hieß in Wahrheit Andreas Ältrich und war NVA-Offizier, bevor er von Duttweiler als Waffe gegen den Westen aufgebaut wurde.
Das klingt abenteuerlich, aber die Grundidee hat viel für sich, und Maelck weiß zu formulieren. "Wind of Change" von den Scorpions nennt er "ein Lied wie eine Mischung aus Gammelfleisch und Vogelgrippe". Über Wolf Biermann, "dieses Kompositum aus Arsch und Geige", heißt es: "Margot [Honecker] legte ihn flach, und das blieb er zeitlebens."
Nebenher erfährt man eine Menge über die musikalische Sozialisation des 1963 in Wismar geborenen Autors, der mit Liedern von Reinhard "Lacky" Lakomy, Herbert "Karat" Dreilich, Jürgen Kerth, Hansi Biebl und Berluc aufwuchs, jener Band, deren Name aus Berlin und Luckenwalde zusammengesetzt ist und die mit "No Bomb!" ein Friedenskitschlied zusammenrührte, das den Werken des Westduos Bastian & Kelly ebenbürtig war. Später lernte Maelck die Künste von Kinky Friedman, Howe Gelb, Joe Strummer und Warren Zevon kennen und wertschätzen - keiner von ihnen kalng oder klingt, als hätte die Staatssicherheit die Finger im Spiel gehabt.
Aber weiß man's wirklich? Wenn Maelcks These stimmt, ist niemand und nichts mehr sicher. Die Pop-Art und die Popliteratur sind mit Sicherheit Kreationen der Stasi oder ihrer Nachfolgetruppen - geschaffen einzig, um den menschlichen Kopf mit Dünnpfiff zu füllen. Wer aber wissen will, wer das Übelste von allem, wer Phil Collins erschuf, die schleimige Pest des Äthers, muss Maelcks Buch bis zum bitteren Ende lesen.
Wiglaf Droste
Stefan Maelck: Pop essen Mauer auf. Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte. Die Hartholz-Akte, Rowohlt Berlin 2006, 158 S., 14,90 €
taz, 29.07. 2006 |
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| Stefan Maelck "Pop Essen Mauer Auf" |
| WOM Magazin 8/2006, 27. Juli 2006 |
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WOM Magazin 8/2006
Stefan Maelck "Pop Essen Mauer Auf" (Rowohlt,14,90 EUR)
Hat ein DDR-Kreativheer mit musikalischen Mitteln im Kalten Krieg gekämpft? Schenkt man der Satire "Pop Essen Mauer Auf" Glauben, wurde der Rock'n'Roll
als dekadente Waffe zur Bekämpfung der BRD erfunden. Die zu erwartende Verrohung der popsüchtigen Jugend sollte dem Sozialismus dienen. So wurde Ostlerin Elvira Prassler umoperiert, um als Elvis Presley mit Margot Honeckers Hüfte Welterfolge zu feiern. Was Autor Stefan Maelck hier erzählt, ist bitter und fast glaubwürdig: Michael Jackson wirkt tatsächlich wie ein Roboter. Und Bohlen, "die schlimmste Kreatur", steht mit seiner Musik weiterhin für die Verneinung von "Toleranz, Großzügigkeit, Sinnlichkeit und Lust." Nur an Phil Collins sei die DDR garantiert nicht schuld. (Jan Drees)
WOM-Sterne: **** (4 von 5) |
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Als Honecker den Punk erfand
«Pop essen Mauer auf»: Die Stones ein Produkt der Stasi, Elvis erzeugt in Ostberlin? |
| Mitteldeutsche Zeitung, 22. Juli 2006 |
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Stefan Maelck
Als Honecker den Punk erfand
«Pop essen Mauer auf»: Die Stones ein Produkt der Stasi, Elvis erzeugt in Ostberlin?
von Steffen Könau, 21.07.06, 22:52h, aktualisiert 21.07.06, 22:59h
Erich Honecker, der Punk-Erfinder. (Foto: MZ)
Halle/MZ. Schockwellen werden durch die Tonstudios laufen, erdbebendes Entsetzen durch die Chefetagen der Plattenmultis rollen. Und Auslöser wird ein kleines Büchlein sein, das der hallesche Rock-Kritiker und Krimiautor ("Ost-Highway") Stefan Maelck jetzt vorlegt. Auf 160 Seiten breitet der 42-Jährige in seinem neuen Buch "Pop essen Mauer auf" den überaus brisanten Inhalt des geheimsten Dokumentes der DDR-Staatssicherheit aus: die sagenumwobene "Hartholz-Akte".
Maelck, dem mit der Erfindung des halleschen Privatdetektivs Hank Meyer ein ebenso schlüssiges wie lässiges Debüt gelang, gibt sich diesmal nur als Überbringer der bösen Botschaft aus. Ein befreundeter Musikjournalist, so heißt es, habe die haarsträubende Geschichte recherchiert, nach deren Bekanntwerden die Rockgeschichte in weiten Teilen neu geschrieben werden müsse. Doch der wackere Enthüller geriet zu nah an die mächtigen Strippenzieher, die, glaubt man der Hartholz-Akte, seit Jahrzehnten alle Fäden im Rockgeschäft in der Hand halten. Und bezahlte mit seinem Leben dafür. Stefan Maelck aber fürchtet sich nicht, die Machenschaften des Stasi-Mannes Duttweiler und seiner Schergen endlich öffentlich zu machen: Wie sie sich in ihrem Pop-Labor unter dem Palast der Republik Elvis Presley ausdachten, der eigentlich Elvira Prassler hieß. Wie sie Peter Maffay aus Rumänien holten, um ihn als tödliche Waffe gegen den Kapitalismus zu verwenden. Und wie aus dem Militärorchester-Musiker Andreas Ältrich der Goth-Rockstar Andrew Eldritch wurde, der mit den Sisters Of Mercy Mutlosigkeit und Angst unter der Jugend im Westen verbreitete.
Das liest sich wie eine Persiflage auf Agentenromane und die gesamte Popliteratur. Nach der Hartholz-Akte hat Erich Honecker selbst den Punk erfunden, das MfS die Scorpions mit Tigerimitatanzügen ausgerüstet und Dieter Bohlen aus Ersatzteilen zusammengepappt. Klingt abstrus, ist im Rahmen der Geschichte aber einfach nur lustig. Denn Maelck spielt fingerfertig mit Querverweisen in die Historie, bündelt alte Legenden und neu ausgedachte Verschwörungstheorien zu einem Bild vom Popgeschäft, das gut auch wahr sein könnte. Zumindest ein bisschen. Zünftig endet die Enthüllung der wahren Natur der Popmusik mit einer Schießerei zwischen Michael-Jackson-Doubles und alten Stasi-Seilschaften. Und der Held stirbt. Gehört sich ja so, im Rock'n'Roll.
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| "Der Stasi ist alles zuzutrauen, also auch der Pop" |
| Donaukurier, 20. Juli 2006 |
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"Der Stasi ist alles zuzutrauen, also auch der Pop"
Donaukurier
Halle (DK) Schuld an allem ist natürlich Duttweiler: Der Offizier der Nationalen Volksarmee hat, so steht es in der streng geheimen "Hartholz-Akte", praktisch im Alleingang den Pop erfunden. Sein Ziel: den Westen zu unterwandern und zu zersetzen. Willfährige Helfer bei diesem perfiden Plan: IM Sturmvogel sowie Westernhagen, Peter Maffay, Genesis, Elvis, die Sisters Of Mercy, die Sex Pistols, Andy Warhol, Lou Reed und viele andere. Es ist eine großartig durchgeknallte, hochgradig amüsante Geschichte, die Stefan Maelck in seinem morgen erscheinenden Buch "Pop essen Mauer auf" erzählt. Unser Redakteur Peter Felkel sprach mit dem Autor über musikalische Vorlieben und literarische Vorbilder, über perfekte Radiosendungen und die legendären Rockpalast-Übertragungen, über DDR-Sänger Reinhard Lakomy und über Van Morrison im Jogginganzug.
Eine Frage, die sein muss am Anfang: Wie kommt man auf die doch eher bizarre Idee, dass die Popmusik, wie wir sie kennen, in geheimen DDR-Laboratorien erschaffen worden ist?
Stefan Maelck: Es gab verschiedene Auslöser. Das Buch ist ja vor allem eine Satire auf gesellschaftliche Veränderungen, die bis heute nicht vernünftig aufgearbeitet worden sind, und um das zu diskutieren, bedient es sich, völlig überhöht, eines Massenme- diums. Wenn man sich anschaut, wie alte Stasi-Offiziere jetzt herumposaunen, dass sie keine Verbrechen begangen haben, wenn sich überall die Opfer scheinbar mit ihren Tätern ausgesöhnt haben, um überhaupt so etwas wie eine Biografie zu verspüren, und wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, wie der Osten in Gestalt von Angela Merkel oder Michael Ballack langsam zurück- kommt, kann man gar nicht anders, als sich noch mal ein wenig lustig zu machen und die Geschichte ein wenig aufzublasen. Letztlich ist ja die These, dass denen bei der Stasi alles zuzutrauen wäre, also auch der Pop.
Elvis Presley hieß also eigentlich Elvira Prassler und wurde nach einer Geschlechtsumwandlung und dem Einsetzen des Hüftgelenks von Margot Honecker zum Weltstar und "King of Rock ’n’ Roll". Rechnen Sie mit Reaktionen der Elvis-Fanclubs auf diese "Blasphemie"?
Maelck: Bei den Lesungen werde ich einen Button tragen, auf dem "Elvis Show Member" steht, um klar zu machen, das auch für mich Elvis nicht weniger ist als der "King". Satire darf aber nun mal nicht allzu gottes-und götzenfürchtig daherkommen, sonst funktioniert sie nicht. Ich habe die höchste Achtung vor dem Rock ’n’ Roll. Deshalb habe ich das Erzählen auch an die Figur Ludger Bauer übertragen, damit ich in Ruhe weiter meine AC/DC-Platten hören kann.
Sie entlarven den Gothic Rock und den Punkrock, Peter Maffay, Westernhagen und die Scorpions als Duttweiler-Kreaturen, aber außer Elvis wird kein Klassiker demontiert. Was ist mit Beatles, Stones oder Bob Dylan?
Maelck: Auf Beatles und Stones gibt es ja Verweise. Auf die Stones hätte man, wie auf viele andere, noch tüchtig draufhauen können. Aber die Idee hat verlangt, das Buch nicht allzu lang werden zu lassen, sonst erschöpft sie sich bei der Lektüre. Na, und bei aller Blasphemie und allem Zynismus gibt es zwei Gestalten, die ich nicht anfasse: Bob Dylan und Van Morrison. Obwohl der beim letzten Konzert im Berliner Tempodrom in einem Jogging-anzug in einer Limousine verschwand, um noch den Nachtflieger zu bekommen, während seine Band noch spielte. Nicht, dass er das tut, ist schlimm, sondern, dass er er dabei einen Jogginganzug trägt. Eigentlich Thema für ein neues Buch: "Van, the jogging man".
Sie sind 1963 geboren. Wie sah denn Ihre musikalische Sozialisation aus?
Maelck: Da waren der NDR 2 mit Peter Urban und Klaus Wellershaus. Bob Dylan und Bruce Springsteen, natürlich nach Sweet und Slade. Mit zehn habe ich angefangen, bewusst Radio zu hören. West und Ost. Es gab ja im Osten DT 64, das war ein guter Sender. Und es gab natürlich auch im Osten ein paar sehr gute Bands, die waren aber offiziell uncool, weil sie aus dem Osten kamen. Quatsch eigentlich. Mein erstes Konzert mit zehn war Reinhard Lakomy, den würde man heute als Singer/Songwriter betrachten. Lacky war großartig, neben Manfred Krug hatte der so ’ne ganz eigene Art Lieder zu schreiben und zu singen, also etwas, was es im Westen nicht gab. Den Rest konnten die im Westen besser. Aber niemand dort sang Lieder wie Lakomy. Ja, und dann der WDR-Rockpalast – das war das Größte: Patti Smith, Joe Jackson, Joan Armatrading, Rory Gallagher. Westplatten wurden auf dem Schulhof getauscht zum Überspielen auf die Spulen-Tonbandgeräte. Manchmal saß man die ganze Nacht, weil man zehn Zappa-Platten überspielen musste, die am nächsten Tag zurückgegeben werden sollten.
In Ihrem 2003 erschienenen Buch "Ost Highway" löst Hank Meyer, Privatdetektiv, Radio-DJ und Countrymusik-Fan, einen bizarren Mordfall. Das erinnert an Kinky Friedman, den vom Countrysänger zum Krimiautor umgeschulten Zyniker aus Texas. Zufall oder wichtiger Einfluss für Ihre eigene Arbeit?
Maelck: Kinky Friedman ist ein ganz wichtiger Einfluss für meine Arbeit und mein Leben überhaupt. Ich verrate Einflüsse immer gern. In "Ost Highway" wird Kinky ja erwähnt, so wie im neuen Buch Billy Wilder und Woody Allen genannt werden. Gerade hatte ich die Ehre, für den neuen Kinky Friedman, "Tanz auf dem Regenbogen", der im Herbst bei Edition Tiamat erscheint, das Nachwort zu schreiben. Das hört sich jetzt vielleicht bescheuert an, aber darauf bin ich stolz. Seine Helden öffentlich zu bejubeln, das gehört dazu für mich. Die Deutschen tun sich da manchmal recht schwer, in der anglo-amerikanischen Welt ist dieser Umgang mit Musikern und Autoren ganz anders.
Ihr Held Hank Meyer moderiert die Radiosendung "Lost Songs Found". Sie arbeiten ja selbst für das Radio. Wie sähe Ihre ideale Sendung aus?
Maelck: Das wäre meine ideale Sendung, "Lost Songs Found": mit viel guter Musik, aber auch mit literarischen Themen, Filmen. Das überschneidet sich ja sowieso alles. Also eine Art Freispielzone, wo man genreübergreifend Musik spielen kann, Gäste einlädt zum Gespräch, Dinge in Beziehung zueinander setzen kann, dabei den Hörer mitnimmt auf eine Reise und ihn zugleich ein wenig orientiert, welche CDs, Bücher, Filme ihn vielleicht interessieren könnten.
"Pop essen Mauer auf" erscheint am 21. Juli. Was steht als nächstes an? Lesereise? Urlaub? Oder gibt es schon konkrete Pläne für das nächste Buchprojekt?
Maelck: Ein paar Lesungen im September, auch bei WDR 1 Live. Da freue ich mich schon drauf – und auf die Buch-Präsentations-Party mit der Band Cracker im Oktober in Halle. Vorher etwas Urlaub, aber immer nur mal ein paar Tage Ostsee. Und der "Ost Highway"-Nachfolger ist auch schon mindestens halb fertig. Er soll "Paradise Ost" heißen. Ich hab den ja für "Pop essen Mauer auf" unterbrochen, damit keiner die Idee klaut – überall chinesische Industriespione.
Einem Musikkenner und -lieb-haber wie Ihnen kann man natürlich die finale Nick-Hornby-Frage nicht ersparen. Also: Welche fünf Songs und welche fünf Alben nimmt Stefan Maelck mit auf die einsame Insel?
Maelck: Das ist Folter – fünf Songs und fünf Alben! Ich träume manchmal, dass einen diese Listen einholen, und dann sitzt man plötzlich auf der Insel und hat diesen begrenzten Vorrat an Musik. Alles ist im Überfluss vorhanden: weibliche "Freitage", exotische Früchte, Havanna Club und Rauchwaren (weil die Insel nämlich Kuba ist), und dann geht einem die Musik aus und man muss zurück. Hätte so schön sein können, aber mit so ein paar Platten . . . Also: alles von Van Morrison, Lambchop, Elvis Costello, Bob Dylan, Johnny Cash, Warren Zevon, The Clash, Paul Weller, Ketil Bjornstad, Giant Sand/ Howe Gelb, Wilco/Uncle Tupelo, The Band – und "Running on Empty" von Jackson Browne.
