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Calexico
"Feast of Wire" |
Labels/City Slang/Virgin |
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Figaro CD: Calexico – Feast of Wire (Labels/EMI)
Calexico ist ein kleiner Ort zwischen Tucson und San Diego im Südwesten der USA. Calexico ist zugleich eine Band aus Tucson, Arizona, überraschenderweise mit ihrem neuen, vierten Album auf Platz 10 der deutschen LP-Charts gesprungen sind. Überraschend, weil diese Mischung aus Alternative Country, Texmex, Mariachis, Folk, Rock und Blues zwar auch in Europa ein festes treues Publikum hat, nur ist das eigentlich überschaubarer und sorgt nicht unbedingt für Hitparadenplätze.
Calexico das sind Joey Burns und John Convertino, die sich als Rhythmusgruppe der Wüsten-Legende Giant Sand kennenlernten und sich mehr und mehr von der Hauptfamilie emanzipiert haben. „Feast of Wire“, das neue Album von Calexico bietet nicht nur wunderbare Songs und Klanglandschaften sondern ist erstmals auch politisch engagiert.
Willkommen im vor Hitze flimmernden Grenzland zwischen Arizona und Mexico. Calexico, das liest sich wie ein Hybride aus California und Mexiko und die Gegend aus der diese einzigartige Musik kommt ist geprägt von Menschen, die das Glück zwischen zwei Welten suchen. Wir erfahren von Geschichten, Mythen und Schicksalen zwielichtiger Typen, wir werden zu einem versunkenen Walzer geladen von den Gestrauchelten dieser Welt und manchmal wissen wir nicht, ob wir uns nicht verirrt haben in einen Spaghetti-Western von Sergio Leone, zu dem Ennio Morricone die Musik und Karl May das Drehbuch beigesteurt hat. Will heißen: alles klingt echt und trotzdem losgelöst von dem, was es beschreibt. Der Grundsound ist eine Mischung aus texanischen und mexikanischen Klängen, dazu gibt es amerikanische und deutsche Folklore und ein Tequila-Glas voll Pop. Und Sänger und Gitarrist Joey Burns entwickelt sich langsam auch zum großen Geschichtenerzähler.
Burns: Yeah, I’m thinking about...it’s kinda based on two brothers of a family that I know back where I grew up in southern California. One of them is a carpenter and at times I heard that he’s just kind of gone off into the wilderness and his family just didn’t know where he went. He came back, he got married and he’s a carpenter still. His other brother who is my age, John, he...I think he went to school and then dropped out of school and just hung out in nature and lives in a tree somewhere in central California. And my friend Molly told me the story and I know these people and I can only imagine, you know, having grown up in a similar part of California wondering what made them...made that step. And thinking about themes of suburban sprawl and the fact that Los Angeles in itself is a desert and its history of its origin and the continuation of its development and the question of how long can you go before things dry up in that kind of an environment or culture or city.
Mit ausgeklügelten, feinsinnigen Arrangements gehen Calexico auf ihrem vierten Album wieder mal den Mythen auf die Spur. Die Klänge, die sie dafür erkunden sind überraschend und verstörend zugleich. Eine Trompete unterbricht plötzlich die von Gitarre und Akkordeon getragene Soundlandschaft, es gibt Berge von Streichern, Elektronica und manchmal schleicht sich auch ein verstimmtes Piano durch die Wüste wie ein hungriger Coyote.
The Book and the Canal klingt so, wie man sich heute eine Geisterstadt vorstellt, in der einst Westernfilme gedreht wurden. Und auch andere Stücke des Albums sind äußerst geheimnisvoll. Warum heißt ein Lied ausgerechnet Not even Stevie Nicks – was hat die Sängerin von Fleetwood Mac mit dieser traurigen Geschichte zu tun?
Burns: Yeah, that’s the question. Yeah, I mean it’s...we get asked that a lot. She just seems kind of, you know, an image. A person, a persona that kind of appeals to some of those lost and searching for help as kind of this mystical figure in the rock world. The music itself is kind of feeling as if it was inspired by some kind of Fleetwood Mac “Rumours”-era groove. So it’s kind of a play on that aspect as well as kind of diving into “is she a good witch or a bad witch?” But she’s kind of someone that has an aura to her. And a mystique.
Erstmals geht es auch um Politik bei Calexico. So erzählt der Song Across the Wire die Geschichte von Alberto, der seinen Bruder vorm Morgengrauen weckt, um hinter dem Drahtzaun für den Yankee Dollar zu arbeiten. Ein Hauch Sozialkritik wird von der Musik umschrieben, die es leichter hat, von einem Land ins andere zu kommen. Ein Song stellvertertend für die nächtlichen Dramen, die immer wieder von Träumen verdrängt werden. Aber auch Black Heart oder Woven Birds sind Lieder, die kein bisschen heller sind. Feast of Wire – ist zum Herz der Finsternis in Calexicos Schaffen geworden.
Convertino: I think it could have been a lot darker, actually even. I think there’s other songs...there was a version of the record that was really long and with more kind of spookier, darkier kind of ambient songs on it. And over period of time we started trimming it and making it shorter, more concise which helped it a lot.
Burns: So this is the light version.
Es wimmelt nur so von Nachtgestalten auf Faest of Wire, dazu werden die Songs immer wieder von Instrumentalklängen verbunden, die so etwas wie einen roten Faden durchziehen. Es gibt ein wenig Trip Hop zur Steel Gitarre, es gibt ein Cello und die Reptilien sorge für die Hintergrundgeräusche.
Der Name des Albums bezieht sich auf ein Buch des Südstaaten-Autor Harry Crews und sein Buch Feast of Snakes.