Stefan Maelck: Pop essen Mauer auf, Rowohlt Berlin, 160 Seiten, 14,90 Euro.
19.07.2006 19:51
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Neue Bücher
Pop essen Mauer auf |
| NDR Kultur, 19. Juli 2006 |
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Neue Bücher
Pop essen Mauer auf
Maelck, Stefan
Bestellnummer:
3-87134-550-4
Erschienen bei:
Rowohlt
Preis: 14,90 €
Vorgestellt von Sven Ahnert
Sendetermin: 19. Juli 2006, 12.30 Uhr
Was wäre wenn der Pop in Wandlitz ausgeheckt worden wäre? Wenn Honeckers Stasi-Leute den Beat als Waffe für den Klassenkampf ersonnen hätten? Stefan Maelck, Muikjournalist und Autor des Krimis "Ost Highway”, hat in seinem neuen Roman "Pop essen Mauer auf” diesen närrischen Gedanken auf die Spitze getrieben. Bob Dylan, Johnny Cash? Alles Kreaturen aus den Laboratorien der Stasi. Stefan Maelck schickt sein alter ego Ludger Bauer auf Reisen durch Honeckers Pop-Gruselkabinett. Sven Ahnert über Stefan Maelcks vergnügliche Groteske:
Eigentlich ist die Geschichte der Popmusik recht langweilig: Alles Gute kommt aus England und den USA. Vielleicht stimmt das aber gar nicht und Schuld daran ist der Osten? Dachte sich Stefan Maelck und hat sich einen Jux gemacht: Gestützt auf die geheimnisvolle Hartholz-Akte schrieb er die Geschichte des Pop zur Gruselgeschichte um. Lange galt dieses mysteriöse Dokument als verschollen, doch Ludger Bauer, ein Musikjournalist mit Ambitionen, kann sie einem Ostrockfossil für 5000 Euro abtrotzen. In dieser Akte steht alles drin: Der legendäre Hamburger Star-Club war im Besitz der Stasi, die Beatles und andere Popfiguren waren ihre Geschöpfe. Ludger Bauer ermittelt bei einem Stasi-Mann namens Duttweiler und trifft auf eine seiner reizenden Erfindungen:
"Woher kannte ich nur dieses Gesicht? Ich war sicher, dass ich es schon einmal gesehen hatte. Sie lächelte. ’Die Leute erkennen mich immer noch, obwohl Lady Bump dreißig Jahre her ist. Sie haben auch gleich so geschaut!’ ’Penny McLean’, sagte ich und errötete ein wenig bei dem Gedanken daran, was ich zu den Fotos des einstigen Starlets alles angestellt hatte."
Erich Honecker und Elvis Presley
Es kommt aber immer dicker: Andy Warhol wurde auf Geheimdienstkosten aus einem slowakischen Dörfchen nach New York geschleust; der Blues wurzelt tief in Thüringen, und B. B. King ist sein Prophet; Johnny Cash und Elvis Presley mussten aus gutem Grund immer mal wieder Deutsch singen. Pop ist also eine Ausgeburt des Kommunismus. Als perfide Wunderwaffe im Kalten Krieg sollte er die dekadente westliche Jugend berieseln und deren Kampfgeist empfindlich schwächen. Überraschend sind dabei auch die Verflechtungen zwischen Erich Honecker und Elvis Presley:
"Bereits 1950 hatte Duttweiler eine Spionin namens Elvira Prassler in die DDR geschleust, eine üppige dunkelhaarige Schönheit, derer sich Erich entledigen musste, weil er mit seiner Extraration an Lebensmittelscheinen auch sie gern mit Margarine abgerieben hätte. Aber man hatte sie nicht wegen ihrer Oberweite ausgewählt. Im Januar 1956 traf sie zum ersten Mal auf, und zwar in der Tommy and Jimmy Dorsey Stage Show. Ihr Name: Elvis Presley:"
Duttweilers Reigen schauriger Popmonster nimmt kein Ende. Als eine Art Dr. Frankenstein von Honeckers Gnaden macht er vor keiner Erfindung halt:
"Dieter Bohlen ist das Fieseste, was ich mir je ausgedacht habe. Mit Dieter Bohlen habe ich mich am Westen und am Osten gerächt, für alles was man mir angetan hat. Dieter Bohlen transportiert all meinen Ekel und meine ganze Verzweiflung über die Menschheit, ihre Systeme, ihre Philosophien, gegen Dieter Bohlen, junger Mann, ist Frankensteins Monster reinster Kindergarten."
Dieter Bohlen und Thomas Anders
Am Ende dann sind wir in einer blutigen Groteske angelangt und müssen zusehen, wie sich die Kreaturen des Dr. Duttweiler gegenseitig massakrieren. Natürlich muss Dieter Bohlen dran glauben und Thomas Anders wird irre:
"Thomas Anders sagte nichts, er sang in einem fort Hits von Modern Talking und zeigte mit den Fingern das Peace-Zeichen in die Kamera. Ein Polizeibeamter nach dem anderen musste ausgetauscht werden, alle knallten von Thomas´Gesang die Sicherungen durch. Nach etwa zwanzig Minuten, in denen immer wieder die blutigen Bilder gezeigt worden waren, hatte ich genug gesehen und zog den Stecker."
Wer hätte das gedacht, dass diese Kräfte eines Tages wie ein Bumerang in den Osten zurückkehren und die Mauer zum Einsturz bringen würden? Mit "Pop essen Mauer auf” hat Stefan Maelck einen aberwitzigen Gedanken weitergesponnen zu einer vergnüglichen Musik-Fabel, der man sogar hätte auf den Leim gehen können. Doch wir müssen nun einmal der Wahrheit der Popgeschichte ins Auge sehen: Dieter Bohlen lebt immer noch und Elvis war nun mal keine Elvira.
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Krimi-Kost: Gekonnte Raserei auf Ost Highway
Der gebürtige Wismarer Stefan Maelck las im Zeughaus |
| Osteseezeitung Wismar, 24. September 2003 |
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Krimi-Kost: Gekonnte Raserei auf Ost Highway
Der gebürtige Wismarer Stefan Maelck las im Zeughaus
Urkomisch und respektlos ist sein Schreibstil: Stefan Maelck und sein Krimi „Ost Highway“ begeisterten über 100 Gäste im Zeughaus. Bei seinem Heimspiel lief der 40-jährige Autor zur Höchstform auf.
Wismar Stefan Maelck im Zeughaus. Die Stadtbibliothek hatte im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Literarischer Bilderbogen“ eingeladen. Etwa 100 Zuhörer hielten am Montagabend die Luft an, grienten, glucksten oder bogen sich vor Lachen und kauften anschließend das Erstlingswerk des gebürtigen Wismarers. Ja, man musste es einfach tun. Denn jede der 218 Seiten Krimi-Literatur verlangt nach mehr. Pointen, Dialoge und Mundarten der handelnden Personen treiben sich gegenseitig voran. Das Beziehungsgeflecht fährt mehrspurig durch die einzelnen Episoden, immer gibt Maelck volle Pulle Gas. Als Leser und Zuhörer fühlt man sich selbst schnell wie auf einem Highway. Dazu die Verbindung zum Auditiven. Songfetzen und gute Musik ziehen sich durch die Handlung wie ein zuverlässiges Autoradio. Der Krimi ist, so die, die ihn schon verkosteten, in spätestens zwei Tagen gegessen. Kompliment, Mister Maelck! Sicher hat er viel über Straßen, Tempo und gute Musik in Amerika gelernt, wo sich der Germanist und Anglist nach seinem Studium länger aufhielt.
Wenn man es nicht besser wüsste, hätten die klebrigen Vorurteile aus der Kategorie Schubladen-Denken mit Dauerhaltbarkeit einen doch glatt in die Falle tappen lassen. Der Maelck sieht nämlich aus wie ein Wessi. Auf den ersten Blick. Schwarze Hose, schwarzes Hemd mit weißen Applikationen am unteren Ärmelrand, sauteure Schuhe, schwarz natürlich, passende Socken, silberner Armreif rechts, schlichte Uhr links und aus der Jackentasche zog er nach der Lesung ein glänzendes Silberdöschen mit Zigarettenpapier. Man(n) dreht selbst. Der Radiomoderator aus Halle ist ein wirklich cooler Typ. Wie sein Romanheld Hank Meyer. Der ist allerdings nun wirklich ein Wessi. Gestrandet im tiefsten Sachsen-Anhalt, wo er als bekennender Country-Fan die Radiosendung „Lost Songs Found“ bestreitet und als Privatdetektiv plötzlich einen Mord zu klären hat: Gerda Lattke ist tot. Ermordet im Funkhaus Halle. Meyers bester Freund, Nachrichtenredakteur Heuser, hilft bei der Recherche und stellt fest, dass Gerda Lattke zu Lebzeiten unter dem Decknamen IM Maja Unfrieden gestiftet hat. Handelt es sich um einen späten Akt der Rache?
„Ost Highway“ heißt das Debütwerk des freien Publizisten, der einst am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Wismar die Schulbank drückte und anschließend in Rostock studierte.
Schon als Vorschüler soll er die wildesten Geschichten erfunden haben, munkelten die „Ehemaligen“ aus seinem Bekanntenkreis.
Und auch Rowohlt Berlin ließ sich fangen. Bereits nach den ersten Kapiteln, das Buch hatte noch längst kein Ende, gab es die Zusage vom Verlag. Und es geht weiter. Gerade entsteht „Paradies-Ost“ als Manuskript. Und als Drilling ist „Ost-Generation“ geplant. Dann übrigens ermittelt Hank Meyer auch in Wismar und auf Poel.
Auf die Frage, was ihn einst beim Schreiben seiner „Nummer eins“ motiviert hat, antwortete Maelck: Johnny Cash, Warren Zevon und Ausschlafen!
INA SCHWARZ
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| http://www.krimi-forum.net/Datenbank/Autor/fa001407.html |
| www-krimi-forum.net, 10. September 2003 |
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Stefan Maelck
Ost Highway
Rowohlt Hardcover
ISBN 3-8713-4462-1
Im tiefsten Sachsen-Anhalt gestrandet, wartet der westdeutsche Privatdetektiv Hank Meyer auf neue Herausforderungen. Einstweilen bestreitet er als bekennender Country-Fan die Radio Sendung LOST SONGS FOUND und feiert mit den Kumpels philosophische Trinkgelage.
Doch dann wird die Moderatorin Gerda Lattke im Funkhaus ermordet aufgefunden. Der Sohn des Verstorbenen bittet Meyer, den Fall zu übernehmen. Er ist aus New Orleans angereist und traut der örtlichen Polizei nicht. Meyers bester Freund, der Nachrichtenredakteur Heuser, hilft bei der Recherche und stellt fest, dass Gerda Lattke zu Lebzeiten unter dem Decknamen IM Maja allerlei Unfrieden gestiftet hat. Handelt es sich um einen späten Akt der Rache?
Die Spurensuche führt Hank Meyer und Heuser von den Tiefen der Geheimdienstarchive über den Sad-Song-Superhighway in die Sümpfe Louisinas. Eine wirklich sensationelle Entdeckung machen die beiden allerdings erst wieder zu Hause in Halle.
Rezension:
Auf dem Cover steht groß "Ein Hank Meyer-Roman", als ob es jemals zuvor schon andere Hank Meyer-Romane gegeben hätte - Bluff ist eben auch im Krimi-Geschäft an der Tagesordnung.
Genau wie in den Medien, bei denen sich Hank Meyer als Plattenaufleger bei einer mitteldeutschen Rundfunkstation herumtreibt. Seine Radio-Sendung heißt "Lost songs found" und weil das Stöbern nach verlorenem Country-und-Western-Schmalz nicht abendfüllend ist, betätigt er sich nebenbei als Privatdetektiv, der seine Agentur "Me, Myself & I" nennt. Was natürlich auch ein Bluff ist, denn außer sich, sich selbst und ihm gibt es in der Agentur Meyer keinen Detektiv.
Kein Bluff allerdings ist der Schlüpfer, mit dem der Mörder die Leiche von Meyers Radio-Kollegin Gerda Lattke verziert hat, kein Bluff auch der plötzlich aus Louisiana nach Halle angereiste Sohn der Verblichenen, der Hank engagiert, damit er die Hintergründe aufklärt. Das ist alles ernst, todernst sozusagen, und sofort nachvollziehbar, weil ab sofort der Kalauer-Quotient in Stefan Maelcks Debütroman auf ein mittleres Maß absinkt, was allerdings nicht mit "Mittelmaß" verwechselt werden sollte.
Denn auch wenn im Lauf der Meyerschen Ermittlungen in Halle und Louisiana die eine oder andere gar nicht komische Machenschaft der Toten ans Licht kommt, füttert Maelck all dies in seine Wortspielmaschine ein, die er in der Tat perfekt beherrscht.
Was am Ende bleibt, ist eine deutsch-deutsche Geschichte von verlorenen Träumen und später Rache - vielleicht etwas zu schwer für den leichtfüßigen Ton, der das Buch so angenehm lesbar macht. Aber vielleicht ist das auch nur ein Bluff.
Reinhard Jahn
http://www.krimi-forum.net/Datenbank/Titel/ft002923.html
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MORDSKOMISCH!
STEFAN MAELCK’s „Ost Highway“ ist jetzt schon Kult!
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| Cab Nightflight August/September, 15. August 2003 |
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MORDSKOMISCH!
STEFAN MAELCK’s „Ost Highway“ ist jetzt schon Kult!
text: katja steinert
Andere Autoren hätten wahrscheinlich für soviel Stoff gleich mehrere Bücher schreiben müssen, doch der Wahl-Hallenser STEFAN MAELCK bringt das alles in nur einem unter, wodurch sich sein Erstlingswerk „Ost Highway“ gekonnt sämtlichen Schubladen entzieht. Natürlich ist es ein Roadmovie, weil es direkt von Halle nach New Orleans und zurück geht. Natürlich ist es ein Krimi, weil hier mit Schlüpfer gemordet wird. Natürlich ist es eine Ostgeschichte, weil es eben in Halle spielt und das Opfer mal den Spitznamen „IM“ trug. Natürlich ist es eine Westgeschichte, weil Detektiv Hank Meyer von dort kommt. Natürlich ist die Story aus dem Leben gegriffen, weil hier auch Musik und Suff stattfinden. Und natürlich gibt es viel zu lachen, weil Maelck nicht nur respektlos ist, sondern über einen wunderbaren, amüsanten Stil verfügt.
Cab Nightflight: Kannst du dich noch erinnern, als dir deine Figur Hank Meyer erstmals durch den Kopf schoss?
STEFAN MAELCK: Der Name "hankt" schon länger an mir dran, der stammt aus einem völlig absurden Comic aus Wien "Die Invasion der grünen Fussel", Mitte der 80er. Dort gibt es auch Typen wie Frank Stibitzky oder Uschi Trelkowski, man erfährt warum Elvis Elvis heißt und nicht Josef Stalin und warum Adolf Hitler niemals Rotwein trank. Später lernte ich dann während meiner Zeit in den USA einen kennen, der hieß Hank Obermeyer. Gibt's also wirklich solche Typen. Als ich die Story zu "Ost Highway" entwarf, war ich gerade schwer auf dem Country- und Alternative-Country-Trip. Der Übervater dieser Szene neben Jimmy Rogers ist natürlich Hank Williams und so bekam der Detektiv seinen Spitznamen/Vornamen. Sein Sidekick Heuser hat dafür gar keinen Vornamen. Der Name passt zu seinem Helden, ein young urban professional loser mit zwei Jobs und einem halben Einkommen. Im nächsten Teil hört Meyer viel mehr Soul als Country, wird deshalb aber nicht in Marvin umbenannt.
Cab Nightflight: “Ost Highway” ist dein erstes Buch, war es schwer, dafür einen Verlag zu gewinnen?