Aus dem Festmal der Schlangen wird ein Festmahl des Drahtes, der widerum für einiges stehen kann: Stacheldraht aber auch technischen Fortschritt im Sinne von Telefondraht oder Gitarrenkabel. Das kommt ganz auf den Betrachter, oder besser Hörer an.
Im April kommt die Band auf Tour – hier schon mal die Termine.
05.04. Bielefeld - Forum
08.04. Berlin - Columbiahalle
13.04. München - Muffathalle
19.04. Offenbach - Capitol
21.04. Köln - E-Werk
22.04. Hamburg ˆ Fabrik
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Hans-Eckardt Wenzel
"Ticky Tock - Wenzel singt Woody Guthrie" |
Conträr |
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Der amerikanische Folk-Sänger Woody Guthrie ist eine Legende und seit ein paar Jahren- durch ein von seiner Tochter Nora ins Leben gerufenes Archiv - auch wieder stärker im Bewußtsein von Musikliebhabern.
Der englische Sänger Billy Bragg hat zusammen mit der Band Wilco auf Nora Guthrie’s Anregung 2 Alben mit Liedern von Woody Guthrie veröffentlicht, die Guthrie nie aufgenommen hat, da er zwar unheimlich produktiv war und mehr als 3000 Lieder schrieb, diese Menge von Songs allerdings ohne festen Plattenvertrag nie produzieren konnte.
1998 brachte die amerikanische Post in der Reihe Legends of American Music eine Guthrie Briefmarke heraus, im Jahr 2000 erhilet Woody postum den Lifetime Achievement Award der National Academie of Recording Arts and Sciences.
Immer mehr junge Künstler aus der Folk- und Rockszene besinnen sich auf Guthries Songs und nehmen diese auf.
Jetzt hat sich erstmals ein deutscher Liederdichter und Sänger an Woody herangewagt, Hans Eckardt Wenzel, der wie er selbst sagt, „von Nora Guthrie mit großen Versprechungen ins Woody Guthrie Archiv gelockt wurde“.
„In den Jubelorgien der real existierenden Neoliberalen, der Yuppies und ewig frohen Erfolgspositivisten erscheint Guthries Lebenswerk sonderbar erfolg –und sinnlos. Die wenigen Plattenaufnahmen machen ihn zum permanenten Geheimnis. Woody ist ein Anstifter. Er stiftete zu einer Song-Kultur an , eine internationale Kultur, deren Reflex auf die höllischen Phänomene der Industrialisierung nie in pure Wald- und Wiesenseeligkeit verkam.“ schreibt Hans- Eckardt Wenzel in seinem Essay „Der soziale Clown an den Grenzen der Welt“.
Abgedruckt ist der Text in Hard Travelin’ – Das Große Woody Guthrie Buch , einem 460 Seiten starken Kompendium zu Woody Guthrie, das etwa zeitgleich mit Wenzels neuem Album erscheint – also kurz nach dem 90. Geburtstag des in Okemah, Oklahoma geborenen Sängers, Dichters und Aktivisten. Guthrie ist schon seit längerem wieder im Schwange – vor zwei jahren wurde endlich seine 20 Jahre vergriffene Autobiografie wieder aufgelegt und angeregt durch Tochter und engagierte Verwalterin Nora Guthrie werden nach und nach auch Lieder vertont, die Guthrie zu Lebzeiten weder gesungen geschweige denn aufgenommen hat.
Über 3000 Texte hat er hinterlassen und Nora ermutigt seit ein paar Jahren Musiker, denen sie vertraut, dem Werk ihres Vaters neue Aspekte abzutrotzen.
Auf Wenzels Album Ticky Tock ist Nora selbst auf 3 Stücken zu hören.
Wenzel begreift es als Ehre als erster deutscher Poet und Sänger zu dem großen Guthrie Projekt gebeten zu werden, das Nora plant, aber er sieht auch die Aufgabe, die Last, die Verantwortung – und beschreibt diese in seinem Essay.
Und: Wenzel verstellt sich nicht. Seine Art des Liedererfindens und Interpretierens ist dem deutschen Lied von Franz Schubert und der osteuropäischen Folklore immer schon näher gewesen , als dem angloamerikanischen Liedgut. Und so finden wir den Dustbowl –Poeten Woody Guthrie als sein Alter Ego Wenzel in einer faszinierenden und spannenden Melange der Musik der verschiedenen Welten wieder, deren Verbindungsstück die Amerikareisenden dieser Welt sind.
Schlagzeug, Gitarre, Bass, Tuba, Akkordeon, Klarinette und Klavier – die Orchestrierung der Stücke ist das wohl Üppigste, was Guthrie Texten je angediehen ist, seine eigenen aber auch die Umsetzungen von Billy Bragg oder Wilco waren viel sparsamer, minimalistischer. Wenzel gibt Guthrie die eigene Stimme und die eigene Art des Umgangs mit dem Text: alle Nachdichtungen des Albums stammen von Wenzel selbst und es sind Texte in seinem typischen Duktus, durch die der Geist des Dustbowl-Dichters zum Hörer hinüberweht.
Auch wenn er recht frei in seinen Nachdichtungen ist, so bleibt der Geist des Guthrie Textes stets erhalten – Wenzel allerdings fügt seinen eigenen Kosmos dazu: bei beer to beer and ale to ale, ersetzt Wenzel das Ale durch Tee.
Wenzels Verdienst für das Weitertragen des Wortes von Guthrie ist nicht hoch genug einzuschätzen. So werden Hörer aufhorchen , denen typische Guthrie Interpretationen immer zu karg und zu folky waren und es wird ein jüngeres Publikum vielleicht erstmals auf den Namen eines arbeitswütigen Aktivisten stoßen, der sich zu Lebzeiten mit einer Gitarre bewaffnet gegen Streikbrecher, Fabrikherren, Vermieter – Unterdrücker aller Art stellte und Ihnen seine trotzigen Lieder entgegenschmetterte. Diese Gitarre killt Faschisten stand auf Guthries Instrument und begleitete den Ruhelosen bei seinen zahllosen Reisen als Hobo, also als Zug-Schwarzfahrer, durchs Land in der Zeit der großen Depression. 13 Jahre vor Jack Kerouac’s On the Road, das die Beatgeneration begründen sollte, veröffentlichte Guthrie bereits seine Autobiogarfie Bound for Glory, das eigentlich erste Werk eines Beatnicks.
„Guthries Texte stammen von dem Schlachtfeld, wo um die amerikanische Seele gekämpft wird“ schreibt Lou Reed in seinem Vorwort zum Großen Guthrie Buch und hier wohl liegt die Geistesverwandschaft zu Hans-Eckardt Wenzel, in dessen eigenen Liedern es nie um etwas anderes ging als um die Seele, die Süchte, die Sehnsüchte, die See.
Die Unsterblichkeit des Sängers meint Wenzel, darum ginge es, der Sänger lebt in einer Kapsel und wird durch Lieder in andere Zeiten geschmuggelt und wie von Bob Dylan einst beschworen, stellt sich Wenzel einen Geheimbund vor, in dem die Sänger in ihrer Jahresversammlung beraten, welcher Dichter in diesem Jahr dem Vergessen entrissen werden soll. Und so feiern wir jetzt also Woody mit Wenzel – zwei Dichter, ohne Dünkel, ohne Arroganz, ohne Pose – dafür mit einer Poesie, die jede globale Effizienz lächerlich macht.
Ein weiteres Guthrie-Projekt hat die Band Zombie Joe aus Halle aufgenommen, die zusammen mit Wenzel am 17.1. bei der Urauuführung von „Ticky Tock“ im Berliner Tränenpalast spielte, Z-Joe and The Dustbowlers, a Woody Zombie Hootenanny, Safety Records, Soulfood Music Distribution, www.zombiejoe.com
außerdem empfehlenswert: Hard Travelin’- Das Woody Guthrie Buch, Songtexte und Essays, Herausgegeben von Michael Kleff, Vorwort Lou Reed, Übersetzt von Harry Rowohlt – jede Menge Argumente also, erschienen im Palmyra Verlag, 460 Seiten, mit Gratis- CD mit 15 Woody-Songs, das ultimative Buch zum Thema und:
Dies Land ist mein Land, Woody Guthrie, Autobiographie, ist erschienen bei Nautilus, ISBN 3-89401-363-X, ohne CD 25 E, Sonderausgabe mit CD 30 E
Ein letzter Tip für Fans: DVD/Video Billy Bragg & Wilco, The Man in the Sand, Doku über Billy Braggs Forschungsreise auf den Spuren Woodys mit beeindruckenden Bildern, der göttlichen Natalie Merchant und 5 Demos aus den Mermaid Avenue Sessions, die nicht auf den beiden Alben sind.
Cooking Vinyl/Indigo
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Lloyd Cole
"Music in foreign language" |
Sanctuary |
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Fiagro CD der Woche: Lloyd Cole – Music in foreign Language (Sanctuary)
Anmod: Lloyd Cole gilt als der Bücherwurm unter den Singer/Songwritern.
1984 veröffentlichte er mit seiner Band Commotions sein erstes Album „Rattlesnakes“ – seither gilt er als scharfzüngiger Romantiker, der Lieder schreibt, die Akademiker für Rock’N’Roll halten. „The Reason why it’s a Clichè it’s because it’s true“ – Der Grund warum etwas ein Klischee ist ist weil es war ist – einer von vielen Lloyd Cole-Sätzen, die in die Alltagssprache eingegangen sind – beschreibt die scharfe anayltische Form von Cole-Liedern genau. Cole mischt Folkpop mit weißen Soul, William Blake mit Charles Bukowski und wer seine Homepage anklickt wird in den Ladezeiten mit Lyrik versorgt. Der Engländer Lloyd Cole rollt Wörter wie Würfel, seine Arbeistweise ist im besten Sinne postmodern – ein bunter Teppich aus Verweisen und Erlebtem, Geschichten voller Weisheit und Humor, dazu kleine schöne zurückgenommene Melodien. Jetzt hat Cole mit „Music in a Foreign Language“ ein akustisches Album vorgelegt, das bei aller Verbeugung vor Folk und Country trotzdem keins von beidem ist. Stefan Maelck stellt Ihnen unsere Figaro-CD der Woche vor.
CD 1 1.Strophe
Im Begleitheft seiner 4 Cd Box die Lloyd Coles Schaffen zwischen 1996 und 2001 dokumentiert ist ein Zitat des amerikanischen Südstaatendichters Harry Crews gestellt das sagt: „sei dir klar darüber – in dem Moment, in dem ein Mensch halbwegs eine Form von Kunst beherrscht, ist es schon zu spät irgend etwas anderes zu tun“. Diesen Satz kann mal als das Credo von Lloyd Cole betrachten – der 1961 in Derbishire geborene Musiker ist studierter Jurist, hat Wirtschaft, Geografie, Mathematik, Philosophie und English studiert und ist einer der intellektuellsten anglo-amerikanische Musiker. Die Texte des 42 Jährigen, der heute in New York City lebt, strotzen von Verweisen auf Kulturgeschichte, Dichtung und Politik. 1983 produzierte er seine erste Single und seither gibt es nicht anderes für den hochgebildeten Mann als Popsongs zu schreiben. Mit wechselndem Erfolg und mit qualitativen Schwankungen hat Cole seine ganz eigene Songsprache entwickelt, die Charaktere seiner Lieder waren einst Simone de Beauvoir oder Norman Mailer, heute sind es Verwirrte, Verlorene, Verlierer. Zwischen seinen großen Vorbildern Bob Dylan und Leonhard Cohen ist Cole jetzt mit seinem neuen semi-akustischen Album „Music in a foreign Language“ in der ersten Liga angekommen“.