STEFAN MAELCK: Ich hatte Glück. Der Autorentraum. Rowohlt Berlin war der erste Verlag, der was zu lesen bekommen hat und die haben es genommen. Ich habe selbst mal ein Jahr als Lektor gearbeitet und weiß wie schwer das ist, einen Verlag zu finden. Außerdem kenne ich etliche Autoren, die mit ihren Manuskripten von Pontius zu Pilatus gezogen sind und immer wieder abgelehnt wurden.
Cab Nightflight: Deinem Roman ist ein gewisser Lokalpatriotismus anzumerken. Ist das ein Trick, um die Geschichte zumindest für die eigene Gegend interessant zu machen, oder konntest du gar nicht anders? Ich meine, selbst Details wie Kneipen und Bands sind real...
STEFAN MAELCK: Eher Notwendigkeit, die aus der Idee für die Handlung, die Region und die Stadt entstanden ist. Und was heißt hier zumindest für eine Gegend interessant zu machen...? Aber nein, ich bin kein Lokalpatriot. Ich lebe in Halle und kann die Szene beobachten, kenne die Tücken und Ticks, die Vorteile und die Abgründe einer Kleinstadt. Außerdem ist Halle recht exemplarisch für etliche Städte im Osten, aus denen nach der Wende unheimlich viele Menschen abgewandert sind, wo die Arbeitslosigkeit groß und die Hoffnung eher klein ist. Hier sind in den letzten 13 Jahren fast 100 000 Menschen weggegangen. Auf der anderen Seite gibt es viele, die um eine funktionierende Kultur kämpfen und es gibt genug Angebote an Konzerten, Lesungen, Theater, Austellungen etc..
Ich wohne seit 1995 in Halle, davor war ich viele Jahre unterwegs, bin nirgends lange geblieben. Zu Halle hab ich immer noch ein ambivalentes Verhältnis, es gibt aber viele Menschen hier, deren Arbeit und Aushalten in der Stadt ich sehr schätze. Die versuchen hier was auf die Beine zu stellen. "Ost Highway" ist deshalb größtenteils genau in seinen Details, die Handlung, die ja der Ost-Geschichte entstammt, sollte nicht im luftleeren Raum spielen. Das Buch ist mehr als Sittenkomödie gedacht, die den Osten 13 Jahre nach der Wende zeigt und das aus der Perspektive eines Westlers und im Kontext von Morden, die direkt mit der Vergangenheit zu tun haben.
Cab Nightflight: Wenn ich deine Vita lese, gibt es viele Parallelen zwischen dir und Hank Meyer. Die Amerika-Aufenthalte oder die Musik zum Beispiel...
STEFAN MAELCK: Es gibt ein paar Überschneidungen mit meiner Biografie, das stimmt. Ich habe genau wie Hank keinen Führerschein. Überhaupt haben wir beide wenig Führungsqualitäten. Aber Hank Meyer ist eine Kunstfigur und nicht das Abbild des Autors. Im Gegensatz zu mir säuft Hank Meyer auch jede Menge, raucht, hängt gern in Kneipen ab, he's working hard at being lazy - wie der Ami gern sagt. Ich dagegen sitze abends lieber mit ein paar Freunden, die die Beamtenlaufbahn eingeschlagen haben, beim Rommè und schau mir ihre Pferde und Pferdepflegerinnen an. Das sind die echten Cowboys, die ich dann beneide. Aber für mich ist das leider zu spät. Ich habe bei der Deutschen Bank angerufen und trotz Abitur bin ich15 Jahre zu alt für eine Bankerlehre. Ich müsste gleich als Filialleiter einsteigen. Da hab ich Schiß gekriegt wegen der Regelmäßigkeit und der Verantwortung...
Cab Nightflight: Wenn Stefan Maelck keine Bücher schreibt, was macht er dann?
STEFAN MAELCK: Neben dem Rommè bleibt wenig Zeit, aber die Miete muss verdient werden und dass tu ich als freier Redakteur beim öffentlich-rechtlichen Radio, Themenbereiche Popkultur, Musik, Literatur. Ansonsten fahre ich viel Fahrrad und so oft wie möglich an die Ostsee, allerdings mit dem Zug.
Cab Nightflight: Es geht in deinem Buch, auch wenn es um Mord und Stasi geht, ziemlich lustig zu. Das Ende wiederum ist überraschend und traurig. Was liegt dir mehr?
STEFAN MAELCK: Die beiden Dinge gehören zusammen, das Leben beweist einem das ja immer wieder gern. Ich bin so ein positiver Melancholiker. Beim Rommè z.B. haben meine Kumpels natürlich die Nase vorn, wenn sie erzählen können von ihren Immobilien, Hunden und lobotomisierten Frauen. Ich muss sie dann bewundern und sie nennen mich einen hoffnungslosen Träumer. Aber leider verwechseln sie Besitz mit Glück und wissen noch nicht, dass die Hoffnungslosigkeit des Luxus noch auf sie zukommt. Na und wenn die dann morgens mit schwerem Schädel in ihre klimatisierten Büros fahren, wo sie gleich von `nem Vorgesetzten fertiggemacht werden, dann rufen sie mich an und wollen tauschen. Ich schlaf dann entweder noch oder fahr schon mit dem Fahrrad an der Saale entlang...
Cab Nightflight: Wie sind die bisherigen Resonanzen auf das Buch?
STEFAN MAELCK: Durchweg gut von taz bis FAZ. Natürlich feiern echte Kenner der „KrimiKauntrySzene“ mehr als so Berufskritiker. Die müssen das ja feuilletonistisch verkleiden, selbst wenn sie es mögen. Nur einer hat ziemlichen Schwachsinn abgesondert und ich hoffe, dass das wirklich böse gemeint war. Es gibt ja nichts Schlimmeres, als von humorlosen Menschen gelobt zu werden. Jede Menge Kritiken kann man nachlesen auf meiner Homepage www.osthighway.de.
Cab Nightflight: Es heißt, du schreibst bereits am nächsten Hank Meyer-Fall. Kannst du uns schon neugierig machen? Wann wird das Buch voraussichtlich erscheinen?
STEFAN MAELCK: Hank reitet wieder. Allerdings wird er sich beim neuen Buch aus Dunkeldeutschland nicht rausbewegen wie in "Ost Highway". Weiter als bis Jena und Erfurt kommt er nicht. Das reicht aber auch zum Leichen sortieren. Es gibt das ganze Spektrum: Mord, Entführung, Substanzmißbrauch, gefährliches Halbwissen oder wie Funny van Dannen einmal sagte: Titten, Tränen und Hanuta. Musik wird natürlich eine Rolle spielen, Esoterik auch. Oder wie das heißt. Und Meyer, Heuser und Klepzig bekommen einen neuen Kollegen. Zum Doppelkopfspielen. Erscheinen soll Hanks nächster Fall im März 2005 - zeitgleich mit der Taschenbuchausgabe von "Ost Highway".
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Zonenfinder
Stefan Maelck schickt seinen Detektiv in den Stasi-Sumpf
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| FAZ, 21. Juli 2003 |
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Zonenfinder
Stefan Maelck schickt seinen Detektiv in den Stasi-Sumpf
21. Juli 2003 Ausgerechnet im fünfzigsten Todesjahr des großen Hank Williams erscheint dies Buch. Seine Hauptfigur: Hank Meyer, Privatdetektiv in Halle/Saale, zudem Radiodiskjockey und eingefleischter Countryfan. Warum bloß immer die üblichen Verdächtigen als Bezugsgrößen? Warum nicht mal ein Stück Literatur zu Ehren von, sagen wir, Loretta Lynn ("Coalminer's Daughter"), Kitty Wells ("It wasn't God who made Honky-Tonk Angels") oder George Jones? Statt dessen ruht man sich lieber auf dem Hank-Williams-Mythos aus, der politisch korrekt ist und trotzdem männliche Heulsusen in ihrem existentiellen Dilemma bedienen kann.
Und die Kombination aus country music und Kriminalgeschichte? Schmeckt die nicht nach einem deutschen Aufguß von Kinky Friedman - Country-Musiker und Krimiautor in einem? Aber es ist ja gerade das Naheliegende, Einfache, Plakative, das Abrufen konstanter Grundmuster, was solche Genreliteratur ausmacht; Altbekanntes in immer neuen Schattierungen. Das Überraschende an Stefan Maelcks "Ost Highway" ist sein Schauplatz: Sachsen-Anhalt. "Dunkeldeutschland" oder "der Sumpf", wie sein aus dem Westen stammender Detektiv das Bundesland und mithin den gesamten Osten der Republik gern nennt, in den es ihn von Berufs wegen verschlagen hat.
Der Krimi beginnt mit einer Leiche im Herzen der Bewußtseinsindustrie Ostdeutschlands. Gerda Lattke, Star unter den Radiomoderatoren eines großen öffentlich-rechtlichen Senders, wird tot im Funkhaus aufgefunden. Den Schlüpfer, mit dem man sie erdrosselte, trägt sie noch um den Hals. Auf seinen detektivischen Recherchen gerät Meyer in die Keller jüngster Geschichte. Aber hier endet auch schon die Überraschung: Frau Lattke hatte nämlich zu DDR-Zeiten für die Staatssicherheit gearbeitet, und sie war - wie sich nach und nach herausstellt - bei weitem nicht die einzige im Haus "mit Stasi-Kerben auf dem Colt": "Spannend war eigentlich nur noch, wer nicht dabeigewesen war." Ein Überwachungsapparat, der gerade innerhalb von Familien perfekt funktionierte, hinterließ allerhand geschundene Seelen und gespaltene Persönlichkeiten. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Opfer sich rächen. Von den "Zeitbomben, die nun nach und nach explodieren werden", handelt dieses unterhaltsam geschriebene Buch.
Eine Spur führt Meyer und seinen Assistenten gar von Halle nach New Orleans, in die Stadt des Jazz, Funk, des mysteriösen Voodoorockers Dr. John. Und in die Sümpfe drumherum. Hier lauert allerhand Böses, werden Puppen mit Stecknadeln bearbeitet, Geister der Vergangenheit angerufen, und auch sie wechseln wie Spitzel und Agenten manchmal die Gestalt. Maelcks männliche Figuren schlurfen als einsame Cowboys durch die Welt. Sie saufen, rauchen F6, philosophieren an Hallenser Kneipen- und Cafétischen und erinnern in ihrer Hängeschultrigkeit nicht selten an das Publikum auf einem Gedenkkonzert zu Ehren von Hank Williams.
Erzählt wird das alles im rasanten Tempo des Radiosprechers. Doch wo einer stetig bemüht ist um sprachliche Eigenheiten, die Stilblüte häufig bewußt einsetzt, da kann die Pointe auch schon einmal danebengehen. Etwas weniger aufgesetzte Flottheit und mehr gute Beobachtung und Krimipsychologie wünscht man sich für die kommenden Abenteuer von Hank Meyer. Autor Maelck - selbst Journalist und wohnhaft in Halle - arbeitet laut Klappentext bereits an einem nächsten Fall. Wahrscheinlich aber wird der Detektiv und Diskjockey aus Dunkeldeutschland nach diesem Buch ohnehin schon eine Fangemeinde haben.
STEFANIE PETER
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Gut riechen, viel saufen
In Halle, Sachsen-Anhalt, wird mindestens dreifingerbreit überkandidelter gemordet als in Raymond Chandlers L. A.: Stefan Maelcks erster Hank-Meyer-Roman "Ost Highway" |
| taz, 17. Juni 2003 |
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Gut riechen, viel saufen
In Halle, Sachsen-Anhalt, wird mindestens dreifingerbreit überkandidelter gemordet als in Raymond Chandlers L. A.: Stefan Maelcks erster Hank-Meyer-Roman "Ost Highway"
Eigentlich dürfte Hank Meyer nur kurze Sätze sprechen, Sätze, hingeknallt wie ein Schnaps-Shot auf einen fleckigen Cowboytresen. Männersätze, Privatdetektivsätze, Chandlersätze. Denn Hank Meyer ist Privatdetektiv, Singlemann, Radio-DJ für eine Country-Sendung, latenter Alkoholiker - ein Kerl Ende 30, Anfang 40 eben. Allerdings nicht in einem schmutzigen New Yorker Office, sondern im heimelig-unheimlichen Halle.
Das ist der Grund, warum der Protagonist in Stefan Maelcks erstem Hank-Meyer-Roman "Ost Highway" zwischen die geballten, kurzen Detektivshots auch mal Sätze wie "Er roch nach einem von diesen modernen, frischen Eaux de Toilette, die für beide Geschlechter gehen und damit der eigentlichen Idee von Duftwässerchen entgegenarbeiten" hakelt. Und sich so abhebt von den landläufigen Männer-Tresen-Mordfall-Geschichten. Denn erstens passieren in Halle, Sachsen-Anhalt, Morde nicht so wie in Chandler-Klischee-Umgebungen, sondern mindestens dreifingerbreit überkandidelter: Die Tote, die Meyer im Funkhaus findet, ist mit einem Schlüpfer erdrosselt worden. Sie heißt Gerda Lattke, war zu Lebzeiten eine der ungekrönten Moderatorinnen-Stars der Gegend, hat einen in die USA abgewanderten, zwielichtigen Sohn und hatte eine Weile den Decknamen IM Maja.
Zweitens ist die Geschichte Meyers, der sich bei der Aufklärung des Falls von Halle über New Orleans und zurück säuft, neben dem Krimi vor allem eine "Sittenkomödie". Das sagt der Erfinder Meyers, Stefan Maelck, selber Radio-DJ in Halle, im ähnlich besten Alter wie sein Protagonist, mit einem ähnlichen Humor, aber ohne Mordgelüste.
Das Krimiartige tritt auf diesem "Ost Highway" zumeist zugunsten eines Umgebungsportraits zurück, einer Umgebung, die vor allem durch ihr ländlich-pomeranziges Lokalkolorit amüsiert. Hier soll man nicht der Blutspur folgen, sondern der Tonspur, dem, was der Detektiv beobachtet, kommentiert und bemäkelt.
"Fälle, an denen sich die Gesellschaft abarbeiten lässt", versuche er zu schreiben, erklärt Meyer-Vater Maelck und weist sogar nicht alle autobiografischen Hinweise von sich, wie Schriftsteller es sonst gerne machen: Natürlich habe er den Helden ein bisschen in seiner Welt angesiedelt, einen ähnlichen Jahrgang mitgegeben, extra "keine Coming-of-age-Geschichte" gemacht.
Er mag, sagt der gebürtige Wismarer Maelck, diese "geschlossenen Systeme", wie Meyers Universum aus Kumpels, Suff und ganz spezieller Musik, weil sie einem "die Möglichkeit geben, herauszufinden, wer zu einem passt". Zu Maelck, dem Autor, müssten demzufolge also Menschen passen, die einen wermuttrockenen Humor haben, das Herz voller Countrymusik und eine vergrößerte Leber. Der Humor ist dabei fast am wichtigsten. Denn Maelcks Buch könnte auch für Nicht-Country-Fans und Nicht- oder Wenig- Trinker funktionieren. Menschen ohne Albernheits-Gen stecken es vermutlich eher unter "Chandler Rip-off Ost" weg.
Das Ost-Thema hat in Maelcks Buch, trotz Titel und Aufführungsort, ohnehin nicht die aus momentan so beliebten Ost-Verarbeitungs-Büchern bekannte Priorität. Halle, die Hallenser und ihre diversen Vergangenheiten und Vorlieben bleiben skurrile, genau beobachtete und ab und an gekonnt klischierte Staffage, die der Westler Meyer (genau wie der echte Ostler Maelck) kopfschüttelnd beschreibt. Und vielleicht trägt das ja zum angeblich immer noch irgendwo stattfindenden Zusammenwachsen der Himmelsrichtungen bei.