CD 4 Cutting out
So üppig wie Coles Texte so schlicht sind seine Melodien und seine Arrangements. Setzte er auf früheren Produktionen auf den treibenden Sound einer ganzen Band, so hat er für sein neues Werk abgespeckt, akustische Gitarre, ein wenig Bass und die Backgroundstimme von Lullaby Baxter, die hier leider nicht einmal Akkordeon spielen darf, machen die Song zu einem Erlebnis in Sachen Minimalismus. Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass wir es hier mit einem Dichter zu tun haben, der Musik lediglich zum Transport seiner Texte nutzt, Cole’s Verse funktionieren ähnlich denen eines Bob Dylan nur gesungen.
Viele dieser kleinen Entwürfe hinterlassen trotz Minimalismus mitunter den Eindruck eines breitwandig produzierten Albums, weil Lloyd Cole ein Meister der Stimmungen ist. Late Night, Early Town ist so ein Lied.
CD 3
2 Songs von Lloyd Coles neuem Album sind nicht neu. Zum einen interpretiert Cole die Nick Cave-Komposition People ain’t no good, die auch ohne großes Piano und ohne Stimmbombast und Pathos prächtig funktioniert.
Zum anderen hat Cole ein Stück seines Albums mit den Negatives aus dem Jahr 2000 noch einmal hervorgekramt und durch Schlichtheit vergrößert: No more Love Songs – heisst das Lied. Seit je her eine Maxime des Briten, die dieser natürlich immer wieder durchbricht, denn natürlich ist ein Lied das : Nie mehr Liebeslieder heißt nicht anderes als ein solches.
CD 5
In der schillernden oberflächlichlichen Welt des Pop ist Llloyd Cole immer ein Fremder geblieben. Er ist ein Dandy, ein Flaneur, der sich nie gemein macht für den Applaus. Bei seinen Auftritten erzählt er gern Geschichten, die sich immer wieder um die Klischees des Popstar-Lebens drehen: Etwa, dass er oft gefragt werde, wann er denn nun das Heroin nehme – vor oder nach dem Auftritt. Cole erzählt diese Geschichten so zurückhaltend wie er seine Lieder vorträgt und. Er hat vieles versucht in seiner 20 jährigen Karriere. Für sein 91 er Album holte er sich den Arrangeur und Orchesterleiter Paul Buckmaster und produzierte ein Album im Hollywood-Breitwand-Sound, das er selbst noch heute hasst. Wohl auch aus diesem Grund ist Lloyd immer spartanischer geworden. „Music in a foreign Language“ – auch für die, die des Englischen mächtig sind, der Album-Titel verweist einmal mehr darauf Lloyd Cole nicht eins zu eins zu nehmen. Altersweisheit und Wandergitarre, das ist Lloyd Cole im Jahr 2003, nicht very very Rock’n’roll, wie er sich selbst im wohl schönsten Lied des Albums My Alibi auf die Schippe nimmt. Aber das hat auch niemand mehr erwartet.
CD 7
Abmod: Lloyd Cole, Music in a foreign language, Sanctuary, SanCD 182, unsere Figaro CD der Woche, Musik daraus an jedem tag in dieser Woche, am Freitag wieder zu gewinnen. Vorgestellt wurde das Album von Stefan Maelck.
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Lou Reed
"Raven" |
WEA |
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Im März dieses Jahres wird er amerikanische Musiker Lou Reed 60 Jahre alt. Wie kaum ein anderer gilt er als einer der Helden der intellektuellen Rockmusik, mit John Cale zusammen hat er die legendären Velvet Underground gegründet, seit Anfang der 70er hat er beständig Solo-Alben vorgelegt, von denen solche wie „Transformer“ (das mit Take a walk on the wild side) oder vor allem „New York“ heute zu Klassikern des amerikanischen Songwriting zählen. In den letzten Jahren war Reed vor allem dadurch aufgefallen, dass es ihm scheinbar nur noch um den perfekten Gitarrensound ging, die Songs wurden immer schwächer. Jetzt hat sich Lou Reed noch einmal aufgebäumt und vielleicht das Album seines Lebens gemacht. Es ist aus einem Theaterprojekt mit dem Regisseur Robert Wilson entstanden, heisst „Raven“ – und ist eine Hommage an den amerikanischen Dichter Edgar Allen Poe.
So richtig wagte es keiner zu sagen nach dem letzten Lou Reed Album „Ecstasy“, dass die Luft raus war und dafür zu viele Gitarren drin, in Extase versetzte das Album wohl niemanden. Aber Lou Reed ist ein Künstler, der sich über 40 Jahre immer wieder neu erfunden hat. Seine vielen Gesichter und Stationen, seine Höhenflüge und Abstürze sind genügend besprochen worden und mit einer schönen Regelmässigkeit hat sich Reed immer wieder wie Münchhausen selbst aus dem Morast gezogen. Natürlich thematisiert Lou Reed das Verschwinden und die Transzendenz immer wieder gern und der amerikansiche Dichter Edgar Allan Poe ist das perfekte Medium für Reeds düster-phantastischen Weltentwurf. Das Größte, Göttlichste und davon hat Poe oft gesprochen, wäre es , der eigenen Hülle zu entfliehen und trozudem aus der Ferne weiter an der Schönheit teilzuhaben. Hier deckt sich das poetische Prinzip des Dichters, der von 1809 bis 1849 ein von Süchten und Selbstmordversuchen geplagtes Leben führte und der heute als Erfinder der Short Story gilt mit dem poetischen Prinzip des New Yorker Sound-Erkunders Lou Reed, der schon mit seiner Band Velvet Underground eine wichtige Rolle für die Verschmelzung von rebellischer Rock-Attitüde mit literarisch anspruchsvollen Texten spielte. Die Idee für ein Edgar Allen Poe Album enstand aus einem Theaterprojekt von Robert Wilson für das Reed die Songs schrieb und das am Hamburger Thalia uraufgeführt wurde.
Call on me ist eine ergreifende Ballade, die an die früheren Stücke erinnert, die Reed zusammen mit John Cale für das Warhol-Requiem Songs for Drella komponierte und die von Celli und und Violinen getrieben waren. Hier verbindet Reed einen eigenen Text mit einem Poe Original, gesprochen von Laurie Anderson. Überhaupt geht Reed recht frei mit den Originalen um, er verändert Wörter, modernisiert Poes Gedichte, holt diese in die Gegenwart – sprachlich und musikalisch. Selbst der Klassiker The Raven – der Rabe, der hier nicht zum ersten mal adaptiert wird - bekommt neue Sätze verpasst und wird von einem der unzähligen Gäste, dem Schauspieler Willem Dafoe interpretiert. Natürlich stammen Ausdrücke wie „sweaty arrogant dickless liar“ nicht aus dem Original-Raben, das Publikum aber, so sagte Reed einmal nach einer Lesung, traue Edgar Allen Poe solche Sprache durchaus zu und nur Kenner würden bemerken, das Reed ihn umgeschriben hat.
Früher versuchte Lou Reed möglichst dicht am Realismus von Raymond Chandler und Hubert Selby zu sein, heute singt er, das jemand der noch nie was von Poe gelesen hat wohl tot oder blind sein muss.
Lou Reed ist ein wichtiger Bestandteil der New Yorker Künstlerszene, die Gästeliste seines Albums liest sich wie ein Who’s who der großen Namen, allerdings derer, die sich recht erfolgreich einer Glanz- und Kitsch-Kultur verweigern. Der schon gehörte Willem Dafoe ist einer von ihnen, aber auch das Jazz Urgestein Ornette Coleman, Kate und Anna Mc Garrigle, Laurie Anderson, The Blind Boys of Alabama oder David Bowie sorgen für das abwechslungsreichste, wenn auch nicht beste, Album, das Reed je aufgenommen hat.
Hop Frog,wird nicht von Reed selbst sondern von seinem alten Freund David Bowie gesungen. Auffällig ist, wie weit Lou Reed sich und seine Gitarrenkaskaden zurücknimmt auf Raven, Hop Frog ist eher die Ausnahme.
Neben etlichen Balladen gibt es einen Broadway Torch Song gesungen vom Schauspieler Steve Buscemi oder mit I wanna know eine überzeugende Umsetzung der Poe-Kurzgeschichte Die Grube und das Pendel, der düstere Vortrag wird von den Blind Boys of Alabama unterstützt.
Manchmal ist es etwas anstrengend den musikalischen Stilwechseln des Albums zu folgen, aber ganz sicher hatte Reed bei der Anordung der Stücke eine gewisse Erzählstringenz im Hinterkopf, die nicht unbedingt der Dramaturgie der Wilson- Inszenierung folgen wollte. Die „richtigen“ Reed Stücke, eingespielt in der Stammbesetzung mit Bassist Fernando Saunders und Gitarrist Mike Rathke, sind typische Reed Stücke vom Sound und Habitus, insgesamt aber, so Lou Reed, kulminiert auf diesem Album aber alles, was er je zuvor gemacht hat. Seine Gedanken und Ideen, seine Soundvorstellungen, die Art eine Stimme aufzunehmen, die Möglichkeit von Music als Untermalung oder Vordergrund und vor allem die physische Wahrnehmbarkeit dieser Platte, die keinen für heute typischen komprimierten Sound hat, sondern körperlich ist. Who am I heißt einer von 21 Songs und man hört Raven an , dass sich Reed diese Frage am Vorabend seines 60.Geburtstages gestellt hat. Edgar Allan Poe war bereits im alter von 40 in einem Duell gestorben, Reed hat vielleicht den Sieg seines Lebens davongetragen – mit der „Leidenschaft, die Vernunft entzwei bricht“, weil er mit Poe einen guten Verbündeten hatte und ein gutes Korrektiv.
Das Album wird polarisieren, ich höre sie schon alle hinter vorgehaltener Hand husten, klar ist es kein New York, aber es hat echte Perlen.
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Nick Cave
"Nocturama" |
Mute |
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Schon die Namen seiner Alben versprechen Tiefe und Düsterness: "Your funeral – My Trial", "Kicking against the Pricks", "The Boatmans Call" oder "Murder Ballads". Der australische Musiker Nick Cave hat es seinen Hörern nicht immer leicht gemacht. Er, ein düsterer Dandy, die Inkarnation des besessenen Melancholikers, ist ein rastloser, getriebener Mann, der die Drogen in den letzten Jahren reduziert, dafür aber immer ausschweifendere Songs geschrieben hat, die immer emotionaler und tiefsinniger wurden. Johnny Cash adelte Cave, als er vor ein paar Jahren seinen Song „Mercy Seat“ aufnahm und Cave im vergangenen Jahr einlud um für das neue Cash Album den Hank Williams Klassiker „I’m so lonesome I could cry zu spielen“. Nick Cave hat jetzt sein neues Album „Nocturama“ vorgelegt und sich damit endgültig einen Platz neben Dylan, Cohen und Morrison erspielt.