JENNI ZYLKA
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| kulturmagazin aspekte |
| zdf.de/aspekte, 13. Juni 2003 |
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Der wilde Osten - das ist dort, wo Tom Jones nur ein einziger Damen-Schlüpfer nachgeworfen wird, wo die Menschen düster schauen und "nichts zu verschenken haben, aber jede Menge zu verbergen." Gesellschaftliches Brachland ist es, wo Wehklagen und Jammern zum guten Ton gehört, wenn man sich nicht mit Volksmusik die Birne volllaufen lässt.
Dunkeldeutschland
"Dunkeldeutschland", nennt das Hank Meyer, Nebenerwerbs-Detektiv und Teilzeit-Radio-DJ und damit die neueste Schöpfung auf dem Markt der Kriminalliteratur. Gestrandet auf dem "Ost-Highway", hat es Meyer, den Wessi, ausgerechnet ins Landesfunkhaus Halle verschlagen, was er ausgiebig in seiner Stammkneipe Hölderlin beklagt, wenn er nicht gerade seine verschrobene Radiosendung "Lost Songs Found" moderiert. Meyer ist nicht nur als bekennender Countryfan ein Außenseiter, auch seine boshafte Beobachtungsgabe macht ihn nicht unbedingt beliebter. Politisch korrekt sind andere.
So stolpert Meyer in einen Mordfall (die Waffe ein Damenschlüpfer) an der beliebten Schlagermoderatorin Gerda Lattke, die eine IM-Vergangenheit hat, trifft auf alte Seilschaften und Rachegelüste der Opfer, Republikflüchtlinge und eherne Sozialisten, einen Cowboy, der um die Ecke stiefelt, auf Schmierenjournalisten und den Ku-Klux-Klan und andere finstere Gestalten, die ihn bei seinen Ermittlungen in New Orleans erwarten.
Figuren aus dem deutschen Alltag
Er wird vom Sohn der Ermordeten engagiert und stürzt sich in ein Geflecht von privaten und politischen Intrigen aus dem deutschen Alltag. Eine Geschichte, die teils Groteske, teils bissige Beschreibung des Alltags in einer ostdeutschen Stadt und des öffentlich-rechtlichen Kulturbetriebs ist. Das ist ebenso schonungslos wie liebenswürdig erzählt. Hart aber herzlich, möchte man sagen.
Fortsetzung folgt ...
Das Buch ist wie gemacht für eine Fortsetzung, dachte sich wohl auch der Verlag und besaß die Chuzpe, gleich "Ein Hank-Meyer-Roman" auf den Umschlag zu schreiben, obwohl es noch gar keine dunkeldeutsche Serie dazu gibt. Der Autor Stefan Maelck arbeitet aber daran, ist zu hören. Was ihm dabei entgegenkommt ist, dass sich vieles aus Meyers Leben in seiner eigenen Vita spiegelt und beide Seiten der kulturellen Wasserscheide kennt. Maelck ist Ostdeutscher und hat sich nach der Wende den Wind in den USA und England um die Nase wehen lassen. Er lebt in Halle und ist selbst Radiomoderator. |
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Sex, Drugs & Rock’n’Roll – Schlüpfer, Bier & Country
Stefan Maelck: Ost Highway |
| RISSE-Heft Nr.11 Frühjahr 2003 (6.Jg.), 01. Juni 2003 |
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Sex, Drugs & Rock’n’Roll – Schlüpfer, Bier & Country
Stefan Maelck: Ost Highway
Sampler mit Cover-Versionen von Hank-Williams-Songs haben seit den späten 90ern Hochkonjunktur. Ein halbes Jahrhundert nach einem klassischen Rock’n’Roll-Leben und –Tod erlebt die Country-Legende ein ungeahntes wie verdientes Comeback. Johnny Cash und Bob Dylan interpretierten Williams-Songs und beweisen mit ihrem Spätwerk …
Doch was hat das mit Stefan Maelcks Debüt Ost Highway zu tun? Mit einem Kriminalroman, der in Sachsen-Anhalt spielt!?
Im Mittelpunkt der Kriminalliteratur steht ein Verbrechen. Dieses wird durch einen Helden aufgeklärt. Maelcks Held ist Hank W..., nein, Hank Meyer, westdeutscher Privatdetektiv in Halle, der sich als Moderator beim Radio über Wasser hält. Lost Songs Found heißt die wöchentliche Radiosendung, „die natürlich auch detektivischen Charakters ist.“ Meyer spielt vergessene und verlorene Songs in seiner Show, „wo man sich hinterher immer betrinken muß.“
Das Verbrechen: Die Star-Moderatorin Gerda Lattke wurde mit einem Schlüpfer (sic!) erdrosselt. Kurz vor ihrem Tod hatte sich Frau Lattke zu ihrer Stasi-Tätigkeit bekennen müssen. Mord aus Rache? „Und was wollte uns der Täter mit dem Schlüpfer sagen? Ein Zeichen?“ Von ihrem Sohn bekommt Meyer den Auftrag, den Mord aufzuklären. Der Detektiv mit ausgesprochenem Faible für Country begibt sich mit seinem Freund und Saufkumpan, dem Nachrichtenredakteur Heuser (auch ein Wessi, der im Osten gelandet ist) auf Spurensuche.
Was folgt, ist ein Ritt durch DDR- und Musikgeschichte, über den Großen Teich, von Halle, Leipzig, Berlin nach New Orleans, in die Sümpfe Louisianas und zurück. Von Manfred Krug zu Dylan, Cash und Co. und zurück. Von Stasi zu CIA, KKK und zurück.
Um die Person Hank Meyer zu beschreiben, sollte man sich den Hank-Williams-Song I‘m so lonesome I could cry von Johnny Cash vorsingen lassen oder dessen neuestes Album anhören. (O-Ton Meyer: „Die meisten Männertränen werden aus Selbstmitleid vergossen.“) Hank Meyer ist ein Philip Marlowe des Ostens, ein eigenwilliger Kerl mit ausgezeichnetem Musikgeschmack. „Und natürlich ging es in den besten Songs auch um Mord und Totschlag, um Liebe und Verrat, um Sieg, Niederlage und Gelassenheit. Ein guter Song sagt einem soviel wie mehrere Wochen Leben, ein besserer Song soviel wie mehrere Monate und der allerbeste Song sagt einem gar nichts, sondern stellt alles in Frage. I´ll be what I am, a solitary man.“ Sätze wie diese kennzeichnen den avancierten Musikliebhaber. Für jede Gelegenheit hält der Autor einen treffenden Song bereit, zitiert Attitüden, Visagen und Aussehen von Legenden des Rock (wer will im Alter schon so aussehen oder so schlecht gelaunt sein wie Van Morrison). „Wer um die Vierzig ist und schon ein paar Länder, Lebensentwürfe und Lieben probiert hat, der hält es gern mit Meister Dylan - in einer Welt stahlkalter Blicke müssen Männer kämpfen, um sich aufzuwärmen. Eigentlich wollte ich Wärme ohne Kampf.“
Unterstützung im Fall Lattke erhalten Meyer und Heuser von Polizei-Kommissar Klepzig, ein Heavy-Metal-Fan, der folgerichtig nach der Trennung von seiner Frau tut, was zu tun ist: die Plattensammlung retten! Meyer und Heuser retten sich selbst und werden gerettet – aus den gefährlichsten Situationen. Die beiden sind aufeinander eingestellt wie ein altes Ehepaar, liegen auf derselben Wellenlänge – und das hat mit mehr zu tun als Radio.
Ost Highway ist spannender Detektivroman, gehobene Musikzeitschriftenprosa, Club- und Kneipenführer New Orleans, Dunkeldeutschland-Erhellung und Familientragödie in einem.
Die Perspektive und anvisierte Distanz der Hauptfigur westdeutscher Provenienz auf die DDR-Vergangenheit und ihre (unvollendete) Aufarbeitung in der Gegenwart, auf den Osten in der Jetztzeit ist vom Autor, gebürtiger Wismarer (Jahrgang ‘63), clever gewählt. Doch das Detailwissen des Wessis Meyer ist viel zu genau, die Beobachtungsgabe (selbst für einen Detektiv) zu überragend, als dass das, was hier an ostdeutscher Lebenskunde, Erfahrung, Landschaft und Biographie erzählt wird, von einem West-Elbischen stammen könnte. Aber der westdeutsche Held bewahrt vor Mit- und Wehleidigkeit, vor Bitterkeit und Rechtfertigung. Der schonungslose Blick auf den Osten ist zugleich liebevoll.
Respektlos ohne Arroganz, mit fröhlicher Ironie frei von Zynismus, unterhaltsam und mit Wortwitz erzählt Stefan Maelck seine Geschichte. So wie er die Musik liebt, liebt er auch die Sprache. Unter den Sprachspielen findet sich kaum ein Kalauer. Dieses Buch (zu lesen) macht Spaß! Und der Krimi-Plot hält die Spannung bis zum Schluss.
Der Untertitel dieses Buches, Ein Hank-Meyer-Roman, verspricht mehr. Mehr Hank-Meyer-Romane. Stefan Maelck, der sich – überraschenderweise – als Radiomoderator über Wasser hält, arbeitet schon am nächsten Fall. Zu hoffen ist, dass der Verlag den Soundtrack gleich mitliefert.
Ost Highway, das ist kein Exile on Main Street, kein Highway to Hell, sondern die Raymond-Chandler-Allee 1a.
Anne Blaudzun
Stefan Maelck: Ost Highway. Ein Hank-Meyer-Roman. Berlin: Rowolth 2003, 219 S., E 16,90
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Blick nach vorn durch den Rückspiegel
Westperspektive Ost: Stefan Maelck führt auf den Ost Highway |
| scheinschlag, berlin, 07. Mai 2003 |
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Blick nach vorn durch den Rückspiegel
Westperspektive Ost: Stefan Maelck führt auf den Ost Highway
Dieser Krimi spielt im Osten. In Halle, der ehemaligen Bezirkshauptstadt.
Heute irgendwo in Sachsen-Anhalt. Immerhin, ein Funkhaus gibt es und dort
geschieht ein Mord. Ein Slip oder wie wir früher sagten, Schlüpfer, taucht
als Strangulierungswerkzeug auf. Das wird sich wiederholen. Ein
Privatdetektiv wird mit hineingezogen; ebenso ein ermittelnder Kommissar.
Man kennt sich. Die Provinz lässt grüßen. Die Stasi lässt nicht lange auf
sich warten, zumindest ihr Filz und ihre Geschichten. Am Funkhaus ist man
gerade wieder mal am IM-Enttarnen. Die Jagd nach dem Motiv und dem Täter ist
eröffnet. Es wird uns nach Berlin, Leipzig, Dresden, New Orleans und zurück
führen. Es wird viel getrunken. Am Ende kommt es anders als gedacht. So
what? So gut.
Hier liegt ein Krimi vor, dessen Lesespaß sich weniger aus dem Mitfiebern
mit den Protagonisten und dem Privatdetektiv Hank Meyer vermittelt und auch
nicht aus dem Enträtseln eines infrage kommenden Täters und dessen
Mordmotivs. Der Spaß ist auf ganz anderem Feld und dafür, wer’s mag, um so
genussvoller zu finden.
Der Autor schafft sich in der Person des Detektivs, den er aus dem Westen
kommen und in Halle stranden lässt, eine Person und einen Ich-Erzähler, die
ihm so eine gehörige Distanz zu den Verhältnissen ermöglicht. Der
alltägliche Osten wird durch diese ihm ausgelieferte Person unaufhörlich
weil unausweichlich aufs Korn genommen. Dies scheint geradezu legitimiert,
weil Stefan Maelck, ein ostdeutscher Autor, weiß wovon er schreibt. Die
Dialoge sind zugespitzt, die Haltung politisch inkorrekt. Rüde Wortattacken
und launige Formulierungen zerplatzen auf dem Sprelakart, dass es nur so
eine Freude ist. Das dabei der Likör immer noch die Tasse Kaffee ersetzt,
liegt auf der Hand. Der Blick nach vorn ist der durch den Rückspiegel. Der
Befriedigung von Wehmut und Heimweh wird in der Hallenser Gastronomie Genüge
getan. Die allwöchentlich stattfindende Veranstaltung „ScheißOsten“ ist
immer gut besucht. Dort finden sich auch unsere Protagonisten wieder. Ein
Kaleidoskop von Allzubekanntem. Kein Klischee wird ausgelassen. Das Lachen
ist ein befreiendes und gleichzeitig voller Wermut. Der Osten als ein
merkwürdiges Zwischenstadium auf dem Weg nach Wer-weiß-wohin. In
Demutshaltung werden die heftigsten Tiraden ausgehalten, ja ausgekostet.
Dies ist ein bissiger Zugriff auf Wirklichkeit. Sie ist wohl auch danach. Es
ist zu vermuten, dass sie mehr erlebt denn erfunden ist.
Der New Orleans Teil gerät allzu sehr zum Ausflug, die Erzählweise darin zum
Touristenführer. Hier wird im Grunde Wissen vorgeführt. Erst im
Ungleichgewicht zum ersten Teil wird es auffällig. Es ist ein wenig eitel
und unnötig. Doch der Weg führt uns folgerichtig zurück in den Osten. Hier
läuft der Autor nicht Gefahr, Bewunderung in Beschaulichkeit kippen zu
lassen.
Eine ganz andere, wichtige Stimmung in diesem Buch ist die Musik. Der
Teilzeitdetektiv und lonesome Cowboy, eigentlich betraut mit einer eigenen,
kleinen, feinen Sendung am Mitteldeutschen Rundfunk und bekennender Country-
und Rockmusik-Fan, sprüht vor Zitaten und Bezügen seiner Idole und Favorits.
Das macht Freude zu lesen, bietet Querverbindungen, gibt Rätsel auf und
schafft eine imaginäre Heimat. Hieran kann man teilhaben. Hier möchte man
sich gern ins Gespräch begeben, dort nachfragen, auch widersprechen,
eigentlich die CD aus dem Buch ziehen und auflegen: den Soundtrack eben. Man
könnte dem Song, der längst zur ewigen Ballade mutiert ist, Raum geben und
wenn das Selbstmitleid zu groß wird weiterzappen, leiser stellen oder
ausschalten.
Im Resümee lässt der Titel des Buches eher an Lost Generation erinnern denn
an Lost Highway (letzteres lasen wir natürlich schon verwundert mit). Hier
hat der Autor wohl einer privaten Bewunderung Raum gegeben (jedoch nichts
von Parallelwelten, keine Angstprojektionen wie bei David Lynch) und, nicht
von der Hand zu weisen, einem Wunsch nach der Verfilmung. Vielleicht bekomme
ich dann zu sehen, was mir beim Lesen Rätsel aufgab, nämlich: Wie kriegt
eine Frau im Ausfallschritt ihren Slip herunter (oder war’s ’ne
Dreiecksbadehose?)?
Uwe Warnke
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| Lesenswertes im Mai |
| Glamour, 01. Mai 2003 |
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Crime und Country Musik machen sogar Sachsen Anhalt zum Wilden Westen:
Schnoddrig und mit viel
Wortwitz geht Detektive Hank Meyer einem heiklem Mordfall von Halle bis New
Orleans nach. Ein Riesenspaß für Frauen, die Cowboys mögen - oder vielleicht
selber welche sind. |
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Liebestöter
Ein Mann und sein Fetisch: In Stefan Maelcks Krimidebut Ost Highway dreht sich alles um Schlüpfer.
Die fliegen nicht nur bei Konzerten auf die Bühne, sondern dienen auch als Mordwaffe. |
| Kultur News, 01. Mai 2003 |
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in Kultur News erschein ein leider gekürztes Interview -
hier der ganze Text:
1. Haben Sie sich in die Krimi-Geschichte eingeschrieben, indem Sie als erster den Schlüpfer als Mordwaffe in die Literatur eingeführt haben?