Nocturama ist das 12.Album von Nick Cave and the Bad Seeds, die Cave 1983 nach dem Zerbrechen seiner Band Birthday Party formierte und einen elektrischen Swamp-Blues zu spielen, dem man die Punk-Vergangenheit seines Sängers allerdings noch anhörte. Heute hat lediglich der Produzent des neuen Albums Nick Launay noch mit dem drogegeschwängerten Lärm der alten Tage zu tun . Nick Cave ist, spätestens mit Nocturama, aufgestiegen in den Olymp seiner großen Vorbilder Van Morrison und Bob Dylan. Erstmals ist es ihm gelungen sich selbst und Autobiografisches so weit aus den Liedern hearuszunehmen oder zu verfremden, dass sie von einer Allgemeingültigkeit wie sind wie die Songs der genannten Schutzbefohlenen. War das 1997 er Album "The Boatmans Call" noch ein vertontes Tagebuch, so hat bereits der "Nocturama" -Vorgänger "And no more shall we part" die Richtung gewiesen, die Cave jetzt konsequent gegangen ist. "Nocturama" ist wieder eine Bandplatte geworden, aufgenommen in nur einer Woche, der pianodominierte an Schubert-Liedern geschulte Vorgänger hatte eine halbe Ewigkeit gedauert.
Die ersten Songs von "Nocturama" entwerfen die Stimmung, das Ambiente. Im Vergleich zu einer Futurama-Umgebung müssen wir uns Nocturama als Cave-Welt, als Umweltentwurf, nicht aber als schöne neue Welt vorstellen. Nocturama, die Nachtwelt, ist der Ort wo die Band The Bad Seeds den Arbeitsprozess des Verfertigens von Liedern ausführt. Keine Anti-Utopie, kein Science Fiction, sondern eher die Vision von der Kunstwerkstatt als dem Raum höchster und absoluter Freiheit.
Schon mit dem zweiten Song "He wants you" führt Cave vor, wie die Nachtwelt des Künstlers aussieht: eine leichte Schauerstimmung kommt auf, das Lied ist frostig und hymnisch im Wechsel, so wie Cave dauernd zwischen erster und dritter Person erzählt und damit eine spannende und zugleich verwirrende Stimmung erzeugt. Damit entsteht Nocturama als zwielichtige Welt wo Märchen in die Realität schwappen , Cave fühlt sich wohl in seiner Art des Victorianischen Geschichtenerzählens – mystisch, geheimnisvoll und plötzlich steht der Protagonist in einem eingemauerten Garten, einst für einen Geliebten errichtet, der Protagonist will diesen Garten und die Welt nicht mehr verlassen, die die Mauern einschließen – zum ersten mal wird es dramatisch wie in einem Noir Film: "Bring it on!"
Die zerfaserte Violine von Warren Ellis, der umherstreifende Bass von Martin Casey und der biergetränkte Backround-Gesang von Chris Bailey, einem Veteran der australischen Musikszene - diese Stimmung wird noch weiter voran getrieben in "Dead man in my bed" bevor Nick Cave dann wieder zur Torch-Song-Atmosphäre der Anfangsstimmung zurückkkehrt.
Nicht immer gelingt es Cave sich selbst und sein Tagebuch komplett aus den Liedern draußen zu lassen , zumindest bei "Rock of Gibraltar" hat er nicht, wie bei den anderen Liedern von "Nocturama", das anonym-universelle im Kopf sondern präsentiert eher eine akademische Übung im Konstruieren eines Songs, der bei aller Kritik sehr gut klingt, aber nicht die Dimension des restlichen Werkes durchhält.
Ansonsten aber ist Cave dem Platz erstaunlich nahe gekommen, an dem man nicht mehr unterscheiden kann, ob ein Song aus Herz oder Hirn, aus Mythos oder Realität entstanden ist. Dort wo Dylan und Morrison reserviert haben, ist ein Stuhl hinzugestellt worden, an dem jetzt auch Cave sitzt und die Kunst nicht mehr vom Leben trennen kann. Das süße Wohlfühlen in der Melancholie der Nacht erschließt sich am stärksten in Still in Love – Jazzbesen, Regentropfen Piano , eine wimmernde Violine bis Cave schließlich die ersten Strophen singt, die die Eröffnungssequenz eines Films beschreiben, übersetzt heißen sie in etwa: draußen vor dem Haus treiben sich die Polizisten herum, ihre Autos sehen aus, als hätten sie den Blues, der Mond weiß nicht, ob es Tag oder Nacht ist.
Genauso müssen wir uns Nocturama vorstellen.
MUTE, CDSTUMM 207, 0724354399424
HÖREN : http://www.mdr.de/mdr-kultur/figaro/293333.html
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Patti Larkin
"RED=LUCK" |
Vanguard |
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Figaro CD der Woche: Patty Larkin „RED = LUCK“ (Vanguard/Zyx)
Anmod: Rot gleich Glück, das klingt nicht unbedingt nach einer Formel von Albert Einstein, eher schon nach Küchenphilosophie oder dem Klassenkampf der alten Tage des kalten Krieges. Red (equal) Luck hat die Amerikanerin Patti Larkin ihren neusten Songzyklus genannt, das Bild entstammt der chinesischen Kultur und beschreibt, dass das selbe Signal-Rot, das uns eine Gefahr bewusst macht, auch die Lippen der Erregung rot färbt. Den Rest ihrer Alltagsmythen hat Patty Larkin in ihren Liedern versteckt. Stefan Maelck stellt Ihnen unsere Figaro CD der Woche vor.
CD 3 Children
Es geht darum, die Regeln zu brechen singt Patti Larkin in ihrem Lied Children, in dem sie anhand der eigenen Entwicklung das Vermissen der Blumenkinder beschreibt. Der Protagonist erinnert Engel, Taschenbücher mit den Dichterkönigen und den San Franciso Bay Blues, er stolpert durch seine Erinnerungen. Die Lieder von Patti Larkin erzählen keine stringenten Geschichten, sie sind vielmehr Sinnsuche in einer Welt, die von Zeichen und Bedeutungen zugestellt scheint, so dass die wahre bedeutung des Lebens immer unsichtbarer, immer unerreichbarer scheint.
„Diese Stücke entstanden aus einem Gefühl der Sehnsucht; der Trennung; des Mangels“sinniert Larkin. “Wie hält man sich selbst aufrecht, wenn das Gemeinschaftsgefühl beschädigt ist? Diese Songs beschreiben das Ende der Unschuld und wurden in einer einsamen Hütte auf Cape Cod geschrieben.
Patty Larkin war allein mit ihrem Hund und einem Cassettenrecorder, und durchlebte zwei Monate konstanten Schreibens, die nur von den einschneidenden Erlebnissen des September 2001 unterbrochen wurden. „Es gab da nur eine Cassette, die von Bedeutung war“, erinnert sich Larkin an die Zeit in der Hütte zurück. „Das war Neil Young’s HARVEST. Ich hörte es immer wieder; ich war fasziniert von der Ökonomie der Worte, von den einschneidenden Melodien.
CD 6 Birmingham
Nachdem der Herbst 2001vorüber war, begann Patty Larkin die Aufnahmen. Zusammen mit ihren Weggefährten Bette Warner und Ben Wittman (Percussion) nutzte sie das Road Narrows-Studio auf Cape Cod, um komplexe Live-Arrangements von größter Schönheit für akustische und elektrische Gitarre zu schaffen. Später fügte Larkin Slide-Gitarre, Mandoline, Bouzouki, Lapsteel, Akkordeon, Klavier und Harmonika hinzu. Einige der Stücke mit Gitarre und Gesang wurden sofort nach dem Komponieren noch spätnachts aufgenommen. Gastmusiker schauten vorbei - Marc Shulman, John Hickey, Duke Levine und der australische Slide-Held Jeff Lang spielten die Giarren, Jonatha Brooke, Willy Porter, Gideon Freudman spendierte seinen typischen Celloklang, Seamus Egan, Mick McAuley und Winifred Horan von Solas kredenzten keltisch angehauchte Arrangements mit Mandoline, Fiedel und Akkordeon.
CD 13 St. Augustine
Patty Larkin wurde in Iowa geboren und wuchs in Milwaukee in einer Familie auf, in der Musik den Zusammenhalt der Generationen festigte. „Beide Großmütter spielten Klavier, und immer, wenn wir zusammenwaren, wurde gesungen. Ich erinnere mich daran, als kleines Kind unter dem Klavier zu stehen, während jemand Barrelhouse Blues spielte – Ich fühlte mich, als ob ich gerade Gott gesehen hätte, so beeindruckte mich der Sound.” sagte Larkin, die schon als Teenager als Teenager Klavier und Gitarre gespielt hatte und später zunächst Englische Literatur und dann Musik studierte.
Nach einigen Alben auf kleineren Labels veröffentlicht Larkin seit 1997 auf dem geschichtsträchtigen Vaguard –Label und hat mit ihrem Album
REGROOVING THE DREAM das Regelbuch des akustischen Songwritings neugeschrieben. Aus der Lapsteel wurde ein Percussion-Instrument, die Slapsteel, Loops, Samples – all diese Elemente fügten sich in Larkins Soundstruktur ein , hier gleicht sie in ihrer Arbeit sehr stark Ani di Franco, die ähnlich percussiv Gitarre.
CD 12 Inside your Painting
Patti Larkins Songs werden von Holly Coel und Cher gecovert, sie schreibt des öfteren Lieder für Filmsoundtrack großer Produktionen .
Sie hat zahlreiche Preise erhalten; unter anderem die Ehrendoktorwürde des Berklee College of Music. Die Stadt Boston ehrte sie sogar miteinem eigenen
„ PattyLarkin-Tag“.
Eines der ergreifendsten Stücke auf RED=LUCK ist der Song Too Bad, eine traurige Liebesgeschichte, in der es heißt: wenn Flügel für Menschen gemacht wären, dann hätten wir nicht voreinander davonlaufen müssen. So einfach ist das. Die Welt, wie Patty Larkin sieht sieht.
CD 7
Abmod: Patty Larkin mit „Too Bad“ aus ihrem Album „RED = LUCK“, unsere Figaro CD der Woche, vorgestellt von Stefan Maelck, erschienen bei Vanguard, 79727-2- Musik daraus an jedem Tag in dieser Woche in Figaro, zu gewinnen am Freitag.