Das habe ich gar nicht recherchiert und obwohl ich viele Krimis lese, weiss ich das
nicht. Max Goldt hat vor ein paar Jahren mal vorgeschlagen ein Call-Center zu eröffnen, wo man anfragen kann, ob es eine Idee, die man gerade hatte, schon mal gegeben hat. Lustige Idee - bisher aber nicht gemacht worden. Ich habe jedenfalls noch keinen Krimi gelesen oder gesehen, wo ein Schlüpfer explizit das Mordinstrument
war. Ansonsten geht es vermittelt ja immer irgendwie um Schlüpfer...
2. Hätte ein West-Autor „Ost-Highway“ geschrieben, das Buch wäre im Osten wohl nicht so gut angekommen!?
Ein West-Autor hätte das Buch garantiert auch anders geschrieben, denn bei allen bösen Sprüchen bleibt die Hoffnung auf Veränderung der Zustände bestehen - wahrscheinlich auch ein Teil der Ost-Zivilisation: man ist so stark mit dieser Hoffnung groß geworden, dass sie einen nicht mehr verlässt. Bei einem West-Autor hätte das vielleicht alles viel resignierter geklungen oder euphemistischer. Manche Dinge im Osten fallen mir vielleicht nicht mehr so auf, wie einem West-Autor, der den Osten mit einem frischen Blick sieht. Vor allem all die positiven Dinge wie...ausgerechnet jetzt fällt mir nichts ein. Na Sie wissen schon, der ganze Kram eben, der so toll ist am Osten!
3. Sind Zynismus und „Schnodderschnauze“ nötig, um bei der DDR-Thematik nicht in Betroffenheitsduselei zu verfallen?
Der ganze Ostalgie-Taumel geht mir komplett auf die Nerven - ohne das ich jetzt den ganzen Tag "Danke Helmut" skandiere und vom Einstürzende Neubauten-Liebhaber zum Tabaluga-Zombie mutiert bin. Der Taxifahrer jr. bringt es in Ost Highway schon auf den Punkt, wie sich West zu Ost verhält: Die gleichen Idioten aber mehr Geld.
Bei der DDR-Thematik ist sicher sehr viel Zynismus nötig. In der Geschichte der Bundesrepublik fällt mir da aber auch einiges ein, wo wenigstens verbal draufgehauen gehört. Betroffenheit ist in jedem Falle das falsche Mittel, weil es nur Bigotterie wäre.
Die meisten dieser ewig Gestrigen oder Dauerbetroffenen versuchen doch meist nur in ihre kleinbürgerliche Sichtweise in einen größeren Zusammenhang zu stellen, den sie selbst nicht genau hinterfragt haben. Wenn sie dann nicht mehr weiter wissen, dann war früher eben alles besser. Once bitten, forever smitten...
4. Was aus der DDR-Geschichte sollte denn wieder unterm Teppich hervor gekehrt werden?
Die weissen Elefanten.
Vor allem geht es um eine produktive Aufarbeitung der Geschichte. Also weder um Hexenjägerei noch um das Herunterspielen von Grausamkeiten eines totalitären Überwachungsstaates. Es gibt Leute, die rennen mit einer Stasiakte durch die Gegend, die ist kleiner als mein Einkaufszettel oder sie haben gar keine, sprechen aber die ganze Zeit davon, Opfer gewesen zu sein. Andere, die wirklich im Knast gesessen haben oder misshandelt wurden, wollen oft überhaupt nichts mehr wissen von dieser Zeit. Es geht um einen angemessenen differenzierten Umgang mit Geschichte. Es geht einfach um den Blick zurück, nicht um den Blick zurück im Zorn.
5. Haben Sie die Worte „politisch korrekt“ schon mal gehört?
Hab ich schon mal irgendwo gehört. Ich glaube bei Wladimir Kaminer. Er beschreibt den Terminus mit der Geschichte über New York City, wo die Frauen, so habe er gehört, oben ohne U-Bahn fahren dürfen. Man dürfe ihnen aber nicht auf die Titten glotzen, das wäre nicht politisch korrekt. Ich wäre da natürlich ein hoffnungsloser Fall.
Aber im Ernst: ein paar Sachen sind ganz sicher berechtigt, ich würde mich nie dazu äußern, das alles was früher mit disabled zu tun hat mit challengend umschrieben wird. Das Dumme ist nur, dass jede Bewegung zur Übertreibung, zum Dogmatismus und zur Militanz neigt, wenn sie instrumentalisiert und institutionalisiert wird. Also immer, wenn die Chance besteht für den übertriebenen Schwachsinn auch noch verbeamtet oder zumindest befestigt zu werden. Humor ist die einzige Chance für die positiven Aspekte von Political Correctness. Das Ende des Humors wäre das Ende des zivilisierten Umgangs miteinander, also das Ende irgendeines korrekten Umganges überhaupt.
6. Was entgegnet man bösen Journalisten, die „Ost-Highway“ einen „fatalen Hang zum Moderatorenspruch“ nachsagen und vom „Einheitssound aus Frivolität und Coolness“ sprechen?
Frivolität und Coolness sind ja Verkaufsargumente, also ich würde ein Buch kaufen, das so besprochen wird. Und Einheitssound stimmt auch - ich habe den Sound der Einheit erfunden. Darauf bin ich stolz. Wir wissen also dank Ost Highway schon heute, wie die Einheit klingen könnte. Falls sie je vollzogen wird.
Der fatale Hang zum Moderatorenspruch - das Fatale daran ist, dass es solche Moderatoren leider nicht gibt, ausser Harald Schmidt. Das meiste ist doch bieder und langweilig. Einfach jauchig. Von Sprüchen träumen doch die Langweiler nur.
7. Welche Krimi-Klischees möchten Sie nie wieder lesen müssen?
All die, die ich für die Fortsetzung von Ost Highway selbst nutzen möchte, denn Kriminalromane bestehen zu einem großen Teil aus Klischees. Sie haben sicher Verständnis dafür, dass ich meine Favoriten jetzt nicht verrate
8. Welche Krimi-Klischees wird man auch bei Stefan Maelck weiterhin lesen?
All die schon in Ost Highway eingeführten natürlich. Das Leben in der Bar, die Tage der großen Zukunftsangst, den Sad Song Superhighway, Hanks wöchentliche Sendung Lost Songs Found. Und da die Helden ja älter werden, treiben sie bald jede Menge Sport, trinken nur noch Karottensaft und helfen pausenlos alten Omas über die Strasse - Alles, was das Leben spannend macht.
9. Wie oft verlassen Sie ihr Haus denn mit Cowboy-Hut?
Immer wenn mir in den USA ein Hut so richtig gefiel, dann war der teurer als der Flug dorthin. Deshalb favorisiere ich die gute alte Mc Murphy- Mütze. So eine wie Hank Meyer sie auch trägt.
10. Bei welchem Musiker würden Sie im Extremfall denn auch Ihren Schlüpfer auf die Bühne werfen?
Bei Johnny Cash, aber der würde sich bedanken. Als würde es nicht genügen, dass er als Kind Baumwolle pflücken musste. Bei Van Morrison, aber der würde gleich die ganze Band feuern, weil er einen davon für den Schuldigen halten würde. Natürlich bei Natalie Merchant, manchem vielleicht noch als Sängerin der 10.000 Maniacs bekannt.
Und bei Vicky Peterson, die jetzt wieder bei den Bangles ist und hoffentlich nicht bei den Continental Drifters ausgestiegen ist. Und bei einer Reunion der Lassie Singers.
11. Wie würden Sie reagieren, wenn ich Ihnen die Platte der Dixie Chicks schenken würde?
Positiv. Aber lustigerweise hab ich die alle. Auf dem aktuellen Album "Home" gibt es eine Coversversion von "Landslide" von Fleetwood Mac, ein Stück, das auch die Smashing Pumpkins schon gespielt haben. Stevie Nicks hat dieses Lied komponiert und wenn ich die neue CD von Calexico höre, dann muss ich bei dem Stück "Not even Stevie Nicks" immer an sie denken. In dem Lied will sich jemand umbringen und er fährt mit seinem Auto auf den Abgrund zu und nicht einmal Stevie Nicks im Autoradio kann ihn davon abhalten. Vielleicht hätte Landslide im Radio laufen müssen, dann hätte es sich der Todeskandidat bestimmt anders überlegt.
Ich habe wenig Vorurteile, nur den ganz reaktionären Kram kann ich nicht leiden.
Die Dixie Chicks sind auf ziemlich hohem musikalischen Niveau und der der Vietnam-Song "Travelin' Soldier" ist großartig. Obwohl Vietnam ja irgendwann auch mal abgesungen ist. Zum Glück gibt es ja immer wieder neue Kriege über die dann gesungen, geschrieben, gefilmt und gesellschaftsanalysiert werden kann...
12. Wer ist Ihr Favorit für die Rolle des Hank Meyer in der Verfilmung von „Ost Highway“?
Dieter Landuris oder Peter Lohmeyer oder Jochen Nickel oder Jan Josef Liefers oder Hannes Jaennicke oder...
Für den Heuser wäre Dietmar Bär Klasse oder Jan Josef Kemp...
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Schlüpfer der Rache
Halle, Hank und Stefan Maelck |
| Blitz April/Mai Leipzig/Halle, 15. April 2003 |
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“Ein einziger trauriger Schlüpfer war die Beute eines ganzen Abends.” Hank Meyer faßt es nicht, denn der Barde auf der Bühne hätte mehr der Unterwäsche aus dem Publikum verdient. Aber wie das so ist, ostdeutsches Rudelverhalten bleibt einem Wessi öfter unverständlich. Aber der fixe Radiomoderator wird dem Ereignis noch gehörig die Kritik blasen. Wozu sonst wäre er Journalist? Aber auf Hanks Visitenkärtchen steht neben DJ auch Private I. Und das sind man ja nun ganz hartgesottene Jungens, die Morde a la Hammett/Chandler klären und stets den falschen Damen unterliegen. Und so kommt es, daß Hank Meyer selbigen Abend noch ein zweiter Schlüpfer begegnet. Mitnichten erotisch, auch dieser ein Bild der Traurigkeit. Denn besagtes Utensil strafft unschön den Hals der Radio-Ikone Gerda Lattke. Die spricht nicht mehr, ist hingemeuchelt. Und Private I Hank Meyers Auftrag lautet: Mörder überführen!
Nun zieht er los, der Held, in dunkle Kaschemmen und elegante Häuser. Er trifft versoffene Alte und schöne Maiden. Er hat Gehilfen und natürlich: Gegner. Und ein bissel kommt uns unser Halle/Saale wie die Sümpfe Nordamerikas vor (dort klärt sich der Fall dann tatsächlich): Mafiöse Strukturen, geheime Dienste, Spuren der Vergangenheit. “Ost Highway” ist klasse Krimi und eine unglaubliche Story. Der Verwicklungen und Überraschungen kein Ende, und wirklich kann auch der geneigte Leser den Handlungsfaden schnell verlieren, aber er findet ihn dann doch wieder. Auch in Dramaturgie und Dramatik verleugnet Autor Stefan Maelck seine Vorbilder nicht. Gut so. Noch besser: All die Orte der gnadenlosen Handlung sind genau recherchiert. Wir laufen auf Hallenser Straßen, sitzen in den dortigen Cafés rum, erkennen den Rundfunkbrutkasten mdr. Leipzig schildert Maelck/Meyer, wie es ist, ... wir wissen um die Vorzüge unserer Heimat Halle. Gar schließlich landen wir samt Private I im schwülen New Orleans, Amerika. Dort ist dann Ende. Endgültig.
Sicher: Autor Stefan Maelck hat Humor. Und auch wirklich ist er junger Radiomoderator, ehemals mdr-Sputnik nun -info und -Kultur. Er ist Fan der Kriminalliteratur. Kinky Friedman und die schrägen Franzosen Boris Vian und Jean Vautrin heißen seine Favoriten (wir empfehlen die Lektüre). Zum nächsten ist Stefan Halle zugezogen und mag die fluffige Kleinstadt. Er ist Kind des Ost-Nordens, Wismar, sozialistisch aufgewachsen und erzogen. Dann Studium in Rostock. Wende, Reisen, Tun, was Spaß macht und fordert: Verlag, Radio. Stefan weiß, wovon er schreibt. Aber dann ernsthaft als Hauptheld ein Wessi? Genau, der Kunstgriff hat Methode. Hank Meyer erscheint das ostgeprägte Hier und Heute wie ein fremder Planet, und unverstanden fühlt sich ja unsereiner auch immer mal wieder. Held Hank schaut diese Groteske mit einigermaßen Abstand an. Er guckt drauf auf unsre Gegenwart, und er gehört dazu.
Mit diesem Distanzschritt gelingt dem Autor eine wunderhübsch schräge Mischung aus Sprüchen, Klischees und Spannung. Wir hören von Stasi (unabdingbar im Ostthriller) und CIA, KGB (unabdingbar bei unglaublichen Geschichten) und einer Reise zu sich selbst (unabdingbar bei hardboiled Stories). Und wir Leser sind vergnügt auf der Spur Hank Meyer’s, trotz (oder wegen) all dem, was wir kennen, so aber noch nie zur Lektüre bekamen. Und unter all den flotten Sprüchen liest sich noch ‘ne Menge mehr. Aber zwischen den Zeilen lesen, sind wir ja gewohnt.
Stefan weiß, daß er mit Hank Meyer nicht Literatur im eigentlichen Sinne schuf, nicht schaffen konnte. Aber das mit voller Absicht. Stefan schreibt bewußt im trivialen Genre Krimi. Erschrocken hatte er nach seinen ersten belletristischen Schreibversuchen nämlich festgestellt, daß sein Werk genauso zu geraten drohte, wie er es nicht schreiben, geschweige denn lesen wollt: nabelschauend philosophisch, intellektuell auf höchstem Niveau, kurz vor dem Gütesiegel neudeutsch preisverdächtig, aber unverstanden. Stefan vollzog den Umkehrschluß und tut nun “Kunst da, wo sie niemand vermutet”: Er schreibt Kriminalromane. Und da bereits “Ein Hank Meyer Roman” auf dem Cover steht, erwarten wir baldigst den nächsten Hall hardboiled. An Themen dürfte es nicht mangeln, auch an denen mit unverdaulichem Ostbezug. Stefan Maelck hat bewiesen, daß er grad aus solchen eine gute Story bauen kann.
Der Schlüpfer ward in böser Absicht um Gerda Lattkes Hals geschlungen. Hank Meyer kann den bösen Töter stellen. Dabei fühlte ich mich prächtig unterhalten und hoffe, daß mich niemand aus Rache wegen meiner Vergangenheit meuchelt. Und dann erst recht nicht mit einem traurigen Schlüpfer. Die nehmen sich auf Bühnen sowieso besser aus. Noch besser ... das wäre eine andere Geschichte.
Text: Henner Kotte
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| 3.Kriminacht im ZAKK |
| Rheinische Post, 05. April 2003 |
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....Fast Kabarett und Comedy schreibt Stefan Maelck aus Halle. In seinem Debüt \"Ost Highway\", eine Hommage an amerikanische Klassiker, denkt der Privatdetektiv Hank Meyer angesichts einer Leiche, die mit einem Slip erdrosselt wurde:\"Ein Schlüpfer kann einem ganz schön Unbehagen bereiten, besonders wennnn er hochrutscht.\"
...... Eine besondere Entdeckung an diesem Abend war die Düsseldorfer Cellistin Donja Djember, die mit Improvisationen die Krimis auf eigene Weise kunstvoll kommentierte und ihr Instrument, gezupft oder gestrichen, singen oder weinen ließ. Nur gelacht hat das Cello nicht. Zu Maelcks Witz zum Beispiel wusste es nichts passendes. ......
Werner Schwerter |
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| „Wilder Westen“ für den Hausgebrauch |
| titel heft 01- Magazin für Literatur und mehr März/Ap, 19. März 2003 |
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Wenn heutzutage noch Abenteuer zu bestehen und (Anti)Helden zu erschaffen sind, dann, so zeigt Stefan Maelck, ist das nur in Dunkeldeutschland möglich.