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Richard Thompson
"The Old Kit Bag" |
Cooking Vinyl/Indigo |
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Richard Thompson „The old kit bag“ (Cooking Vinyl)
Richard Thompson gehört zu der Art Musiker, von dem jeder schon mal was gehört hat, bei dem die genaue Zuordnung aber schwer fällt, wenn es in’s Detail geht. War das nicht der Folki, der Barde, der Rocker? Stimmt, war und ist er alles – stilistisch ändert er sich von Album zu Album.
Und wie war das noch gleich mit Linda Thompson und Danny Thompson? Und mit Fairport Convention oder Spencer Davies?
Richard Thompson, Jahrgang 1949, ist ein Stück Musikgeschichte, den der britische Melody Maker einst „den fähigsten Songschreiber des Landes“nannte und dessen Songs wie „Dimming of the day“ in der Version von Bonnie Raitt oder „Down where the drunkards roll“ in der Bearbeitung von Los Lobos große Hits wurden. Auch seine Kollegen Dylan und Costello spielen seine Songs – Musician’s Musician nennt man ein solches Phänomen gerne.
God hat nie Charlie Parker gehört, singt Richard Thompson mit gewohnt rauher und brüchiger Stimme, Parker war ein blasphemischer Frauenheld, der sich sein Gehirn mit einer Nadel rausgewaschen hat, also weg mit seiner dämonischen Musik fordert Thompson, der sich im Song „Outside of the inside“ als Philister getarnt durch die Geschichte des Denkens bewegt und feststellt, das alles, was unter die Oberfläche geht, gefährlich ist und die Menschheit nur verunsichert.
Einstein, Newton, Shakespeare, Van Gogh, Botticelli – alles nur kleine Ideen für kleine Jungs, alles nur Hintergrundgeräusche und endloses Geschwätz. Thompson präsentiert auch auf dem neuen Album „The old kit bag“ wieder einmal seine ganz große Stärke: er steigt in die Figuren, die er erfindet ganz hinein, er erzählt überzeugend aus deren Perspektive, mitunter wurde ihm schon ein Hang zum Pathologischen unterstellt, wenn er über zerbrochene Beziehungen oder alltägliche Ängste sang. Dazu schreibt er mitunter die schönsten Melodien, die in perfekte Arrangements verpackt den Hörer oft einfach dahinschmelzen lassen, der dann ein paar Minuten später unsanft aufgeschreckt wird, denn Thompson, der seine Karriere bei der britischen Folkrocklegende Fairport Convention begann, lässt es auch heute noch gern einmal krachen zwischen seinen großen Balladen.
„Der beste Rockmusiker, der nie einen Hit hatte“ wie der Evening Standard ihn einmal nannte, ist nicht nur ein begnadeter Songschreiber, auch um seine Dienste als Studio-Musiker mühen sich die unterschiedlichsten Künstler. Thompson spielt regelmässig auf den Alben von J.J.Cale, Nanci Griffith, Julian Dawson, Shawn Colvin, Jennifer Warrens oder Suzanne Vega.
Begonnen hat Thompson als Songschreiber für die Spencer Davies Group,
1974 konvertierte er zum Islam, beschäftigte sich mit asiatischen Religionen und Philosophien und scheiterte beim Aufbau einer Sufi-Gemeinde in London.
Zusammen mit seiner Ehefrau Linda Thompson nahm er bis zum Ende der Ehe 1982 6 folkorientierte Alben auf, zu seinem ganz eigenen Stil fand er erst in den 80ern mit Alben wie „Hand of Kindness“ oder „Amnesia“. Sein vorletztes Album „Mock Tudor“ war eine Hommage des mittlerweile in Los Angeles lebenden Musikers an seine Heimat London. Eher noch, so sagt Thompson „waren es die Erinnerungen an London, wie es vor 20, 30 Jahren war. Das moderne London ist kalt, kein Gemeinschaftsgefühl mehr. Überhaupt leben wir in einer beunruhigenden Zeit.“
Nicht von ungefähr stammt der Titelsong des neuen Albums „The old kit bag“ von einem der populärsten Mutmacher-Songs des 1.Weltkriegs. Diese Haltung: egal was passiert, wir werden lachen, pfeifen, weitermachen, die der Song assoziiert ist von Thompson natürlich ironisch gemeint.
In seinen Liveprogrammen spielt Richard Thompson dieser Tage auch den Phil Ochs-Klassiker „ I ain’t marchin’ anymore“, Thompson, der eigentlich Politik immer aus seiner Musik herausgelassen hat, will sich angesichts des bevorstehenden Irak-Kriegs einmischen in eine öffentliche Debatte, die es leider, wie er sagt, nur außerhalb der USA gibt.
Auf seinem neuen Album „The old kit bag“ geht es allerdings vorrangig um unerfüllte Liebe und Einsamkeit. In „First breath“ etwa versucht sich der Protagonist an den Gedanken zu gewöhnen, das zu lieben, was übriggeblieben ist von seinen Träumen.
Unguents, Fig Leaves and Tourniquets for the Soul ist der Untertitel des neuen Richard Thompson Albums – also Salbe, Feigenblätter und Aderlass für die Seele und das sind diese Lieder in der Tat. In zwei Zyklen sind die 12 Lieder geteilt, Das beunruhigende Andenken ist der erste Teil benannt, der zweite heißt in etwa: die Freunden des Pilgers. Natürlich funktionieren die Songs auch einzeln, „The old kit bag“ ist kein Konzeptalbum, folgt aber trotzdem einer gewissen Dramaturgie der Vor und Rückverweise. Ach ja, und den Bass spielt mal wieder Danny Thompson, der mit Richard nur im Geiste verwandt ist. Ein Album voller Perlen und bei "Word Unspoken, sight Unseen" wird Bonnie Raitt sicher schon mit den Füßen scharren.
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