Gerda Lattke ist tot, stranguliert mit einem Damenschlüpfer der Firma Triumph. Lustmord oder ein perfider Scherz? Oder hat Gerda Lattke, der Star im volkstümlichen Einserprogramm des Ostdeutschen Rundfunks, sterben müssen, weil ihre Vergangenheit als Stasi-Spitzel ans Licht kam? Dies aufzuklären, begibt sich Hank Meyer auf den Weg, auch er Radiomoderator (einer Country-Music-Sendung namens Lost Songs Found) und obendrein noch Privatdetektiv aus Passion.
Die Jagd nach dem Mörder der prominenten Ostdeutschen gestaltet sich dabei als ein Wühlen in noch brodelndem DDR-Morast und gleichermaßen als ein Verweilen in diversen Bars und Kneipen. Die Trink- und damit auch die Versackungsfrequenzen liegen erfreulich hoch. Und Meyer, der nicht nur seinen Vornamen mit Hank Williams teilt, sondern auch in jeglicher anderer Hinsicht als Ost-Ausgabe des Lonesome Riders aus dem Roman emaniert, bestreitet seine Suche nach dem Mörder mit so vielen Anspielungen auf und Zitaten aus der Populärkultur des 20. Jahrhunderts, dass allein dies schon die reinste Entdeckerfreude ist. Die Reflexionen Meyers und die Gespräche zwischen ihm und seinen Saufkumpanen können sich so mitunter zu Assoziations- und Verweisnetzen ausspinnen, in denen man, als Eingeweihter, freudig erregt hin und her springt.
Rasant, witzig, spannend
Und was für den Experten ein Gimmick ist, muss für den unbedarften Leser noch lange kein Hemmnis sein. Zu schnell, mit zu viel Wortwitz und hoher Kalauerdichte ist diese Hank-Meyer-Story geschrieben, als dass man länger an einer Textstelle, deren Sinn man nicht gleich erschließen kann, hängen bleiben würde. Kurz gesagt, die Rasanz und die gleichzeitige Leichtigkeit des Romans verführen geradezu zum möglichst schnellen Weiterlesen, zum Vorankommen. Wie der Detektiv seinen Spuren folgt, so folgt der Leser dem Detektiv, zwanghaft und hörig, und so soll es ja auch sein in einer Kriminalgeschichte.
Die Vehemenz und die Ausdauer, mit denen hier auf das erzählerische Gaspedal getreten wird, sind, wie gesagt, erstaunlich. Unablässig bewegen sich die handelnden Personen, zumeist der Detektiv und sein Tross, durch den Raum des Plots. Von Halle nach Leipzig nach Dresden, kreuz und quer. Und schließlich verlagert sich die Handlung sogar standesgemäß nach Übersee, in die feuchten Gassen und Sümpfe von New Orleans („Nuoooooolins“),wo dann auch noch leibhaftige Jazzlegenden und der Ku-Klux-Klan auf den Plan treten. Das Wunder ist nur, dass all dieses Flirren, diese ganze Hektik, dieses scheinbare Durcheinander vom Autor über die gesamte Dauer des Romans fest im Zaum gehalten und zu einer schlüssigen Auflösung geführt wird. Zwar hätte das Ende vielleicht stärker, sprich: akzentuierter ausfallen können, aber die relative Abruptheit, mit der es in den Roman hineinbricht und diesen beendet, lässt sich im Ganzen sehr gut verschmerzen. Man fühlt sich an diesem Punkt schon zu gut unterhalten, als dass man noch ins Nörgeln abrutschen wollte.
Lars Reyer
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Durch die Sümpfe
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| Thüringer Allgemeine, 07. März 2003 |
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Stefan Maelck ist mit "Ost Highway" ein spannender und vergnüglicher Krimi gelungen.
Was eint die Digedags und Tom Waits? Sie stehen als Zeugen für abenteuer in den Sümpfen des Mississippi.
Jens Lattke, eine nicht unbdeutende Figur im Krimi "Ost Highway" von Stefan Maelck, führt sie ins Feld. "Seit ich im Osten war, sah ich quasi täglich Down by Law. Und dieser Sumpf war weniger verführerisch als der, durch den Tom Waits und Roberto Benigni fliehen mussten." Dieser Satz von Hank Meyer, Hauptheld, Radiomoderator und Detektiv, deutet schon den Irrwitz des Buches an. Poltert der Neu-Ossi Meyer doch einerseits durch die Handlung. Andererseits packt sein Wortführer dutzende Anspielungen in den Text, die wohl nur der hiesige Leser versteht. Ort der Handlung ist Halle an der Saale, "wo die Gefängnisse die schönsten Gebäude sind."
Maelck bündelt in seinem spannenden Krimi köstlich klischeehaft ostdeutsche Charakteristika. Da gibt es eine stasidurchsetzte Sendeanstalt, duftbaumgeschwängerte Skoda-Taxen und geizige Jammer-Ossis, die den "Tiger" Tom Jones mit einem kargen Schlüpfer Beute von der Bühne gehen lassen. Mit dem zweiten Slip beginnt der Kriminalfall. Schlager-Moderatorin Gerda Lattke wird damit die Luftzufuhr abgeschnitten. Später versinkt ihr vom Stasi/CIA-Doppelagenten zum Ku-Klux-Klan-Aktivisten mutierter Bruder in den Fluten des Mississippi. Bis dahin ist es eine lange, vergnügliche Geschichte. Nebenbei erfreut das Buch wie „High Fidelity“ den Musikfan. Meyers Vorname lässt erahnen, was sich auf dem Plattenteller dreht, wenn er seine Schätze im Radio spielt. Country - angefangen bei Hank Williams über Johnny Cash und großzügig erweitert bis Nick Cave.
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| Hank Meyer und der Schlüpfermörder |
| Persona Non Grata, 02. März 2003 |
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Hank Meyer ist eine coole Sau. So cool wie man sein kann, als Privatdetektiv. In Halle an der Saale. Hank Meyer, der eine wöchentliche Country-Radioshow bei einer öffentlich-rechtlichen Station und das obligatorisch bourbonbasierende Trinkproblem hat. Hank Meyer, der aus dem Westen gestrandet ist und die Eingeborenen seiner neuen Heimatstadt so intensiv zu beschreiben versteht, dass einem das Lesen lieber wehtut als dass es Lachen machen möchte. Hank Meyer, der einem abstrusen Mordfall auf der Spur ist, der ihn direkt von Halle nach New Orleans und wieder zurückführt. Hank Meyer und die Krake der Stasi. Hank Meyer und der Schlüpfermörder. Abgedrehter kann ein als Krimi getarnter Genreroman kaum sein.
Maelck, der alte Musikwisser und Indiehaudegen überzeichnet seine Charaktere so famos, dass Halle an der Saale ein wenig mehr wie Gotham City daherkommt, dass man sofort gefangen ist, von einer als morbiden getarnten Liebeserklärung an eine Stadt. Zwischendurch unterhält Maelck in einem schnoddrig-charmanten Ton wahlweise mit jeder Menge Musikzitate oder lässt seinen Helden seitenlange philosophische Weisheiten von sich geben, nebenbei wird sogar noch eindeutig erklärt, wie Scheiße der Osten sein kann, ohne dass dabei der Erzähler in jämmerliche oder gar alberne Klischees verfallen muss. Der Maelcksche Blick auf die Dinge ist präzise, seine Sprache ist kräftig und facettenreich. Wir reden hier von erzählerischer Brillanz per Definition. Und all das zusammengenommen hätte ich von diesem "Debüt" oder gar von einem "Krimi" keineswegs erwartet. Und schon längst von keiner Story, die in Halle spielt.
Apropos Halle a. d .S.: wenn schon post-hensel-mäßig in Ostliterteratur-Dimensionen gedacht werden muss (leider zwingt eine Titelgebung und Klappentext dazu) kann man hier wenigstens konstatieren, dass es sich um eines der wenigen selbstbewussten Stücke Entertainment-Literatur dieses Mikrokosmoses handelt. Und wenn Maelck für die nächsten Hank-Meyer-Abenteuer noch mehr philosophische Tiefe und noch mehr düstere Abgründe ankündigt, sollte an dieser Stelle klar und deutlich stehen, dass Nerdliteratur nicht nur eine neue Grundfeste sondern auch ein völlig neues Genre gewonnen hat. Danke Hank. Danke Rock und Roll. Danke dem Mörder.
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| Coole Typen mit Humor |
| Kulturfalter, 01. März 2003 |
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Es ist wieder Buchmesse in Leipzig und in diesem Jahr ist auch ein Hallenser mit seinem Debüt vertreten. „Osthighway“ - von Stefan Maelck sorgt gerade für Furore auf dem Büchermarkt. Kurz gesagt geht es um eine Krimigeschichte, die in Halle spielt.
Stefan Maelck ist 39 Jahre alt, arbeitet als freier Publizist und Radiomoderator in Halle und schon an seinem nächsten Fall für seinen Krimihelden Hank Meyer.
Kulturfalter: Wie kam es zu der Idee mit dem Buch - warum gerade Halle als Schauplatz?
Maelck: Schwer zu sagen, wie sich die Idee langsam entwickelt, das fing mit vagen Vorstellungen an, dann hatte ich die Story, den Schauplatz, langsam wuchs das dann. Halle ist Schauplatz, weil ich seit 1995 hier wohne, mich hier auskenne, jeden Tag die Stimmung und Atmosphäre spüre. Und weil die "Provinz" in Zeiten der Globalisierung immer spannender wird...denn dort wird man schließlich die letzten wahren echten Dinge finden...
Der Boom kommt noch, wenn alle Großstädte der Welt gleich aussehen und riechen...
Kulturfalter: "Osthighway" ist endlich mal ein Buch das den Ossi nicht jammern lässt - Du bist auch Ossi - wie fühlst Du dich in der Provinz Halle wo jeder Fünfte keinen Job hat und deshalb eigentlich jede Menge Grund zum Jammern?
Maelck: Ich wollte auch zeigen, dass nicht alle jammern, dass die Menschen einfallsreich sind, improvisieren können, Humor haben. Auch wenn die meisten meiner Figuren höchsten in die hall of fame der all time losers kommen, so sind sie doch sympathisch. Ich habe längere Zeit in England und den USA gelebt und Gegenden gesehen, wo es den Leuten wirklich viel schlechter geht als hier...
Viel zu wenig Bücher spielen im Osten, noch dazu in der Provinz. Ich meine Provinz immer liebevoll. Halle hat einiges zu bieten und wer mal zu Besuch kommt, ist meist erstaunt, daß es hier schöner ist als vermutet und auch kulturell gut was passiert. Viele halten Halle für eine Anhangdrüse von Leipzig, aber die Szene hier ist viel spannender, die Leute halten zusammen, weil sie sonst nix auf die Beine kriegen. Überschaubar und familiär, so kenn ich das aus meiner Heimatstadt, solche Gefüge sind mir die liebsten...
Kulturfalter: Warum hast Du die Geschichte über die Menschen ausgerechnet in einen Krimi gepackt – obwohl der gar nicht die Hauptrolle spielt?
Maelck: Ich finde an Krimis spannend, da sie genau hinschauen, was los ist in der Gesellschaft. Im Osten waren die Polizeirufe immer ein guter Indikator für Tabu-Themen und das, was so brodelte unter der glattgemachten Oberfläche. Ich mag Krimis selbst sehr gern, Bücher wo nur Nabelschau betrieben wird interessieren mich immer weniger.
Kulturfalter: Bald ist Buchmesse – freust Du Dich schon drauf? Und wie ist das wenn man dort seinen Lieblingsschriftsteller als Kollege gegenübersteht?
Maelck: Ich freu mich auf die Lesung mit Jana Hensel und Andrè Kubiczek, der einen neuen Roman hat, der mir sehr gefällt. Ich freue mich auf die Leute von Rowohlt, überhaupt ist die Messe eine gute Gelegenheit Freunde und Kollegen zu treffen, die man selten sieht. Wer sonst so da sein wird von den "Berühmten" - keine Ahnung, hab mich noch gar nicht umfassend informiert. Jakob Hein werde ich treffen und zu seinem neuen Buch befragen.
Kulturfalter: Jana Hensel ist ziemlich erfolgreich mit ihrem Buch „Zonenkinder“. Was ist anders an Deinem Buch?
Maelck: Als die Mauer fiel war ich doppelt so alt wie Jana Hensel. Das ist zum Glück heute nicht mehr der Fall. Ich habe die DDR also ganz anders wahrgenommen als Jana. Stasi, Freunde im Knast wegen Republikflucht, Klassenfeind und Paranoia...
"Ost Highway" erzählt ja auch von ein paar Dingen, die noch von der DDR übrig sind. Vor allem aber thematisiert es die Frage - ganz anders als Zonenkinder - wie man heute mit diesem Erbe, mit der Vergangenheit umgeht, wie man das versucht zu verarbeiten ohne schwarz-weiß zu malen.
Kulturfalter: Das Buch ist auch eine Reise durch die Rockmusik und Filmbranche - alles
Deine Lieblings-Lieder und -Filme die darin vorkommen?
Maelck: Ein Bruchteil der Songs und Filme die ich liebe, ansonsten wäre Ost Highway viel dicker geworden, ich liebe aber Krimis von diesem Umfang, wie die großen Chandler und Hammett es vorgemacht haben. Man sollte sie in einem Zug durchlesen können, wenn man will.
Ich habe also noch Lieblingslieder und Filme für 10 weitere Hank Meyer Romane...
Kulturfalter: Wer soll das Buch lesen?
Maelck: "Ost Highway" ist eine Mischung aus Krimi und Sittenkomödie oder Tragödie. Deshalb ist es nicht nur für Krimi Leser gedacht. Ich würde mich freuen, wenn es auch im Westen wahrgenommen wird, in manchen Ecken weiß man noch zu wenig über den Osten und meistens ist nur das Gejammer bekannt. "Ost Highway" erzählt davon, daß es auch im Osten coole Typen gibt, die Humor haben, recht weltgewandt sind und denen Karriere und Kohle nicht alles bedeutet...
Kulturfalter: Stefan Maelck, vielen Dank für das Gespräch!
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| Ost Highway |
| www.elektrolurch.com, 01. März 2003 |
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Privatschnüffler Hank Meyer ist neben seiner Tätigkeit als Dedektiv auch als Radiomoderator in einem Radiosender in den neuen Bundesländern tätig. Als seine Kollegin und Star des Senders Gerda Lattke mit einem Schlüpfer erdrosselt aufgefunden wird, überwiegt die Schnüfflertätigkeit in Hanks Leben.
Schließlich wird er von Lattkes Sohn Jens engagiert um deren Mörder zu finden. Und nun hat Hank Meyer alle Hände voll zu tun mit der Stasi, mit Krokodilen in den Sümpfen von New Orleans und dem Klu Klux Klan. Der Fall IM Maja führt den schnodderigen Schnüffler mit seinem Kollegen Heuser schließlich selbst in die Sümpfe von New Orleans. Unterstützt wird er von diversen illustren Gestalten, wie dem Heavy Metal liebenden Polizisten Krepzig oder dem Stasibeauftragten Fallbeil. Eine sensationelle Entdeckung jagt die nächste.
Stefan Maelck spinnt eine rasant erzählte, schlüssige und verdammt spannende Gechichte in einem schnodderigen, bissigen und respektlosen Ton. Urkomische und liebevolle Charaktere geben sich hier die Klinke in die Hand und alle verbindet das ein oder andere Vorurteil gegenüber Dunkeldeutschland, wie Maelck liebevoll seine Heimat nennt. Verdammt cool ist, daß Stefan Maelck seiner Liebe zur Musik viel Platz einräumt. Unbedingt lesbar auch für nicht Krimifans. Berliner Schnauze wird in diesem Buch zur Haller Schnauze.
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| Seitenhiebe auf den Osten |
| T.AKT, Stadtmagazin Erfurt, 28. Februar 2003 |
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| In drei Stunden hatte ich das Buch durch, denn aus der Hand legen war nicht. Man musste unbedingt wissen, wer die Starmoderatorin auf dem Gewissen hatte, wie man den Bösewicht in den USA beseitigen konnte. Aber alles mal der Reihe nach: Der freie Publizist und Radiomoderator Stefan Maelck schuf sich den Privatdetektiv Hank Meyer, der nebenbei bei einem Rundfunksender eine Spezi-Sendung moderiert. Irgendwann liegt plötzlich die Starmoderatorin Gerda Lattke tot im Flur. Nachforschungen machen klar, dass ihr Leben nicht immer voller Sonne war. In ihrem früheren Leben arbeitete sie für die Staatssicherheit, lieferte sogar Freunde ans Messer. Ihren Tod will nun der verlorene Sohn aus Amerika aufklären. Er bittet Mr. Meyer darum, dies zu übernehmen. Die Spurensuche führt ihn und seinen Kumpel Heuser von den Tiefen der Geheimdienstarchive über den "Sad-Song-Superhighway" in die Sümpfe von Louisiana. Eine wirklich sensationelle Entdeckung machen die beiden allerdings erst wieder zu Hause in Halle... Und in dieser Stadt, wo die Gefängnisse die schönsten Gebäude sind, tobt der Bär doch immer wieder einige Minuten lang, besonders wenn Hank Meyers Sendung "Lost Songs Found" im Radio läuft, die philosophischen Trinkgelage mit den Kumpels anliegen und wenn die Sendung "Scheißosten" im TV läuft. Eine Sendung, die zwar in Farbe ist, aber immer noch schwarz-weiß denkt. Die Seitenhiebe auf den Osten sind nicht zu knapp und immer schön respektlos. Wie man läuten hört, sitzt Stefan Maelck schon am nächsten Fall für Hank Meyer. Geil! |
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| Nicht politisch korrekt - gut so! |
| Bonner Generalanzeiger, 22. Februar 2003 |
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Braucht die Leserattenwelt einen neuen Serien-Detektiv? Naja...es gibt zwar schon genug, aber Hank Meyer darf gerne hinzukommen. Obwohl Autor Stefan Maelck letzten Endes mit dem Krimi "Ost Highway" eine Idee verwirklicht hat, die derart aufdringlich auf der Straße lag, dass es schon fast cooler wäre, sie dort liegen zu lassen. Hank ist ein westdeutscher Privatdetektiv, der – Bingo! – im wilden Osten seinem Gewerbe nachgeht. Sein erster Fall führt ihn "ins tiefste Sachsen-Anhalt". Dort moderiert er die Radio Sendung "Lost Songs Found", bis ihn der Mord an einer Kollegin wieder an den Ernst des Lebens erinnert.
Mordopfer Gerda Lattke war IM Maja und als solche hat sie sich nicht eben beliebt gemacht, wie Hank Meyer erfährt. Der Leser begleitet den witzigen, respektlosen Detektiv bei seinen Recherchen, der Scharfsinn, mit dem der Protagonist sein von ihm "Dunkeldeutschland" getauftes Revier durchkämmt macht Spaß und auch nachdenklich. Politisch korrekt ist Meyer nie – und das ist in diesem Falle gut so. Spannend!
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| Schräge Vögel |
| Leserkritik bei Amazon.de, 19. Februar 2003 |
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Mord und Totschlag, Frauen und Stasi, Halle und Amerika. Der Detektiv und Radiomann Hank Meyer verfolgt seinen Fall von der Saale bis zum Mississippi: Eine verdiente Heimatmoderatorin des Volkes wurde mit einem Triumph-Schlüpfer erwürgt, und Spuren führen bis zum Ku-Klux-Klan. Verzwackte, einst vom Geheimdienst der DDR mitverschuldete Verwandtschaftsbeziehungen sind schuld. Aber das knackt Hank erst nach unzählig vielen Drinks, Taxifahrten mit Duftbäumchen und Sumpftouren mit verrückten Ammis. Jede Menge coole Sprüche, schräge Vögel, Hessen-Beistand und schicke Zitate aus Country-Songs entschädigen für die etwas laxe Auflösung des Krimis. Darauf kommt es Meyer und Maelck nicht an. Stattdessen sollen Leserin und Leser Spaß haben - zum Beispiel an lustigen Telefonspielchen, Spätschäden durch Präsent 20 und Talkshows wie „Scheißosten".
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| Trinkfester West-Detektiv in Deutsch-Ost |
| Oldenburgische Volkszeitung, 07. Februar 2003 |
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Der ostdeutsche Autor Stefan Maelck lässt als Helden seines Krimis "Ost Highway" einen westdeutschen Privatdetektiv im tiefsten Sachsen-Anhalt ermitteln. Im Fall des Mordes an einer Rundfunkmoderatorin führen die Spuren von Geheimdienstarchiven bis in die Sümpfe Louisianas. Der 1963 in Wismar geborene Autor tut in seinem mit viel Drive und Witz verfassten Krimi einen scharfen Blick hinter die Kulissen des staatlichen Kulturbetriebes in Deutsch-Ost und in die Abgründe einsamer Männerseelen. Maelck, der Anglistik und Germanistik in Rostock studierte und als freier Publizist tätig ist, lebt in Halle und arbeitet bereits am nächsten Fall seines trinkfesten Detektives.
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| Hallo Meine Lieben |
| Glitterhouse Katalog, 02. Februar 2003 |
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Ein kleiner Tipp noch für alle die, die gern Krimis lesen.
Ein gewisser Stefan Maelck hat mit "Ost Highway" einen Roman vorgelegt, der mir ungeheuer viel Spass gemacht hat. Das Buch ist voller skurriler Figuren, reich an musikalischen Zitaten (von Hank Williams über Townes van Zandt bis zu Nikki Sudden und den Continental Drifters) und strotzt vor Wortwitz und wirklich erstklassigen Dialogen. Natürlich alles basierend auf klassisch-symphatischen Gumshoe-Losertypen wie Philip Marlowe oder Spenser. Die Verbindung aus Wort und Musik ist wirklich gelungen.
Reinhard Holstein |
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| Stefan Maelck entzückt mit Mordsgeschichte |
| Ostsee Zeitung, 01. Februar 2003 |
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Stefan Maelck entzückt mit Mordsgeschichte
Rostock (OZ) Bei manchen Begriffen fällt es schwer, ernst zu bleiben. „Schlüpfer“ ist so ein Wort, dessen Nennung ein Schmunzeln hervorruft. Sogar wenn das Kleidungsstück als Mordinstrument in Erscheinung tritt: Eine Radiomoderatorin liegt erdrosselt im Funkhaus. Um den Hals jenen „Schlüpfer“. Schlimme Sache, denkt man. Und muss grinsen.
Eine Krimi-Handlung, die sich unter solchen Umständen entfaltet, steht unter dem Stern der Komik. Viel zu lachen gibt es entsprechend in dem Roman, an dessen Anfang der Unterwäsche-Anschlag steht. „Ost Highway“ heißt das Buch, kürzlich erschienen bei Rowohlt Berlin. „Ein Hank-Meyer-Roman“ steht im Untertitel, eine Serie suggerierend. Dabei ist er der erste seiner Art, der Pilot-Roman gewissermaßen, mit dem Privatdetektiv und Radiomoderator Hank Meyer in der Hauptrolle.
Teil zwei sei allerdings in Arbeit, versprach der Autor Stefan Maelck am Donnerstagabend, als er in der „anderen Buchhandlung“ in Rostock las. Für Maelck so etwas wie ein Heimspiel, denn der gebürtige Wismaraner entzückte bis 1992 Rostocker Universitätsstudenten als verschmitzter Anglist. Heute lebt und arbeitet er – als Radiomoderator – in Halle.
Hank Meyer bekommt also den Auftrag, den Mord an der Radio-Frau Gerda Lattke aufzuklären. Diese musste sich kurze Zeit vorher als ehemalige Stasi-Mitarbeiterin zu erkennen geben, weshalb Meyer sich unvermittelt in einem Fall wiederfindet, der tief in die Geschichte der DDR reicht und in dem nie verwundenes Leid zum Auslöser für einen Rachefeldzug wird. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir noch nicht durch sind mit der Geschichte“, sagt Stefan Maelck und meint damit ihre unvollkommene Aufarbeitung.
Der Autor sagt dies ohne Larmoyanz. „Mir ist das ganze Gejammere auf die Nerven gegangen.“ Vielmehr wollte er den Osten als eine Gegend schildern, in der witzige und geistreiche Menschen leben und mitunter nicht leicht an ihren gebrochenen Biografien zu tragen haben. Ebenso wenig wie an den schweren Kartons mit ihren Schallplatten. Für jede Stimmung gibt es einen Song, und Maelck listet alle auf – von Hank Williams über Johnny Cash zu Van Morrison. Die Rock-Musik ist es letzten Endes, die die Figuren des Romans verbindet.
Rock und Pop erwachsen als gemeinsamer Nenner aus der Erzählstrategie. Hank Meyer stammt aus dem Westen und verfügt damit über genug Distanz, ohne viel Mitleid in der Vergangenheit zu graben und dabei stets einen schmissigen Hit zu pfeifen. Den Autor bewahrt diese listig gewählte Perspektive vor dem Pathos der Aufarbeitung, wobei einem die Vergangenheit auch an die Nieren gehen könne. Der „Schlüpfer“ erscheint dabei als das ideale Bindeglied zwischen der Mord-Handlung und der Musik. Schließlich landet das Unterzeug bevorzugt auf Bühnen – zu Füßen der Rockstars.
MATTHIAS SCHÜMANN
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| Stasi-Spur bis Florida |
| Mitteldeutsche Zeitung, 21. Januar 2003 |
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Stefan Maelcks "Ost Highway" ist ein packendes Buch und bietet viel Lokalkolorit
Wenn einer sich nur richtig bemüht, dann kann er diese Stadt richtig liebhaben. Hank Meyer jedenfalls, Teilzeit-Radio-DJ und Privatdetektiv, kommt in Halle gut klar. Jede Menge Kneipen, jede Menge Bierbekanntschaften. Nette Leute sind das hier, findet der eingebürgerte Wessi, ein bisschen seltsam vielleicht. Aber wenn man sie erstmal verstanden hat, dann gibt es immer einen Schlag zu schwatzen und manchmal fällt dabei sogar ein Auftrag ab.
Auch Stefan Maelck mag die Stadt, in die es den gebürtigen Mecklenburger nach der Wende verschlagen hat. Hier ist er selbst Radiomoderatuor, hier stiefelt er selbst gern durch die Szenekneipen. "Ost Highway", sein Debütroman um den Hobbyschnüffler Hank Meyer, ist deshalb, langsam gelesen, eine einzige Liebeserklärung an die Saale-Metropole, hinter deren bröckligen Fassaden der MDR-Mann pralles Leben fühlt.
Maelcks Romanheld Hank Meyer allerdings findet, so muss ein Krimi nunmal sein, unentwegt Tote zwischen Rundfunkhaus und Kultkneipe. Haha, Halle ist nämlich anders als alle glauben, ruft der Autor, und mischt Realität und Fiction zu einer mitreißenden Woge aus Thriller und Heimatroman: Ein wunderlicher USA-Aussiedler setzt den Freizeitdetektiv auf die Spur einer Stasi-Affäre, falsche Spuren allenthalben an der Saale, seltsame Gesellen tauchen auf, schöne Frauen und Schatten aus der Vergangenheit. Die Zutaten stimmen, die Atmosphäre ist echt. Maelcks Meyer hat den zynischen Blick eines unheilbaren Skeptikers. Schnodderig beschreibt er Menschen, Plätze und Situationen, knochentrocken knistern die Dialoge, federnd kommt die Mörderjagd ins Laufen.
Der "Ost Highway", erschienen beim renommierten Rowohlt-Verlag, wird zur Savannenstraße, die Hank Meyer und seinen Freund Heuser bis in die USA führt. Alte Seilschaften staksen vorüber, Wendegewinnler kämpfen um Pfründe. Es darf geraten werden, wer für wen steht, wo der Autor Anleihen im Leben nahm und welche Schauplätze in welcher Straße liegen.
Ein Halle-Roman? Ein Ost-Buch? Stefan Maelck selbst, 39 und jeder Nostalgie unverdächtig, sagt entschieden nein. "Ost Highway" mag in Halle als Stück mit Wiedererkennbarkeitswert gelesen werden, anderswo aber funktioniert das Buch wie jeder Marlowe-Klassiker. Eingehüllt in die Suche nach dem Mörder der bekannten Rundfunk-Moderatorin Gerda Lattke gibt Maelck einen Einblick in die Rituale der Medienfabriken, die Beißreflexe der Ostalgiker liefern Lacher und die Arroganzanfälle Zugereister kommen nicht besser weg.
Es wird die Provinz sein, die in Zeiten der Globalisierung triumphiert, da ist Stefan Maelck sehr sicher. Wenn die Provinz Platz für solche Bücher hat, wird er damit wohl sogar recht behalten.
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Rowohlts neuer Spitzentitel «Ost Highway»
Der Mief des Eingemachten und der Duft der großen weiten Welt
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| Freies Wort, 17. Januar 2003 |
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Rowohlts neuer Spitzentitel «Ost Highway»
Der Mief des Eingemachten und der Duft der großen weiten Welt
VON ULRICH STEINMETZGER
"Der wilde, wilde Osten fängt gleich hinter Schkeuditz an." Kann sein. Jedenfalls häufen sich hier die Kommissare. Davon kann man sich zur schönsten Sendezeit im Öffentlich-Rechtlichen überzeugen. Die Städte in den sächsisch-anhaltinischen Provinzen sind wie schlafende Wunden. Und im Schlaf wandeln sie sich. Kurz vor der großen Umkehr wurden ihre Bürger alle noch einmal geliebt vorm fallenden Zaun und hinterm erhobenen Zeigefinger. Jetzt wären sie so gerne dankbar und können es nicht.
Das macht die Lage kompliziert und die Ermittlungen nicht einfacher. So hat das einige Land wieder ein Thema. Neue Autoren haben es in lustig-forschen Büchern eingekreist und sind damit gut gelandet im gemeinschaftlichen Lese-Alltag, weil der nach Pop-Literatur und Fräuleinwunder seinen neuen Trend brauchte. Also sprechen die Zonenkinder von Trabanten, jungen Talenten und ersten T-Shirts.
Also hat Stefan Maelck Hank Meyer erfunden, auf den Ost Highway und an einen großen Verlag geschickt. Der liefert ihn aus als Spitzentitel, und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn er nicht ankommen würde. Schließlich wird in diesem Buch der Deckel vom Fass genommen, auf dass sich der Mief des Eingemachten mit dem Duft der weiten Welt vermische. Stefan Maelck macht das sehr geschickt. Er lässt die Muskeln spielen, indem er von Heiner Müller über Hölderlin bis Thomas Bernhard die Favoriten der Gescheiten herbeizitiert, um sie neben den Lieblingen der Gescheiterten in Position zu bringen. Fast ohne Zynismus tut er das und mit sehr leichter Hand. Das ist selten und wird eben deswegen die Leser in Naserümpfer und Auswendigzitierer polarisieren. «Na und?», sagt Stefan Maelck. «Aber bitte, nehmt das doch alles nicht so ernst.»
Der Norddeutsche hat in seiner Wahlheimat Halle den verschmitzten Blick zurück nach vorn erworben: «Vorwärts und nicht vergessen zu vergessen!» Anglistik und Germanistik hat er in Rostock studiert, mit Forschungs- und Lehraufträgen war er in England und in den USA, und als freier Radiomoderator mit mit einer Leidenschaft für die traurigen Lieder der großen Songwriter.
Die teilt er mit Hank Meyer, der aus dem Westen nach Halle kam und zwei Drittel seines Single-Haushalts mit einer nächtlichen Radiosendung für versprengte Bettflüchtige um die 40 bestreitet. Hank Williams, Johnny Cash, Nick Cave und die Angst, im Granteln und im Aussehen Van Morrison immer ähnlicher zu werden, lassen ihn unter den Devotionalien in der Country-Ecke seiner Stammkneipe festsitzen. Oder sie treiben ihn um auf der Suche nach dem dritten Drittel. Weil die Mörder die letzten sind, die in Zeiten der Vereinzelung noch Kontakt suchen, ist Hank Meyer Privatdetektiv geworden. Er betreibt Aufklärung Ost: unterstützt von zwei weiteren Ost-Desperados.
Stefan Maelcks Buch führt uns mitten in die Gegenwart und handelt von tödlicher Nostalgie. Mit einem Schlüpfer Marke Triumph erwürgt, liegt Gerda Lattke im mitteldeutschen Funkhaus. Sie war die Mutter des Senders, eine Ikone des Super-Illu-lesenden Dunkeldeutschlands. Dann kam ihre Stasi-Vergangenheit ans Licht und eine Zeitbombe explodierte im Druckkontakt mit ihrer Kontaktperson: Die Revolution frisst ihre Sünder. Am Tatort steht verdächtig der verlorene Sohn aus Amerika. Er übergibt Meyer den Auftrag.
Was nun anhebt, ist ein aberwitziger, grotesk-grandioser Polit- und Familientrash, der nach New Orleans und wieder zurück führt, vielleicht weil das ebenso wenig zu den Staaten gehört wie der Osten zum deutschen Rest. Es wird gekalauert und geklagt, gejammert und gejamt, geschossen und gestorben. An allen Krücken klebt Dreck, doch Pulp Fiction ist ein schöneres Vorbild als Kommissar Ehrlicher. Fortsetzung folgt. Aus gut unterrichteten Kreisen hört man von einer geplanten Flugzeugentführung in Schkeuditz.
Stefan Maelck: Ost Highway. Rowohlt Berlin. 220 Seiten. 16,90 Euro weiteres: www.osthighway.de
Stefan Maelck FOTO: ROWOHLT
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| Warum, hier ist es doch klasse! |
| Stadtmagazin FRITZ Halle, 01. Januar 2003 |
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| "Das ist ja schlimmer, als ich mir je vorgestellt hatte.", waren die ersten Gedanken eines jungen Mannes, der im Sommer 1985 aus dem Zug in Halle stieg und den Blick über den Riebeckplatz mit seinen grauen Fäusten und blechernen Häuserfassaden schweifen lies. "Doch es wurde nicht schlimmer, sondern einfach nur anders als ich erwartet habe.", weiß derselbe Mann heute zu berichten. So anders, dass er schließlich Jahre später sein erstes Buch in Halle spielen lässt. "Ost Highway" heißt es, ist ein Krimi und wird am 16. Januar als Spitzentitel beim renommierten Verlag "Rowohlt Berlin" veröffentlicht. Autor, Stefan Maelck, gehört in der Literatur-Szene zu den "neuen, jungen Helden des Ostens", ähnlich wie André Kubiczek oder Jana Hensel, die mit ihren Werken plötzlich ostdeutschen Befindlichkeiten auf den Themenzettel Hamburger oder Frankfurter Feuilleton-Schreiber hieven. Doch wer denkt, eine weitere rührselige Ostalgie - Geschichte vorzufinden, wird enttäuscht sein. Sein Werk ist alles andere als nostalgisch. Hier hagelt es erst einmal Backpfeifen: Backpfeifen für die graue Stadt, Backpfeifen für die Menschen und Backpfeifen für all die Backpfeifen. Verteilt werden diese vom westdeutschen Privatdetektiv Hank Meyer, der im "tiefsten Dunkeldeutschland" gestrandet ist, auf eine neue Herausforderung wartet und sich zuweilen die Zeit mit philosophischen Trinkgelagen und einer eigenen schwermütigen Radiosendung namens „Lost Songs Found“ vertreibt. Gemeinsam mit seinem Busenfreund Heuser analysiert er in der biergeschwängerten Luft hallescher Wirtshäuser zynisch den Osten und seine Menschen, ohne jedoch zu ahnen, dass die beiden sehr bald in eine seltsame Geschichte verwickelt werden, die ihren Blick auf all das verändern wird. Ein mysteriöser Mord an der Rundfunkmoderatorin Gerda Lattke führt Meyer und Heuser auf ein spannendes Road - Movie quer durch hallesche Etablissements und schließlich nach New Orleans und zurück nach Halle. Und hier geht es eher rustikal zu. Keine schicken Edel - Italiener mit mondänem Candle Light Dinner, keine hippen Bars, in denen schöne Menschen neonfarbene Cocktails schwenken, kein elitäres Kir - Royal - Feeling. Die zwei Ermittler stemmen lieber literweise Bier in zünftigen Schankwirtschaften, feiern lokale Rockbands und schwadronieren dabei schonungslos über den Osten, die Liebe und die verpassten Gelegenheiten. Seine Schauplätze sucht sich Maelck zwischen dem "Cafe Nöö", dem "Weinkontor" und dem Rundfunkgebäude. Aber warum gerade Halle? Maelck schmunzelt: "Warum nicht Halle! Hier ist es doch Klasse, nur traut sich das niemand so richtig zu sagen. Diese Stadt hat kein zurechtgezimmertes Image. Hier muss man noch forschen und dabei spürt man dann, dass hinter den grauen morbiden Fassaden richtiges Leben pulsiert." Die mangelnde "Political Correctness" dem Osten gegenüber, läßt erst auf den zweiten Blick eine liebevolle Zuneigung zur Stadt und zu den Helden des Buches durchschimmern. Für den Hallenser wird es sicherlich Spaß machen herauszufinden, wohin es die beiden Protagonisten des Krimis bei ihren Ermittlungen verschlägt. "Doch Lokalkolorit allein ist nicht entscheidend.", meint Maelck, "Das Buch soll in ganz Deutschland funktionieren." Schon jetzt lässt sich absehen, dass „Ost Highway“ Erfolgspotential hat. Der Buchhandel bestellt ordentlich vor, die Filmrechte sind gesichert und eine ausgedehnte Lesereise ist bereits geplant. Der zweite Hank – Meyer – Roman ist bereits in Arbeit. |
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| Solitary Man |
| Kreuzer - Das Leipziger Stadtmagazin, 01. Januar 2003 |
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Solitary Man
Mord und Totschlag, Stasi und Ku-Klux-Clan, Frauen und Drinks: Stefan Maelcks Halle entpuppt sich als liebenswerte Loserheimat
„Lost Songs Found“ heißt die Sendung, mit der Hank Meyer für alle einsamen Seelen den Freitagabend einleitet. Eine Sendung, geschaffen für (oder auch durch) Melancholie und Whisky, weit weg von allem, was der gemeine Hallenser – „Dunkeldeutschland“ galore – normalerweise schätzt.
Ganz besonders weit weg von Gerda Lattke, dem Star des mitteldeutschen Blut-&-Boden-„Einserprogramms“. Da Hank Meyer („I’ll be what I am, a solitary man.“) aber nicht nur in Plattenarchiven recherchiert, sondern auch sonst ein echter Detektiv ist, darf er sich bald durch die Vergangenheit, die desaströse Wohnung und die Liebesaffären der ermordeten Spätlüsternen wühlen, durch Stasi-Akten, das Bett ihrer aparten Sekretärin, die Sümpfe von New Orleans, CIA- und Ku-Klux-Clan-Machenschaften obendrein und natürlich durch Unmengen von Whisky und Dixie-Bier.
Eine ost-westdeutsche Detektivgeschichte mit Nick-Hornby-Flair hat Stefan Maelck geschrieben. Immer mit der richtigen Textzeile irgendeines traurigen Countrysongs an der richtigen Stelle und natürlich immer (oft genug auch auf Biegen und Brechen) mit einem coolen Spruch - man hat schließlich seinen Hammett gelesen.
Vielleicht sollte man wissen, dass Maelck der geborene Protagonist von „Lost Songs Found“ ist – wenn denn hierzulande so etwas denkbar wäre. Stattdessen darf er im richtigen Leben auf MDR Sputnik wöchentlich mit den neuesten und ältesten Heavy Metal-Schinken auf Sendung gehen. Eine gespaltene Persönlichkeit irgendwie, deren anderes Alter Ego sich in der Figur des Klepzig wieder findet, dem „einzigen Kommissar Deutschlands mit einem Type O Negative-Poster im Büro“.
Ein Panoptikum von skurrilen Gestalten versammelt sich in „Ost Highway“, die den Osten mit hämischer Liebe sezieren, sich halb wohlig, halb enttäuscht in ihrem Außenseitersein suhlen und im Zweifelsfall eben tun, was ein Mann tun muss. Da muss man nicht nach Logik fragen oder nach Wahrscheinlichkeit. Nicht mal die (einigermaßen lapidar geratene) Auflösung des Falles scheint wichtig. Äußerst vergnüglich liest sich das weg, wenn man mit dem Namen Hank Williams etwas anfangen kann, seinen Spaß an einer „Scheißosten“-Talkshow hätte und die „Dir deine Meinung“-Postille immer noch eisern hasst.
Weniger eine ernst zu nehmende Story ist das als ein Manifest allzeit gültigen sympathieheischenden Losertums, manchmal etwas zu dick aufgetragen, aber verdammt nah am Lebensgefühl einer Mittdreißiger-Generation, die sich irgendwie einrichten muss zwischen Halle und Mitteldeutschem Rundfunk, Resignation und Sturheit, Lebensnischen und Rentenversicherung. Ein schönes Buch für Zonenerwachsene, die sich nie wirklich ergeben haben.
Augsburg
Stefan Maelck: Ost Highway. Rowohlt Berlin 2003, 219 S., 16,90 Euro
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| Mit Vollgas auf dem Ost Highway |
| Mitteldeutsche Zeitung, 21. Oktober 2002 |
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Ein bisschen Spaß muss sein. Aber immer nur Spaß, sagt Stefan Maelck, das wird dann auch langweilig. Genau wie immer bloß Großstadt langweilig ist. Und immerzu Mauerfall und Wende. Maelck, ein junger Mann mit Ziegenbärtchen, zieht die Augenbrauen hoch, wenn er über die deutsche Literatur dieser Tage spricht: "Irgendwann ist gut mit der Vergangenheit, irgendwann muss die Gegenwart anfangen."
Der 39-jährige Wahl-Hallenser hat also selbst ein Buch geschrieben. "Ost-Highway" heißt das, und als er mit den ersten paar Seiten beim angesehenen Rowohlt-Verlag in Berlin aufkreuzte, waren die Lektoren begeistert. Stefan Maelck, der einen ersten Buch-Versuch vor zehn Jahren noch abbrach, "weil ich damals nur von der DDR erzählen konnte und viel zu trist fand, was ich da aufschrieb", gilt plötzlich als literarischer Shooting-Star.
Eben noch hat er als freier Radio-Redakteur Erfolgsautoren wie Thomas Brussig interviewt. Auf einmal ist er selbst der, dem sich die Mikros entgegenstrecken. Eben noch trifft er sein Idol Robert Gernhardt, um ein paar Fragen zu stellen. Und plötzlich sitzt er neben der Dichter-Legende auf der Buchmesse.
Maelck, in Wismar geboren und aufgewachsen, erlebt den Seitenwechsel mit dem scheinbaren Gleichmut der Norddeutschen, und darin gleicht er seinem Buch-Helden Hank Meyer. Dessen Fahrt auf dem Ost-Highway führt auf der Spur einer verzwickten Familienfehde bis nach Louisiana und ist weder Halle-Krimi Marke Peter Sodann noch Ostalgie-Trip in die verlängerte Sonnenallee. Statt sich auf Schenkelklopfer aus Ost-Zeiten zu verlassen, komponiert Maelck aus galligem Humor und klassischer Krimi-Spannung ein Road-Movie, das so auch in der Wirklichkeit spielen könnte. Hank Meyer ist ein netter Zyniker, sein Kumpel Heuser das Unikum, das den Osten mit genervtem West-Blick analysiert. "Das muss sein, der muss sagen, was die Leute nicht hören wollen."
Auch das muss raus. Der Neu-Schriftsteller nämlich hat genug von der "bigotten Mitleidskiste", er will weg von stiller Vorurteile-Post, von Hörensagen und Rechthaberei. Halle sei doch klasse, ruft er, tolle Provinz einfach! Was braucht man mehr? Seine Schauplätze sucht sich Stefan Maelck also zwischen dem Kult-Café Nöö und dem MDR-Funkhaus, seine Protagonisten feiern lokale Bands wie Zombie Joe. Auf den ersten Blick sieht das nach Schlüsselloch-Gucken aus. Wer ist Pawlow, Maelcks Stasi-Enthüllungsjournalist? Für welche Buch-Figur stand Jump-Chef Michael Schiewack Pate? Kopfschüttelnd blickt der Autor da über die Brille, kein lustiges Rätselraten mit Maelck. "Das ist ein Buch aus Halle, aber eins, das in ganz Deutschland funktionieren soll."
Und das wird es. Stefan Maelck hat mehr vor mit seiner von Rockmusik untermalten Mords-Story, die im Januar als Spitzentitel in die Buchläden kommt. Es geht ihm um den Kampf gegen Klischees, um das Vorurteil, nur Hamburg und Berlin hätten Charme. Unsinn, sagt Maelck, den das "jammermäßige am Osten" ärgert: "Wir müssen nur so selbstbewusst sein zu sagen: Hier ist es viel netter."
Halle wird von Maelck liebevoll als Stadt geschildert, in die man sich spätestens auf dem zweiten Blick verliebt. Lakonisch ist der Witz, die Moral nie plakativ - kein Gedanke an moderne Aufklärungsbücher wie Jana Hensels "Zonenkinder". Einer wie Maelck, geprägt von einem "tiefen Misstrauen gegen jede Art von Gruppe", passt nicht ins übliche Raster. Ossi, kein Zonenkind. Hallenser, sehr weltläufig. Von 16 Stasi-Spitzeln beobachtet, aber nicht wehleidig. "Warum soll", fragt der Autor, der "ein neuer, kein junger" sein will, "ein ernstes Buch langweilen?" Warum darf ein Krimi nicht Witz haben?
Seit Stefan Maelck in den 70ern mit heißen Ohren Radio Luxemburg hörte und sein Herz für Musik und Literatur entdeckte, hat er entschieden, sich nicht zu entscheiden. "Damals hieß es immer, bist Du Smokie-Fan oder für Sweet", erinnert er sich: "Ich war aber immer für beides, weil ich dachte, dann hat man eins mehr." Maelck nennt sich so einen "Pragmatiker der Poesie". Zu DDR-Zeiten hat er ein Lehrerstudium begonnen, "weil mich das am weitesten voranbrachte". Später zog er von der Küste nach Leipzig, weil das so angesagt schien. Die Stadt war aber bloß "ein aufgeblasenes Nichts".
Also Halle, das er für echter und ehrlicher hält. Der Mann hat Überzeugungen, die weniger tagespolitisch als grundsätzlich sind: Als gegen Ende der DDR das Angebot kommt, als Student in die USA zu gehen, lehnt er ab. "Die wollten, dass ich bei der Stasi unterschreibe." In die Staaten ist er mit einem Jahr Verspätung gekommen. Und er hat sich dort gleich angesteckt mit dem Mach-was-Virus: "Ich habe neben dem Studium Deutschstunden gegeben, weil ich das Geld für Platten brauchte." Daheim bleibt es dabei. "Ich war nie einer, der im Stillen forschen wollte."
Zu viele Ideen, zu viel Elan. Nach dem Mord ist immer vor dem nächsten! Noch liegt der erste Hank-Meyer-Band nicht im Laden, da verhandelt der Autor schon über eine Verfilmung. Die Provinz kommt. Halle boomt! Neue Gesichter, neues Kolorit! Raum für die alten Aushängeschilder ist allemal an der Seite von Hank Meyer: "Der Peter Sodann", sagt Stefan Maelck, denn ein bisschen Spaß muss sein, "könnte im Ost-Highway-Film den Peter Sodann spielen." |
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